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Hannes Wader (live in Mannheim, 2016) © Torsten Reitz

In intimem Ambiente des Mannheimer Capitols führt Hannes Wader mit seinen schlichten Liedern durch sein Leben. Dabei beweist er, dass seine Musik und seine Texte zeitlos sind, da sie nach wie vor in der Lage sind, das Publikum ebenso zu erfüllen wie nachdenklich zu machen.

2015 veröffentlichte Liedermacher Hannes Wader 2015 sein aktuellstes Album "Sing". Das Titellied enthält die Zeile, "singend hab‘ ich gelebt, singend will ich auch sterben". Es fällt schwer, darin nicht das Lebensmotto des Sängers und Songwriters zu erkennen.

Zeitlos und konsequent

Dass seine Texte meist einen autobiographischen Hintergrund haben ist kein Geheimnis, sodass es nicht verwundert, dass der inzwischen 74-Jährige diese Aussage auch 2016 mit einer ausgiebigen Tour in die Tat umsetzt.

Abend für Abend trägt er mit warmer Stimme und seiner geschickt gespielten Gitarrenbegleitung Lieder seiner gesamten, inzwischen 50 Jahre andauernden Karriere vor. Dabei merkt man nicht einmal seinen flinken Fingern ihr Alter an.

Der Protestsänger

In den USA nennt man ihn Bob Dylan, in Deutschland Hannes Wader. Der Protestsänger, dessen Einfluss und Erbe längst fester Bestandteil der Kultur seines Heimatlandes ist.

Nur mit seiner Gitarre und seinen Texten "bewaffnet", rüttelt er an politischen und gesellschaftlichen Normen wie ein hartnäckiger Sturm. Auf soziale und politische Missstände aufmerksam machen ist das Ziel, die Folkmusik dient als Transportmedium.

Während sein Vorbild Bob Dylan noch heute bemüht ist, sein Image als Protestsänger abzuschütteln, verfolgt Hannes Wader noch immer seine selbstgesetzte Aufgabe, mit seinen Texten zum Nach- und Umdenken anzuregen.

Keine Belanglosigkeiten

Wie er so auf der Bühne steht, der große, hagere und eigentlich introvertiert anmutende Mann, wirkt er wie ein harmloser Pensionär, der in Jeans und gestreiftem Hemd seine Enkel zum Sonntagsbesuch erwartet.

Doch Hannes Wader nimmt auch in fortgeschrittenem Alter kein Blatt vor den Mund. Das Risiko, jemandem unangenehm auf den Schlips zu treten, nimmt er in Kauf, es geht schließlich um Größeres. Seine Texte haben nichts ihrer politischen Relevanz verloren und seine Ansagen passt er an aktuelle Themen an. 

So wirft er während seines Liedes "Trotz alledem" ein, dass man aktuell ordentlich "Sand ins Getriebe streu'n sollte" bei TTIP und Co. Er prangert die ungerechte Besitzverteilung auf der Welt an und stellt klar: "Aus mir spricht nicht der Sozialneid, aus mir spricht das blanke Entsetzen."

Auf Reise

Neben den immer mehr Applaus erntenden politischen Statements Waders, durchlebt der Zuhörer an diesem Abend auch eine Art Kurzbiographie des Musikers. Nicht nur in Form des humorvollen Liedes "Schön ist die Jugend", das er selbst als "autobiographische Skizze" ankündigt, werden Szenen seines Lebens durch seine bildhafte Dichtkunst lebendig. 

Er nimmt das Publikum nämlich auch mit auf Reise, sei es auf seinen Trip von Alaska nach San Francisco, wo er einer "Absteige" in Oregon das Lied "Hotel zur langen Dämmerung" widmete, oder nach Irland in den Pub "Folksinger's Rest".

Nicht müde zu kriegen

Die Anzahl der Konzerte, die Hannes Wader in seinem Leben bereits bestritt, bewegt sich inzwischen im vierstelligen Bereich und dennoch gibt er dem Publikum das Gefühl, dass er an diesem Abend allein für die Anwesenden singt und dass er es sehr gerne tut. 

Den intimsten Moment des Abends schafft er zum Abschluss, nachdem er zum zweiten Mal auf die Bühne geklatscht wird, mit dem Klassiker "Sag mir wo die Blumen sind." Er fordert alle auf mitzusingen und so entsteht ein wohliges Gefühl im Raum, das irgendwie an "früher" erinnert und viel zu selten aufgefrischt wird.

Nach Standing Ovations strömen die Zuschauer nachdenklich aus dem gut besuchten Capitol, während die Strophen des letzten Liedes noch immer in den Köpfen nachhallen.

Setlist

Heute hier, morgen dort / Hotel zur langen Dämmerung / Tagtraum / Schön ist die Jugend / Schwestern, Brüder / Das Bürgerlied / Traumtänzer / Wo ich herkomme / Folksinger‘s Rest / Unglück vor mir / Für Dich / Rosen im Dezember / Die Reise nach Jütland / Trotz alledem / Dass wir so lang leben dürfen // Schon so lang / Schau wie die Nacht / Sag mir wo die Blumen sind

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