Drangsal (live auf dem Maifeld Derby in Mannheim, 2016) Fotostrecke starten

Drangsal (live auf dem Maifeld Derby in Mannheim, 2016) © Achim Casper

Drangsal sind 2016 mit ihrem Debüt "Hariescheim" wie ein Komet in die deutsche Musiklandschaft eingeschlagen. Im Club der halle02 sorgen sie trotz Heiserkeit für ein kurzes, aber intensives Vergnügen.

Es ist ein schönes Bild, welches die halle02 an diesem Abend bietet. Über den Haupteingang strömen in Scharen die Metalfans aus der Region an, um Hämatom im Saal zu sehen, während Drangsal im Club eine Horde Hipster anzieht.

Dass Drangsal aber nicht nur ein Hype in der jüngeren Generation ist, zeigt das gut durchmischte Publikum, denn verschiedene Altersklassen und Typen haben sich im Club versammelt.

Mit Pauken und Trompeten

Es geht früh los mit der Vorband Die Selektion, die kaum einen besseren Start hätten hinlegen können. Mit ihrem Hammer-Bass, Synth-Sounds, den schnellen Beats und der für das Genre wohl eher ungewöhnlichen Trompete passen sie perfekt in den Club, über die Funktion One hat man fast das Gefühl, es würde einem das Trommelfell wegfegen.  

Ihr eher düsterer Elektrosound bringt die Zuschauer bereits ordentlich zum Tanzen, kein leichter Job für Vorbands. Für ein Highlight wird auch direkt gesorgt, niemand geringerer als Max Gruber selbst steht beim vorletzten und wohl poppigsten Song des Sets auf der Bühne. Da wird sich die Seele einmal ordentlich aus dem Leib geschrieen, zum Dank gibt’s einen Schmatzer für Die Selektion. Die Herzen der Fanboys and -girls schlagen höher, euphorischer Applaus am Ende ist der Band sicher.

Krächzendes Engelsstimmchen

Nach kurzer Pause geht es mit "Der Ingrimm" direkt weiter, doch schon bald wendet sich der kränkelnde Max Gruber an sein Publikum. "Mein zartes Engelsstimmchen bereitet mir Probleme, aber das soll mich nicht davon abhalten euch zu bezirzen", krächzt er seinen Fans zu, liefert aber dennoch eine astreine Show ab.

Zusätzlich zu den absoluten Krachern aus dem Debüt wie "Hinterkaifeck", "Will ich nur dich", "Moritzzwinger", "Do The Dominance" und "Wolpertinger" spielt er auch die B-Seite, "die im Herzen doch eine A-Seite ist", "Zur blauen Stunde". Mit "Love Me Or Leave Me Alone" zaubert er einen weiteren Hit aus seinem Album ins Set, ein Mantra, das wohl eine jede narzisstische Künstlerseele nur all zu gut kennt.

Neues Album in Sicht

So langsam neigt sich das Pensum seiner "jugendlichen Stimme" dann aber doch dem Ende zu, zufrieden ist der Sänger mit seiner Performance nicht. Das Publikum feiert ihn dennoch, nach einem kritischen Kopfschütteln geht es noch mal mit ein paar Songs weiter und diese dürften dem Publikum noch nicht all zu bekannt sein.

Nach der Tour ist die nächste Station anscheinend direkt das Studio, wie Drangsal berichtet. Zwei neue Songs werden schon mal als Kostprobe ins hungrige Publikum geworfen. "Sirenen" und "Und Du (10000 Volt)" machen schon Vorfreude auf Album Nummer 2, vielleicht wird das ja sogar noch was in diesem Jahr.

Mehr als Hype

Mit einer kraftvollen Zugabe mit "Shutter" und dem Opener des Albums "Allan Align" ist dann aber letztendlich Schluss mit Drangsals Brachial-Pop. Ganz ungewohnt kann man davor auch einmal Max am Schlagzeug erleben, während Bassist Sam singt, doch dann ist die Drangsal letztendlich raus.

Unter tosendem Applaus verabschieden sie sich und während Gruber wohl immer noch unzufrieden mit Stimme und Performance ist, entlässt er sein Publikum doch abermals neu verliebt in die Band, die mehr ist als nur purer Hype des beschissenen Jahres 2016.

Alles zu den Themen:

drangsal die selektion

Kommentare