Arirang (2017)

Arirang (2017) © Gordon Below

Bei ihrer Aufführung von "Arirang - Wo ist Nordkorea?" gewährt Christine Chu den Zuschauern im zeitraumexit Mannheim einen tiefen Einblick in ihre Gefühlswelt bezüglich ihrer koreanischen Wurzeln zu denen sie kaum einen Bezug hat, die aber trotzdem einen Teil ihrer Identität ausmachen.

Im Rahmen des Internationalen Samplingfestivals Supercopy tritt Christine Chu mit ihrer Vorführung "Arirang – Wo ist Nordkorea?" im zeitraumexit in Mannheim auf und erzählt auf bewegende Art und Weise nicht nur die Geschichte ihres Vaters, sondern setzt sich auch selbst mit ihren koreanischen Wurzeln auseinander. 

Die Geschichte ihres Vaters 

Um kurz nach 21:00 Uhr beginnt die Vorstellung im zeitraumexit. Christine Chu wird musikalisch von Thomas Maos und Se-Mi Hwang unterstützt, die mit verschiedenen Instrumenten eine atmosphärische Stimmung schaffen. Dazu gehört der Gebrauch von E-Gitarre bis hin zur Klangschale. Der Raum ist dunkel und mit selbstgebauten, schlichten weißten Lampen gefüllt.

In der ersten Hälfte beschäftigt sich Christine Chu besonders mit der Geschichte ihres Vaters. Auf Tonaufnahmen erzählt dieser selbst von seinen Erlebnissen in Nordkorea, der Flucht nach Südkorea, seiner Zeit im Zweiten Weltkrieg und während des Koreakrieges bis hin zu seiner Auswanderung in die USA im Jahr 1955. 

Die Erzählung wird musikalisch begleitet und es erscheint als ob Christine Chu das Erzählte durch ihre tänzerischen Bewegungen noch einmal selbst durchlebt. Am Ende beschreibt sie anhand eines selbstgemalten Zeitstrahles die Zeit ihres Vaters in Korea und erklärt diese mit eigenen Worten und unter Berücksichtigung der historischen Ereignisse.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Herkunft

Nach einer kurzen Pause geht es weiter mit dem zweiten Teil der Vorstellung, für den Christine Chu in ein traditionelles koreanisches Gewand geschlüpft ist. In diesem beschäftigt sie sich mehr mit der Zeit ihres Vaters in den USA und Deutschland und den damit verbundenen kulturellen Unterschieden. Besonders hervorgehoben wird hier auch ihre eigenen Auseinandersetzung mit ihren Wurzeln, im Gedächtnis bleibt besonders eine Aussage: "Ihr schaut in meine Augen und denkt: Die ist nicht von hier. Ich schaue in meine Augen und denke: Gehören die zu mir?" 

Hier wird noch einmal das Gefühl der Heimatlosigkeit von Christine Chu deutlich. Sie hat koreanische Wurzeln, jedoch nie die Möglichkeit in die Heimat ihres Vaters zu reisen. Ortsnamen aus den Erzählungen ihres Vaters bleiben was sie sind: Namen. Auch spricht Christine Chu mehrere Sprachen, koreanisch gehört aber nicht dazu. Sie ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, dennoch sind ihre koreanischen Wurzeln ein Teil ihrer Identität.

Arirang und der Einsatz von Samples

Zweimal wird das Lied Arirang im Rahmen der Vorführung gesungen. Einmal von Se-Mi Hwang, die in Südkorea geboren ist und mittlerweile seit 6 Jahren in Deutschland wohnt und einmal auf einer Tonaufnahme von Christine Chus Vater selbst. Arirang wird im Verlauf des Stückes verschiedenen Metarmorphosen unterzogen und dient als musikalisches Leitmotiv und steht symbolisch sowohl für die Sehnsucht nach Heimat als auch für die Entfremdung von ihr.

Im zweiten Teil wird auch die Idee des Samplings noch mehr in den Mittelpunkt gestellt. Aus der Tonaufnahme ihres Vaters und einzelnen Sätzen wird eine Art Remix geschaffen, die Sätze werden immer und immer wird abgespielt und musikalisch untermauert.

Aus Sicht von Christine Chu hat ihr Vater seine Geschichte jahrelang in einem Koffer mit sich herumgetragen, bis sie ihn durch ihre Fragen endlich dazu brachte, diesen auszupacken. Die Beschäftigung der Tochter mit der Geschichte ihres Vaters und ihre Auseinandersetzung mit ihrer eigenen Identität ist bemerkenswert und bewegend – und lässt die Zuschauer staunend zurück.

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