Faber (2017)

Faber (2017) © Fabien J. R. Raclet

Der Zürcher Singer-Songwriter Faber beehrt die halle02 in Heidelberg, wo er sich mit einem energetischen, 100-minütigen Set und bissigem Humor als Gegenentwurf zur deutschen Kuschelpop-Herrlichkeit präsentiert.

Mal ironisch-gehässig, mal politisch und nachdenklich, ganz selten auch mal liebevoll: Faber erteilt dem Mainstream eine klare Absage, und das sowohl musikalisch als auch textlich: "Jede Theke träumt von einem Bier. Warum, du Nutte, träumst du nicht von mir?"

Endlich räumt mal jemand ordentlich auf in den Schubläden voller Klischees und macht Schluss mit der aufgesetzten und unnatürlichen Sentimentalität, die dem deutschen Pop seit jeher anhaftet: Stichwort Böhmermann.

Er wird ganz groß

Faber hat mit seinen eigenwilligen Texten einen Nerv getroffen. Der Club der halle02 in Heidelberg ist komplett ausverkauft. Die Stimmung im sehr jungen Publikum ist famos, alle fiebern der Show des jungen Zürcher Sängers entgegen.

Bevor es soweit ist, geben Steiner & Madlaina ihre Lieder zum Besten. Die zwei jungen Frauen mitsamt Drummer legen einen hörenswerten Auftritt hin, allerdings fehlt ihren englischsprachigen Songs das Besondere. Die deutschen Lieder hingegen stehen den Schweizern viel besser zu Gesicht, was sich auch im lauten Beifall des Publikums widerspiegelt.

Posaunen-Power

Während der Show von Faber steigt schließlich die große Tanzparty. Der Akustik-Balkan-Indie-Punk gewinnt live durch die unfassbare Energie, die der Sänger und seine drei Mitmusiker verbreiten, an Intensität. In einigen Songs scheint es fast so, als würden sich Faber und der Posaunist zu immer größeren Höhen anspornen. 

Besonders während der wilden Instrumental-Parts tobt die Menge, während die Band auf der Bühne mit einer riesigen Portion Spaß ihre eigene Feier startet. Zu den Stücken "Es wird ganz groß" und "Alles Gute" herrscht absoluter Ausnahmezustand, im vorderen Teil des Publikums wird ausgelassen gepogt. 

Lässiger geht nicht

Die Ansagen Fabers sind fast noch besser als seine Songtexte. So philosophiert er kurz über die Blessuren seiner Gitarre. Von mehreren Seiten sei ihm nahegelegt worden, sich eine bessere Gitarre zuzulegen. Dies lehnt er aber strikt ab: "Stellt euch vor, meine Gitarre würde sich einen besseren Sänger suchen. Das fände ich auch nicht so geil."

In den richtig schön ironischen und rotzigen Songs kommen auch immer wieder ernste Themen zum Vorschein: "Widerstand" oder "In Paris brennen Autos" richten sich gegen den politischen Opportunismus und gegen das Ausharren in der eigenen Komfortzone. Besser als es Faber getan hat könnte man solche Themen nicht zur Sprache bringen.

Das Leben ist doch ein Wunschkonzert

Die Zugabe gestaltet der Zürcher als Wunschkonzert. Er geht dabei auf fast alle Zurufe der Zuschauer ein, sodass er am Ende vier (oder waren es doch fünf?) Songs alleine auf der Gitarre spielt, unter anderem ein Cover von Georg Danzers "Freiheit". Hier kommt Fabers raue, männliche Stimme bestens zur Geltung. Die Zuschauer bekommen einfach nicht genug, im Club herrscht pure Euphorie.

Er kann's nicht lassen

Die lange Zugabe kommentiert der Sänger äußerst belustigt: "Das ist schließlich euer Konzert. Ihr hättet ja früher gehen können." Natürlich bleiben alle bis zum Schluss, als Faber nochmals die Band auf die Bühne holt. Es folgen die zwei Power-Songs "So Soll Es Sein" und "Tausendfrankenlang". Der Schweizer lässt es sich nicht nehmen, als zweite Zugabe das Lied "Wer nicht schwimmen kann, der taucht" zu spielen, eine böse Abrechnung mit dem Ignorantentum des besorgten Bürgers in Zeiten der Flüchtlingsströme.

Die Wahnsinns-Show von Faber ist einfach zu ereignisreich, als dass man sie in einem Bericht komplett abdecken könnte. Die gut aufgelegte Band und die unschlagbaren Texte lassen niemanden still stehen. Wie heißt es in einem Song doch so schön: "Nur die ganz blöden Fische schwimmen gegen den Strom".  Grund genug für Faber, es trotzdem zu tun. Und das ist sehr gut so.

Setlist 

Ouverture / Widerstand / Immer wieder / Nichts / Es könnte schön sein / Lass mich nicht los / Kalte Welt // In Paris brennen Autos / Es wird ganz groß / Wenn Du's halten kannst / Züri / Tram / Alles Gute // Umbrella / Freiheit / Gangster / Sei ein Faber im Wind // So soll es sein // Tausendfrankenlang // Wer nicht schwimmen kann der taucht

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