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Cro (Live in Mannheim 2016) © Rudi Brand

Pop-Rap Panda Cro performt in der Mannheimer SAP-Arena die Zugabe zur letztjährigen MTV Unplugged-Show. Die Show sitzt, die Fans kreischen - was dem Konzert allerdings fehlt, ist Leidenschaft.

Das Publikum in der SAP-Arena macht es einem schwer, zu erraten, wessen Konzert man besucht: Von Kleinfamilien über Oberstufenschüler bis zu hippen Mitzwanzigern ist hier alles vertreten. Einziges Indiz: Allgegenwärtige Merchandise-Artikel mit minimalistischem Panda-Design.

Genau dieser Panda ist es, der unter dem Kreischen zahlreicher Teenager (vornehmlich Mädchen) auf die Bühne hüpft. Ohne Spotlight und Videoleinwände könnten die hinteren Ränge den jungen Mann, der sich selbst Cro nennt, wohl gar nicht recht erkennen, so klein wirkt er vor dem dreistöckigen Aufbau hinter ihm, der Platz für die zahlreichen Musiker bietet.

Fast unplugged

Der Abend steht unter dem MTV Unplugged Banner, das heißt: Populäre Künstler präsentieren ihre Songs in rein akustischem Gewand. So sieht man hinter Cro aufgereiht also Streicher und Bläser, Tasteninstrumente, zwei Schlagzeuge, Backgroundsängerinnen – und Cros Stamm-DJ Psaiko.Dino. So ernst nimmt man das Konzept dann wohl doch nicht.

Nur von minimalen Ansagen unterbrochen, spielt sich die Band durch die erste Hälfte ihres Sets. Was sie bietet, klingt tight und professionell, aber auch erstaunlich nah am Original. 

Wenig neues

Der Reiz der MTV Unplugged Serie liegt vornehmlich darin begründet, dass bekannte Songs eben anders, mit neuem Klang und neuen Arrangements dargeboten werden. Cros seichter Pop-Rap Sound gewinnt bei dem Konzert hingegen keine weitere Dimension. Eigentlich sind kaum Änderungen spürbar. 

Es fällt jedoch auf, dass seine Bühnenpräsenz in diesem Format merklich leidet. Die diversen Scheinwerfer und Kameras geben ihr Bestes, den Musiker stets im Fokus zu halten, auch seine Stimme ist (natürlich) die lauteste im Mix. Doch so ganz durchsetzen kann sich Cro nicht: Oft genug verblasst er auf der Bühne sowohl optisch als auch akustisch.

Hype Williams

Dass die Stimmung während des Konzerts nichtsdestotrotz kocht, liegt am Hype um Cro. Bühnenpräsenz hin oder her – die Show ist perfekt durchgeplant.

Cros irgendwo zwischen betonter Lässigkeit und Desinteresse wandelnde Ansagen gen Publikum, die Aufrufe, zu diesem oder jenem Lied zu hüpfen oder zu klatschen; all das wirkt zwar wenig spontan, verfehlt aber nicht seine Wirkung.

Fanservice

Insgesamt wirkt das Konzert ein wenig zu durchgeplant, zu zahm, um wirklich zu begeistern. Statt eines Spannungsbogens mäandert die Show ohne merkliche Höhepunkte vor sich hin. Zum Mittelteil des Sets hin gibt es zwei unnötig lange Unterbrechungen, als das Orchester kurz die Bühne verlässt und Cro drei Songs nur mit DJ und seinen Feature-Gästen Teesy und Danju performt, die dem Ganzen noch mehr Dynamik rauben.

Letztlich funktionieren die Songs und der Kult um die Person Cro. So bietet dieses MTV Unplugged vielleicht wenig künstlerischen Mehrwert, aber perfekten Fanservice; wenig Leidenschaft, aber dafür maximalen Gegenwert fürs Eintrittsgeld.

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