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Ennio Morricone (live in Mannheim 2017) © Rudi Brand

Der italienische Komponist Ennio Morricone macht anlässlich seiner "The 60 Years Of Music"-Tour in der SAP Arena in Mannheim halt. Trotz seines hohen Alters dirigiert er persönlich die 200 MusikerInnen auf der Bühne und begeistert die Zuschauer restlos.

Mit langsamen Schritten besteigt Maestro Ennio Morricone die Treppen zur Bühne, während das Tschechische Nationale Sinfonieorchester mit über 200 Musikern auf den Dirigenten wartet.

Der 88-jährige wird mit Enthusiasmus begrüßt: Einige Zuschauer im Innenraum stehen bereits von ihren Sitzen auf, ohne dass auch nur eine einzige Note gespielt wurde. Dies zeigt, welchen Legendenstatus Morricone bereits erreicht hat.

Das Beste aus 60 Jahren

Und das zurecht, denn unzählige Filmmelodien stammen aus seiner Feder. Der Vitrinenschrank des in Rom geborenen Komponisten ist prall gefüllt mit internationalen Auszeichnungen. Es ist also kein Wunder, dass die 6.000 Besucher in der SAP Arena hellauf begeistert sind, als sich Morricone zu seinem Dirigiersessel begibt, um die schönsten Melodien seiner 60-jährigen Schaffensperiode selbst zu dirigieren. 

Der Abend ist in mehrere Themen-Blöcke bzw. Suites unterteilt, in denen thematisch zusammenhängende Titel gespielt werden. Einige Blöcke tragen den Namen von Filmen, andere sind Regisseuren wie Giuseppe Tronatore oder Sergio Leone gewidmet, die mehrfach erfolgreich mit Morricone zusammengearbeitet haben.

Würdevolle Ruhe

Morricone dirigiert das Tschechische Sinfonieorchester mit ruhigen Handbewegungen. Die Zuschauer erleben einzigartige musikalische Augenblicke wie das liebevoll fließende Thema von "Cinema Paradiso" oder das pompöse "Tarantella" aus dem Film Baaria, das in Teilen an einen Triumphmarsch erinnert.

Eine Moderation gibt es an diesem Abend nicht, der 88-Jährige nimmt den Applaus nur mit einer langsamen Drehung zum Publikum und einer würdevollen Verbeugung entgegen. Doch schon diese kleinen Gesten reichen vollkommen aus.

Der Wilde Westen vor dem inneren Auge

Den Höhepunkt des ersten Abschnitts bildet eine Suite mit den Melodien zu Sergio Leones Western-Filmen. Vor allem das Hauptthema von "Zwei Glorreiche Halunken" und das dazugehörige "The Ecstasy Of Gold" sorgen für Begeisterungsstürme. Die Sopranistin Susanna Rigacci bietet mit ihrem bravourösem Gesangspart eine würdige Interpretation des Stücks, das im Original von Edda dell'Orso eingesungen wurde.

Verzicht auf visuelle Hilfsmittel

An diesem Abend werden keine Filmsequenzen oder filmähnliche Projektionen gezeigt. Der Fokus liegt somit komplett auf Morricone, dem Orchester mit Chor und der fantastischen Musik. Das Konzert unterscheidet sich also grundlegend von den Shows anderer Filmkomponisten: Bei The Music Of John Williams und Hans Zimmer stellten die Filmauschnitte bzw. Farbprojektionen einen wichtigen Bestandteil des jeweiligen Show-Konzepts dar.

Während des Konzerts von Morricone werden nur die Vorhänge in stimmigen Farben bestrahlt. Dass die Filmausschnitte komplett fehlen, ist kein Manko, im Gegenteil: Die Zuschauer können ihrer Fantasie freien Lauf lassen und die Wirkung der Musik genießen. Ennio Morricone und der riesige Klangkörper besitzen ohnehin eine ungeheure audiovisuelle Strahlkraft.

Himmlisches Ende

Der zweite Teil kann ebenfalls mit vielschichtiger Musik brillieren: Angefangen bei der düsteren, grollenden Fuge "Bestiality" aus Tarantinos "The Hateful Eight" über die erhabene Titelmelodie zum Film "Vatel" und dem monumentalen "The Red Tent" bis hin zum Finale mit "The Mission". 

Himmlischer hätte die Setlist nicht enden können. "On Earth As It Is In Heaven" besticht mit der vielschichtigen Polyphonie des Chores und einem balancierten Spannungsbogen. Die Zuschauer sind sichtlich ergriffen von diesem musikalischen Kunstwerk. Mit Standing Ovations fordert das Publikum lauthals eine Zugabe, die sie mit "Abolisson" und den nochmals erklingenden "The Ecstasy Of Gold" und "On Earth As It Is In Heaven" auch bekommt.

Glückselige Zuschauer

Ennio Morricone liefert in der SAP Arena einen würdevollen Auftritt mit einer klug ausgewählten Setlist voller legendärer Titelmelodien. Dass die Stücke ohne visuelle Ausschnitte gezeigt werden, erweist sich als eine gute Entscheidung.

Der Kommentar eines Besuchers bringt es auf den Punkt: "Würde er in den nächsten Monaten nochmals auf Tournee gehen, ich würde wieder hingehen!" Das lässt sich vorbehaltlos unterschreiben.

Setlist

Erster Teil: Die Legende vom Ozeanpianisten // Tarantella // Chi Mai // H2S // Metti Una Sera A Cena // Croce d'Amore // Cinema Paradiso // Per Le Antiche Scale // Irene-Dominique // The Good, the Bad and the Ugly - Titielmelodie // Jill's Theme // Sean Sean // The Ecstasy Of Gold 

Zweiter Teil: Stage Coach To Red Rock // Bestiality // Deborah's Theme // Addio Monti // Vatel's Theme // Do Dreams Go On // They're Alive (SOS) // Others, Who Will Follow Us // Gabriel's Oboe // Falls // On Earth As It Is On Heaven

Encore: Abolisson // The Ecstasy Of Gold // On Earth As It Is In Heaven

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