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Green Day (Live in Mannheim 2017) © Rudi Brand

Das aktuelle Album von Green Day trägt den bedeutugsvollen Titel "Revolution Radio". Eine Revolution erleben die Besucher in der SAP Arena in Mannheim nicht, aber dafür eine vollgepackte Punkrock-Show, die trotz routinierter Abläufe jeden Zuschauer mitnimmt.

"Da draußen gibt es so jemanden wie Donald fucking Trump. Hier drinnen wollen wir diesen ganzen Hass einfach vergessen und Spaß haben. Lasst uns gemeinsam die Freude am Leben feiern!" Dass sie politisch einiges zu sagen haben, zeigten die Punk-Rocker Green Day bereits 2004 mit ihrem Mega-Seller "American Idiot".

Bei ihrem Konzert In der SAP Arena in Mannheim beweisen die Kalifornier sehr zur Freude der Fans, dass sie kein bisschen an Spielfreude und Leidenschaft der Anfangsjahre eingebüßt haben. Doch zunächst alles auf Anfang.

Ohrwurm-Ska

Der Beginn des Abends steht im Zeichen des Ska-Punk: Die Support Band The Interrupters legt sich zwar ordentlich ins Zeug, sorgt beim Publikum aber leider nur vereinzelt für zärtliches Pogen. Zugegebenermaßen hat das Quartett aus Kalifornien mit ihrer Musik das Rad sicherlich nicht neu erfunden. Dazu passend gibt es auch noch den ska-typischen Schwarz-Weiß-Look mitsamt den kahlrasierten Köpfen der drei männlichen Bandmitglieder.

Doch die Gruppe ist sicherlich nicht einfach eine reine Fusion von Rancid und The Clash. Dazu trägt vor allem die Sängerin bei, die mit ihrer rauen Stimme und ihrer Energie einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Einige Songs fräsen sich außerdem in die Gehörgänge und bleiben dort hängen, wie vor allem das Lied "A Friend Like Me".

Freudige Vorbereitung auf Green Day

In der 30-minütigen Pause findet sich kurz Zeit, einen kleinen Rundgang durch die Arena zu machen. Auffällig ist, dass vom jungen Teeniealter bis Mitte 50 alle Altersklassen vertreten sind. Old-School-Fans treffen sozusagen auf Neuentdecker der Band.

Da der elektrische Banner in der Halle mehrfach höflich auf laute Pyro-Effekte der Green Day-Show aufmerksam macht, decke ich mich schnell noch mit Ohrstöpseln ein, bevor es dann losgeht.

Bumm, Krach, Wumms!

Es zeigt sich, dass die Idee mit den Stöpseln gar nicht so verkehrt war: Nachdem der berüchtigte pinke Hase das Publikum mit dem vom Band laufenden Song "Blitzkrieg Bop" auf Stimmung gebracht hat, geht es bei Green Day sofort heiß her. Während der Show erleben die Zuschauer ein verspätetes Silvester mit lauten Knall- und Sprüheffekten sowie riesigen Feuerfontänen. Augen und Ohren kommen gleichermaßen auf ihre Kosten.

Green Day erzeugen erwartungsgemäß schon mit ihrem ersten Song "Know Your Enemy" eine bombastische Stimmung. Billie Joe Armstrong weiß, wie er mit dem Publikum umzugehen hat. Kurzerhand fordert er den gesamten Rang auf, aufzustehen. Die gesamte Arena steht vom Anfang bis zum Ende – wie es sich für ein Punkrock-Konzert eben gehört.

Punk schlägt Routine

Das Set lässt nur wenige Verschnaufpausen zu, da sich Highlight an Highlight reiht und Billie Joe als Profi-Animateur das Publikum immer wieder aufs neue anfacht. Doch hier liegt auch ein kleines Manko der Band: Die Songs wirken teilweise zu durchstrukturiert. Diejenigen, die sich die Live-DVD "Bullet In A Bible" angesehen haben, erkennen, dass der Vortrag und die Inszenierung einiger Songs beinahe identisch ist.

