Time Warp (Mannheim, 2016)

Time Warp (Mannheim, 2016) © Alex Schäfer

Die Time Warp in der Mannheimer Maimarkthalle hat sich seit Jahren auf einem guten Niveau etabliert. Die Besucher der diesjährigen Ausgabe erleben ein verlässliches Event, das neben Schwächen im Timetable auch einige Highlights zu bieten hat.

Als etabliertes Event, das seit Jahren mit rund 15.000 Besuchern immer ausverkauft ist, besteht für die Veranstalter der Time Warp wenig Grund, das Konzept zu ändern. Genau so wirkt es 2017.  Es ist alles so beständig, fast bodenständig. Es fehlt ein wenig das Außergewöhnliche, der große Glanz. Das kann man an vielen Punkten festmachen.

Wenig inspiriert sind 2017 die Besucher, die sonst fast jedes Jahr mit irgendeinem neuen Trend aufwarten. 2017 ist alles extrem normal. Die wenigen Auffälligkeiten wie die Halbmasken am Unterkiefer stammen von einem Verkaufsstand in den Hallen, wurden also nicht selbst mitgebracht.

Sorgenkind Floor 6 

Wie wenig inspirierend 2017 ist, zeigt sich sehr gut auf Floor 6. 2016 noch ein optisches Highlight mit den beleuchteten Würfeln an der Decke, gibt es 2017 nur eine Reihe von Scheinwerfern, die verschiedene Lichtstrahlen erzeugen. Langweiliger geht kaum. Dementsprechend gering war der Zulauf zu Floor 6 über die ganze Nacht und es kommt kaum zu ausgelassener Stimmung trotz einiger vereinzelter Tänzer.

Schon vor Mitternacht herrschte bei dem einschläferndem Sound von &Me die sprichwörtliche Tote Hose auf Floor 6. Das ändert sich auch später nicht bei den Standardbeats von Nick Curly. Ebenso läuft das Debüt von Jackmaster von der breiten Masse fast unbeobachtet ab, obwohl er nach anfänglich gleichbleibenden Beats später durchaus interessante Melodien in sein Set einbaut. Der Zulauf bleibt auch bei Mathias Kaden schwach, obwohl er ordentlich Druck gibt und reihenweise harte Beats in den Raum feuert. Letztlich fehlt es an interessanten Reizpunkten, um sich länger auf Floor 6 aufzuhalten.

Party auf dem Parkplatz

Auffällig ist 2017, wie viele Besucher noch vor 23 Uhr bei ungewöhnlich warmen Wetter auf dem Parkplatz verweilen, um dort ihre Party zu feiern, als tatsächlich das Maimarktgelände zu betreten. Es wird der Livestream aufgedreht, um den Sound von drinnen mitzuhören. So kommt es, dass der Besucherandrang zu diesem Zeitpunkt noch relativ schwach ist. Das bekommen neben Floor 6 auch andere Acts zu spüren. So agieren die Bunten Bummler auf Floor 5 vor ebenso fast leerem Parkett. Auch bei tINI auf Floor 3 bleibt es trotz der peitschenden Beats bestenfalls halbvoll. Lediglich Adriatique kann abseits der großen Main Floors auf Floor 4 mit seinen dunklen, dumpf klingenden Beats, eine größere Masse an sich binden und zum Tanzen bringen.

So feiern die meisten Tänzer auf den beiden Main Floors ab. Hauptact zwischen 23 und 1 Uhr auf Floor 1 ist Chris Liebing. Seine harten, direkten Beats sind bis in den Bauch spürbar. Er hat bis 1 Uhr den größten Zulauf. Auf Floor 2 gibt Sam Paganini mit seinem Tech House Sound sein Debüt bei der Time Warp. Der verspielte, oft sehr klirrende und vibrierende Sound, kommt bei den Besuchern sehr gut an. Auffällig ist auf Floor 1 das neue Deckendesign, ein Himmel voll tiefhängender Blasen und Kugeln. Dazwischen schießen die Scheinwerfer hervor. Der Raum wird dadurch sehr verengt, es entsteht eine optische Tiefe. Auf Floor 2 übernimmt ab 23:30 Uhr Rodhad die DJ Stage. Sein Grundbeat ist ähnlich geradlinig wie nebenan bei Chris Liebing, aber seine darin eingearbeiteten Melodien lassen so manchen Fan schwärmen: "So schöne Musik". 

