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Passenger Live in Frankfurt am Main 2016 © Andreas Defren

Seit seinem unerwarteten Erfolg vor fünf Jahren war Passenger stets solo auf Tour. Diese Mischung aus Stimme und Gitarre war schon gut. Seit dieser Tour wird er von einer Band begleitet und stößt damit in ganz neue musikalische Dimensionen vor.

Die Jahrhunderthalle in Frankfurt ist fast ausverkauft. Alle warten auf Passenger und sind gespannt darauf, wie er wohl mit Band klingen wird. Zuvor war er jahrelang als Solokünstler allein auf den Bühnen dieser Welt unterwegs.

Neue Möglichkeiten

Wie extrem sich die Möglichkeiten von Passenger mit Band erweitern, zeigt sich schon beim ersten Song "Young As The Morning Old As The Sea", dem Titelsong des neuen Albums. Mit Unterstützung eines Keyboards, zweier Gitarren und eines Schlagzeugs präsentiert sich Passenger bei seinen neuen Songs viel grooviger als in den Jahren zuvor. Seine raue, markante Stimme ist unverwechselbar. Passenger legt sich voll rein in den Song und spielt am Ende noch ein Gitarrensolo.

Nach einer kurzen Begrüßung präsentiert er den älteren Song "Life's For The Living" in ganz neuer, frischer Form. Während viele Zuschauer den Text mitsingen, befeuert Passenger mit treibendem Gitarrensound die Halle. Er treibt sie immer weiter an, zu klatschen und zu singen. Das Publikum ist warm, die Stimmung top.

Fröhliche Deprisongs

Auch der zweite neue Song "If You Go" ist stilisitisch viel rhythmischer und mitreißender mit der neuen Band. Passenger sprüht nur so vor Spielfreude. Wie selten zuvor klingt er zufrieden mit sich und seinem jetzigen Leben. Nur so erklärt sich, dass er einen Song wie "27", in dem er seine Ängste und seine Zerrissenheit beschreibt, mit solcher Fröhlichkeit dem Publikum präsentieren kann. Im mitreißenden Up-Tempo Sound jagt Passenger seine Finger über die Gitarre und bringt einige Mädchen auf der Tribüne zum Aufstehen und Mittanzen.

Ohne Pause spielt er "Anywhere" an. Das Publikum singt den Refrain und klatscht weiter heftig mit, getrieben von den Rhythmen der Band. Um die Verwirrung seiner vorherigen Aussagen über seine depressiven Songtexte, die so gar nicht zum gespielten Stil passen, zu relativieren, sagt er: "No fear, the misery comes" – und zwar direkt im nächsten Song "Everything". Nach ruhigem, introvertertiertem Beginn explodiert der Sound plötzlich und die Gitarren jaulen auf.

Der alte Passenger

Den Mittelblock spielt Passenger im alten Stil allein auf der Bühne. Ganz einsam und eindringlich steht er nun da, singt "Travelling Alone". Nach den ersten Songs mit Band wirkt dieser verlorene Gesang nun noch stärker im Kontrast zu früher. Als er einen brandneuen Song ankündigt, lacht das Publikum bei den ersten Klängen von "Sound of Silence", dem Welthit von Simon & Garfunkel. Er beginnt wieder ganz ruhig, explodiert aber urplötzlich und spielt im Highspeed-Tempo den Song als Akustik-Rock.

Das Publikum feiert Passenger für diese pure Spielfreude. Dieser bedankt sich aber dafür, dass die Zuschauer anfangs so lang schweigend gelauscht haben. Das sollen sie jetzt nicht mehr, ganz im Gegenteil. Denn "I Hate" ist eine Hymne gegen alles, mit dem sich Passenger nicht identifizieren kann. Die Zuschauer sollen laut sein und sie erfüllen ihm diesen Wunsch.

Spiel mit dem Klischee 

Die Band ist zurück und gemeinsam spielen sie "Somebody's Love". Dieser Song im Country-Rock Stil begeistert ebenso wie die gefühlvolle Ballade "Beautiful Birds", den Passenger auf dem Album als Duett ausgerechnet mit Birdy eingesungen hat. Die Band setzt hier zarte Akzente im Hintergrund, während Passenger mit seiner Stimme die blanke Emotion ausdrückt.

Sein einziger Radiohit "Let Her Go" wird von der ganzen Halle mitgesungen. Das er eben nur diesen einen Hit hat betont er auch gleich. Aber es ist schon interessant, dass bei dem Künstler mit nur einem Hit trotzdem bei jedem Auftritt die Bude knallvoll ist.

Obwohl er sich nach außen gegen den Kommerz wendet und Songzeilen seines Songs "27" aussagen sollen, dass es ihm egal ist, ob seine Songs im Radio laufen, ist das etwas widersprüchlich. Denn er bedankt sich zeitgleich für die Chance, seit fünf Jahren auf großen Bühnen und Festivals spielen zu dürfen, was ohne Kommerz nicht machbar wäre. Insofern spielt er schon ein wenig mit dem Klischee des unkommerziellen Straßenmusikers, was aber seine musikalische Qualität keineswegs mindert.

Jede Woche neu   

An dieser Stelle spielt Passenger jede Woche eine andere Coverversion. Nach Elton John und Ed Sheeran ist jetzt "Ain't No Sunshine" von Bill Withers an der Reihe. Der durchdringende Gitarrensound rockt, jedes Bandmitglied darf ein kurzes Solo spielen, während Passenger sich stimmlich voll in den Song einbringt. Das Publikum ist begeistert. Die Halle rockt zu "Scare Away The Dark". Nachdem zuerst der Innenraum die Arme schwenkt und komplett mitgeht, reißt es schließlich das komplette Publikum auf der Sitztribüne hoch. Die Stimmung ist kaum noch zu toppen, als sie den Refrain als Forderung einer Zugabe einfach weitersingen.

Also gibt es als Zugabe zuerst die Rock-Ballade "Home", wobei die Halle mit schwenkenden Handylichtern illuminiert wird. Dann geben alle auf der Bühne nochmal Vollgas mit ihrem durchdringend, brachialen Up-Tempo Rock bei "Holes". Das Publikum klatscht im Rhythmus mit, singt dazu und flippt am Ende komplett begeistert aus. Konzerte von solcher Leidenschaft sind ein Geschenk für jeden Besucher. Passenger ist ein erstklassiger Musiker und mit der Band hat er jetzt so viel mehr Möglichkeiten, sich auszudrücken und zu begeistern.

Setlist:

Young As The Morning Old As The Sea / Life's For The Living / If You Go / 27 / Anywhere / Everything / Travelling Alone / The Sound Of Silence / I Hate / Somebody's Love / Beautiful Birds / Let Her Go / Ain't No Sunshine / Scare Away The Dark // Home / Holes

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