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K.I.Z (live in Frankfurt, 2017) © Mathias Utz

Sie bringen den Hass: Die Berliner Rapcombo K.I.Z. stürmt mit einer zweistündigen Bombast-Show im Rahmen ihrer zweiten Weltuntergangstour die ausverkaufte Jahrhunderthalle in Frankfurt und lässt dabei kein T-Shirt trocken. Nie war Hass unterhaltsamer!

Wer hätte das gedacht? Die Welt ist noch immer nicht untergegangen – trotz der Warnungen aus dem Bravo-Horoskop, der Majaforscher, Astro TV und letztlich Berlins vier Rüpelrappern K.I.Z.

Wem sollen wir noch glauben? Dabei geben wir uns doch so viel Mühe! Immerhin bleibt dann noch Zeit für eine weitere Weltuntergangssause.

Schwarz, ohne Zucker

Die Frankfurter Jahrhunderthalle ist restlos ausverkauft, die Stimmung schon zu Beginn der Show von K.I.Z. äußerst ausgelassen. Sitzplätze braucht es jedenfalls nicht. Hände, Handys und Hintern werden gehoben, eine provokative Zeile nach der anderen mitgegröhlt und erste Moshpits entstehen.

Der Mob ist bereit, der Humor an diesem ehrenlosen Abend so schwarz wie die Uniformen der vier Nachwuchsdiktatoren. Bei K.I.Z wird eben nicht gekleckert: die Bühnendeko wird bestimmt durch vier riesige, laserschießende Statuen als Abbilder der Rapper, in der Mitte steht ein Panzer, auf dessen Geschützturm DJ Craft die aggressiven Beats abfeuert. Der Sound ist erste Sahne!

Zwischen den Tracks wird allerlei sarkastischer Small-Talk mit dem Publikum betrieben, sich eine Kippe angezündet und gegen die Frankfurter gestichelt, weil Offenbach am Tag zuvor viel geiler war. "Ist es okay, wenn wir die Show kürzen, damit ich wieder an den Computer kann?", fragt Sim-City-Suchti Tarek, der sich laut Publikum gefälligst seiner Klamotten entledigen soll.

Unterhaltsame Provokation

Wer zu einem K.I.Z.-Konzert geht, sollte eines wissen: hier ist wirklich alles mit einem Augenzwinkern zu sehen, was durch die Over the top-Inszenierung untermauert wird. Es regnet Geldscheine bei "Geld", Maxim krabbelt bei "Käfigbett" blutüberströmt aus einer überdimensionalen Vagina, maskierte Sturmtruppen ballern mit MGs Luftschlangen ins Rund und bei "Wir" schweben K.I.Z. an Seilen befestigt gottgleich über dem pogenden Pöbel, den die "Abteilungsleiter der Liebe" zuvor auch auf dem Balkon besucht haben.

Paradoxerweise fühlt es sich auch nicht falsch an, wenn aus tausenden Kehlen im Chor über Hurensöhne, Adolf Hitler, Vergewaltigungen oder sonstige grenzwertige Themen fast schon hymnisch gesungen wird. K.I.Z. bringen den Hass in Textform und schaffen intelligente Unterhaltung. Definitiv kein "Urlaub fürs Gehirn".

Multiple O(h)rgasmen

Die Show ist perfekt durchinszeniert und auch raptechnisch auf hohem Niveau. Der Fokus auf den einzelnen Bandmitgliedern ist ausgewogen. So steht jeder der Rapper einmal im Vordergrund. Rund zwei Stunden liefern K.I.Z. ihrem einfachen Volk einen schweißtreibenden Ritt aus der bisherigen Historie mit Klassikern wie dem heftig geforderten "Hurensohn" (nur echt in der "We are the world"-Version) oder "Spasst", Mixtapetracks wie "Ich bin Adolf Hitler" oder "Ein Affe und ein Pferd", Chartbreakern wie "Geld essen" und dem aktuellen Weltuntergangs-Material.

"Ich kann nicht mehr, Frankurt. Ich bin jetzt schon fünf Mal gekommen. Es fühlt sich nicht mehr richtig an", lässt Maxim verlauten. Da ist er sicher nicht der bzw. die Einzige.

Setliste

Duhastaufdeinenkokaturndeinegeistigbehinderteschwestergeficktmucke / Urlaub fürs Gehirn / Geld / Einritt / AMG Mercedes / Ehrenlos / Ich bin Adolf Hitler / Spasst / Das Kannibalenlied / Abteilungsleiter der Liebe / Glücklich und satt / Käfigbett / Geld essen (Ausgestopfte Rapper) / Nagellackentfernerfotze / Ellenbogengesellschaft (Pogen) / Ein Affe und ein Pferd / Verrückt nach dir / Neuruppin // Wir / Was würde Manny Marc tun / Ariane / Boom Boom Boom / Raus aus dem Amt // Hurra die Welt geht unter / Hurensohn / We Are the world

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k.i.z

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