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Schiller (Live in Mannheim 2016) © Rudi Brand

Das Musikprojekt Schiller bietet eine Mischung aus Licht und Klang, wie es sie in Deutschland sonst nicht zu hören gibt. Trotz einer Panne in der Konzertmitte ist die Show ein echter Hörgenuss und wird entsprechend abgefeiert.

Trotz eines Vorlaufs von 18 Monaten kommen zum Konzert von Schiller lediglich 3.600 Zuschauer in die SAP Arena nach Mannheim. Das ist schade, denn die Präsentation dieser außergewöhnlichen Klangwelt hätte mehr Zuschauer verdient gehabt. So lauschen die Zuhörer zunächst auch weitestgehend dem Sound, der wie im Kinosurround von allen Seiten kommt.

Christopher von Deylen, der Produzent des Musikprojekts Schiller, betritt die Bühne und geht an sein Keyboardsystem in der Bühnenmitte. Zunächst solo, spielt er die ersten Töne von "Schwerelos". Der Sound ist sehr ruhig und sphärisch, die Lichter sind nur wenig aktiv.

Beeindruckende Kontraste

Nach 2 Minuten wird es dann lauter und treibender. Das Lichtspiel der Scheinwerfer dreht auf. Im Hintergrund kommen der Schlagzeuger und zwei Gitarristen auf die Bühne und steigen in den Song mit ein. Im fließenden Übergang werden die Klänge immer rhythmischer. Härtere Beats werden beigemischt und untermalen das Klangspiel.

Die vordere, rot erleuchtete Bühne erhält durch die hintere blaue Lichtwand einen schimmerden Farbkontrast. Dann erscheinen Tricia McTeague und zwei Backgroundsängerinnen sowie ein Backgroundsänger. Die Musiker untermalen den Sound mit diversen Stimmtönen. Schiller spielt derweil am zentralen Keyboard übers Eck auf zwei Keyboards und legt sich dabei voll rein. Gemeinsam präsentieren sie nun "Ile Ave".

Tag und Nacht

Als kurze Pause begrüßt Schiller sein Publikum und freut sich über seinen ersten Auftritt in der SAP Arena. Der anschließende "Nachtflug" ist wie ein Wechsel von Tag und Nacht. Der blau-türkis wabernde Nachthimmel wird immer wieder durchschnitten von grell-gelben Lichtern, als ob die Sonne kurz aufgeht und wieder verschwindet. Die dabei gespielte Klangwucht sorgt für zahlreiche mitwippende Körper auf den Sitzplätzen im Innenraum.

Im Übergang zu "Rubinrot" erklingen von allen Seiten Vogelgeräusche. Hinten geht eine Lichtwand hoch und am Ende steht Schiller mit ausgebreiteten Armen vor einem wild applaudierenden Publikum. Der nächste Song macht klar, wie ähnlich sich Schiller in seiner Arbeit mit Künstlern wie Mike Oldfield ist. Beide arbeiteten gemeinsam am Album "Tag und Nacht" und wie Oldfield produziert Schiller die Hits, ohne selbst zu singen. Dafür hat er Sängerinnen wie Tricia McTeague, die außer ihrem glänzenden Gitarrenspiel nun auch singen darf. "Playing With Madness" ist der erste Song des Abends mit echtem Gesang und sie begeistert mit ihrer charismatischen Popstimme.

Der kleine Unfall

Nach dieser Gesangseinlage wird es leer auf der Bühne. Schiller ist allein mit dem Schlagzeuger und einem der Gitarristen. Als sich die Lichter von oben absenken, wirkt es wie eine Ufo-Landung. Das blaue Licht passt zum Song "Ultramarin". Bei weiteren Stücken im Mittelblock gibt es auch noch Meeresrauschen zu hören, das wie eine Welle klingt, die von hinten anrollt. Plötzlich passiert jedoch der Alptraum jedes Künstlers – der Strom ist weg. Die unfreiwillige Pause nutzen einige Zuschauer für einen kurzen Gang nach draußen.

Zwischen Schiller und dem Publikum entsteht derweil ein kleiner verbaler Schlagabtausch. Zunächst witzelt Schiller: "Jemand geht gleich rum und sammelt Geld für die Stromrechnung". Aus dem Publikum gibt es Rufe wie: "Spiel doch unplugged – ach ne, besser nicht". Einige gewitzte Fans laufen vor und holen sich schnell ein paar Autogramme. Dann endlich ist der Fehler behoben und Schiller sagt: "Danke für Eure Geduld".

Frauenpower

Dem entspannten Dreamsound von "Polarstern" folgen wieder die großen Stimmen verschiedener Sängerinnen. Zuerst darf Tricia McTeague "Looking Out For You" singen. Die vielschichtige Ballade singt zuerst sie im Vordergrund und später stehen die drei Backvocals im Zentrum. Danach kommt für zwei Songs die junge Soulsängerin Arlissa auf die Bühne. Mit glockenheller Stimme singt sie erst "Not In Love", wobei sich hier die Musik sehr zurückhält. Anschließend folgt "Paradise", ein Song für die ganz große Bühne, der mit seinem ausschweifenden Chorgesang und seiner Präsentation auch gut zum ESC passen würde.

Mit "Once Upon A Time" nimmt das Publikum nun erstmals hörbar am Konzert teil. Jetzt wird rhythmisch mitgeklatscht und einige Zuschauer stehen auf. Die Zurückhaltung des reinen Hörgenusses fällt spätestens mit "Ein schöner Tag". Das Publikum rastet aus, der ganze Innenraum steht und tanzt auf die Klänge. Zum Ende des Hauptblocks powert dann Tricia McTeague nochmal ihre Stimme bei "Dancing In The Dark" voll hoch.

Partytime

Kurz wird es ruhig, als Schiller mit seinem Schlagzeuger und dem Bassisten "Das Glockenspiel" zelebriert. Das Highlight dabei ist das Intro der Bassgitarre. Mit "Sehnsucht" gibt es aber schon wieder harte Beats und viele Gitarrenriffs, nur unterbrochen von einem Keyboardsolo von Schiller. Der Song "Schiller" ist die rockigste Nummer des Abends, die Gitarristen geben Vollgas und die Zuschauer pfeifen auf ihren Fingern.

Die gesprochenen Worte von "Ruhe", das Markenzeichen von Schiller, lassen die Halle endgültig ausflippen. Der ganze Saal steht, es wird geklatscht und wild getanzt. Anschließend gibt es minutenlangen Applaus, den Schiller auch mit mehrfachem "Vielen Dank" nicht stoppen kann. Als Abschluss darf Carmel von den Backvocals noch die Powerballade "For You" singen. Dann ist es zu Ende, Schiller kommt runter und umarmt jeden seiner Künstler, die sich gemeinsam zum Abschied verbeugen. Der Applaus ist berechtigt. Schillers entspannte Klangwelten sind ein grandioser Hörgenuss.

Setlist

Schwerelos / The Future III / Ile Ave / Nachtflug / Rubinrot / Playing With Madness / Ultramarin / Berlin - Moskau / Salton Sea / Mitternacht / Nylon Part / Polarstern / Looking Out For You / Not In Love / Paradise / Once Upon A Time / Ein schöner Tag / Dancing In The Dark // Das Glockenspiel / Sehnsucht / Schiller / Ruhe / For You

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