Die großen Highlights

Bis 1 Uhr bleiben trotz guter Sets viele Floors im Vergleich zu früheren Jahren doch sichtbar leerer. Alles wartet scheinbar auf die großen Stars und so kommt es zum vorhersehbaren Megastau am Zugang zu den Main Floors inklusvive vieler frustrierter Besucher, die mehrere Minuten draußen warten müssen. Wer es auf die Main Floors geschafft hat, darf nun mit Carl Cox oder Dubfire abfeiern. Bei Carl Cox herrscht wie jedes Jahr der größte Andrang. Hunderte Smartphones filmen mit, als er ans Pult tritt, seine Fans begrüßt und dann seine Tanzrhythmen der Extraklasse ins Publikum feuert. Jetzt endlich kommt auch das geniale Deckendesign mit den Leuchtfäden, das 2016 noch auf Floor 2 angebracht war, zum Einsatz. Unter den Leuchtfäden an der Decke, die grün oder rot leuchtend abwechselnd geradeaus zur Bühne hin oder quer geschaltet sind, tanzen sich die Besucher in einen Rausch, alle Körper und Köpfe wippen mit.

Bei Dubfire auf Floor 2 vibriert der ganze Floor durch die peitschenden, harten Beats. Hier ist es aber nicht ganz so voll wie auf Floor 1, man kommt leicht an jeden Punkt. Das Reinkommen klappt auf Floor 5 bei Monika Kruse dagegen nur mit Wartezeit. Sie ist wie immer ein großer Zuschauermagnet. Ihr treibender, mitreißender Sound ist durchzogen von dramaturgischen Spannungsbögen, mit denen sie ihre Tanzfans immer wieder explodieren lässt. Neben dem Sound ist hier auch die Luft viel besser als nebenan auf Floor 4. Dort sind bei den Martinez Brothers die direkten Floortüren anfangs noch geschlossen. Aber die Luft ist derart schwül, dass es einem leicht die Luft zum Atmen nehmen kann und bei dieser Körperbelastung des Tanzens mehrfach ein Kollaps gedroht hätte. Daher sind die Veranstalter schließlich klug genug, die Türen zu öffnen und Frischluft reinzulassen.

Sven Väth brilliert

Auf Floor 3 ist jetzt Ricardo Villalobos am DJ Pult und sorgt für ein weiteres Highlight der Nacht. Sein Powersound wird unterstützt von tollen visuellen Effekten. Zuerst entsteht aus grünem Licht und Videosequenzen eine Optik wie aus dem Film The Matrix. Anschließend mischen sich rote und blaue Lichter in einem Nebel. Die treibenden, energetischen Beats sind perfekt zum Abtanzen. Auf Floor 2 übernimmt ab 2:45 Uhr Altmeister Sven Väth die Regler. Er präsentiert sich 2017 mit überraschend melodischem Sound, der sich stark von den extrem harten Beats vergangener Jahre abhebt. Damit kommt er besser an als 2016, als sein Floor nicht ganz so voll war. Unter den Kugeln wabert der Sound und hinten pulsiert ein rotes Dreieck zu den Beats wie ein schlagendes Herz. 

Auf Floor 1 beendet Carl Cox um 4 Uhr sein Set mit einem großen Knalleffekt aus Konfetti und übergibt an Maceo Plex. Der Sound wird vibrierender und härter, begeistert aber ähnlich wie zuvor bei Carl Cox. Für die Fans des eher weicheren, flüssigen Tanzens mit hohem Tempo hat jetzt Karotte auf Floor 5 den richtigen Sound. Wie zuvor bei Monika Kruse ist es hier knallvoll und Karotte begeistert mit seinem Up-Tempo House. Ein weiteres Highlight des nun frühen Morgens ist Seth Troxler auf Floor 4. Er ersetzt Jamie Jones, der mit seinem gleichmäßigen, durchgängigen Sound viele Tänzer an sich gebunden hat, die im gleichmäßigen Rhythmus durchtanzen wollen. Seth Troxler dagegen variiert zwischen harten Powerbeats und einem sphärischen Futuresound wie aus einem Science-Fiction Film.

Ausblick auf 2018

Die Time Warp ist wie seit Jahren ausverkauft. Das täuscht aber nicht darüber hinweg, dass viele Besucher einige Aspekte der Organisation oder den Timetable durchaus kritisch sehen. Bei Floor 6 besteht Handlungsbedarf, um in Hinblick auf die optische Gestaltung wie auch die Besetzung für mehr Attraktivität zu sorgen. Dazu sollten die Zeitslots zwischen 23 und 1 Uhr vor allem auf den äußeren Floors mit zuverlässigen Acts besser genutzt werden, die eine hohe Bindekraft beim Publikum haben.

Um Unmut und Warteschlangen zu vermeiden, sollten die Veranstalter sich an die letzten Jahre erinnern und Carl Cox immer allein bei den Main Floors starten lassen, idealerweise mit einem starken Gegenpart, der mindestens 30 Minuten vorher beginnt. Diesmal war das Chaos am Eingang mit dem zeitgleichen Start von Dubfire und Carl Cox vorprogrammiert.

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