Das betrifft vor allen Dingen die unzähligen "Call and response"-Gesänge von Billie Joe. Das ständig wiederkehrende "Eeeee-ooooo" mit kleinem Terzfall ist nach dem zehnten Mal nur noch bedingt originell. Das alles ist jedoch Meckern auf dem höchsten Niveau: Green Day durchbrechen diese Routine immer wieder und lassen den Punk aufleben.

Die Zuschauer kommen auf ihre Kosten

Vor allem dann, wenn Billie Joe Fans aus der Menge auf die Bühne holt, gewinnt die Show an Dynamik. Ein weiblicher Fan darf von der Bühne aus ein vom Sänger initiiertes Stagedive vollführen, wohingegen ein anderer, leicht angeheiterter Zuschauer den letzten Vers und Chorus von "Longview" singen darf. Dies tut er allerdings nicht, ohne dabei jedem Bandmitglied einen Schmatzer auf die Wange zu drücken. 

Später darf eine andere Zuschauerin bei der Cover-Version von Operation Ivy's "Knowledge" an die Gitarre, mit der sie das Publikum rockt. Die Nähe zu ihren Fans und die Interaktion mit dem Publikum haben Green Day seit ihren Anfangsjahren zum Glück nie abgelegt. Man denke nur an solche Publikumsaktionen wie die sensationelle Schlammschlacht mit ihren Fans bei Woodstock 1994.

Songs der Anfangsjahre dominieren

Ganz so dreckig geht es in der SAP Arena nicht zu, dennoch feiern die Musiker sehr intensiv mit ihren Fans. Die Setlist besteht erstaunlicherweise zum größten Teil aus Songs aus der Ära der Alben von "American Idiot" bzw. von "Dookie" oder älter, was wahre Begeisterung bei den Fans hervorruft. Die Trilogie "Uno!", "Dos!" und "Tres!" haben die Rocker in Hinblick auf deren Qualität wahrscheinlich bewusst ausgespart. 

Die Kalifornier spielen ebenfalls einige Songs des neuen Albums "Revolution Radio", von denen die meisten doch sehr in Richtung Pop-Rock tendieren. Das muss nichts schlechtes bedeuten, im Gegenteil: "Still Breathing" bleibt lange im Ohr, ohne dabei allzu kitschig zu wirken.

Explosion der Sinne

Green Day schaffen in der SAP Arena großartige Momente, die trotz durchschimmernder Routine den Punk-Spirit zumindest ansatzweise wiederaufleben lassen. Die Show ist sowohl visuell als auch soundtechnisch auf dem höchsten Niveau. Billie Joe, Mike Dirnt und Tré Cool sowie die begleitenden Live-Musiker sind zur Höchstform aufgelaufen. Die Stimme des Sängers ist dabei das gesamte Set hindurch stets klar und bestens zu hören.

Mit einem von Billie Joe solo vorgetragenen "Good Riddance" beenden Green Day das über zweistündige Set. Alle hören bedächtig den letzten Zeilen des Songs zu: "I hope you had the time of your life." Ja, die Zuschauer in der fast ausverkauften SAP Arena hatten angesichts des spektakulären Konzerts ziemlich viel Spaß.

Setlist

Know Your Enemy // Bang Bang // Revolution Radio // Holiday // Letterbomb // Boulevard Of Broken Dreams // Longview // Youngblood // 200 Light Years Away // Hitchin' A Ride // When I Come Around // Christie Road // Burnout // Scattered // Minority // Are We The Waiting // St. Jimmy // Knowledge // Basket Case // She // King For A Day // Still Breathing // Forever Now

Zugabe: American Idiot // Jesus Of Suburbia // Ordinary World // Good Riddance (Time Of Your Life )

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