Youngblood Brass Band (2013)

Youngblood Brass Band (2013)

Die Youngblood Brass Band brilliert seit 20 Jahren mit einer ebenso genialen wie wahnsinnigen Mischung aus Jazz, Hip-Hop, Funk und Punk. In der Alten Feuerwache in Mannheim zeigten sie alle Register ihres Könnens.

Es muss ja schon eine recht verrückte Idee gewesen sein, vor 20 Jahren in verschlafenen Kleinstadt in Wisconsin eine Blaskapelle zu gründen. Damals war das wohl ungefähr so uncool wie bis (vor kurzem noch) selber Pullover zu stricken. 

Langer Atem

David Henzie-Skogen benötigte einen langem Atem, viel Energie, Innovationskraft und Ausstrahlung, um die passenden Musiker für seine Youngblood Brass Band zu finden. Und wenn man ihn heute auf der Bühne sieht, kann man relativ sicher sagen, dass er all diese Fähigkeiten auch immer noch besitzt. Mit seinem Ideenreichtum schuf er mit seiner Band einen Sound, der New Orleans Jazz mit Hip-Hop, Funk und Punk vermischte und dadurch bald einen weiten Kreis an Fans gewann.

Und wenn wir schon von langem Atem reden: Den längsten hat sicher Nat McIntosh, der Mann unter dem Sousaphon, ebenfalls Gründungsmitglied von 1995, zeitweilig ausgestiegen und seit einigen Jahren wieder an seinem alten Platz. Ein großer Teil des typischen Youngblood-Sounds ist auf seinem Mist gewachsen.

Tonaler Wahnsinn

Dazu zählen nicht nur die Kompositionen und Arrangements, sondern auch der kreative Umgang mit seinem Instrument. Abgesehen von den tiefgründig pumpenden Basslines und einstweilen weiter nach oben treibenden Sololinien bricht er immer wieder gerne mit den Grenzen des klassisch guten Tons, und holt von Scratch- über Blubber- bis Flugzeugabsturzgeräuschen ein ungeahntes Repertoir an tonalem Wahnsinn aus seiner Blechbüchse.

Angesichts der um sich greifenden Digitalisierung der zeitgenössischen Musik ist es schon ein Aha-Erlebnis, wenn hinter einem solchen Sound kein DJ mit einem Macbook steht und auf tote Gummipads einhämmert. Diese Band besteht tatsächlich zu 100% aus Fleisch, Blut und Blech.

Gute Mischung

Wie erfreulich auch, dass die Jungs nun auch einmal den Weg in die UNESCO City of Music Mannheim fanden, um der hiesigen Szene mal etwas frischen Wind um die Ohren zu blasen. "This must be our first time in Mannheim", mutmaßte Frontman David zu Beginn des Konzerts. Den Loft Club in Ludwigshafen hatten sie ja 2007 bereits bespielt, vermutlich lag er also richtig.

Es brauchte nur eine kurze Aufwärmphase von wenigen Songs, bis die chemische Verbindung zwischen Band und Publikum ihre Reaktionstemperatur erreichte. Eine gute Mischung aus älteren Gasshauern und neuen Songs vom derzeitigen Album "Pax Volumi" ließ die Stimmung auf beiden Seiten immer weiter steigen.

Musikalischer Kriegslärm

In eigenwilligen Coverversionen wurden bekannte Popsongs wie "Ain’t Nobody" von Rufus oder "Umbrella" von Rihanna in fast schon überlegener Coolness in der Luft zerrissen. Besonders eindrucksvoll gelang jedoch die Version von Justin Timberlakes "What You Got". Die Bläserphalanx teilte sich in die zwei konkurrierenden Lager der Trompeten auf der rechten und der Posaunen auf der linken Bühnenseite, die sich über den Köpfen der tanzenden Menge einen enthusiastischen Luftkampf lieferten.

Über das Trommelfeuer der niemals stillstehenden Rhythmussektion und dem Geschützdonner des Sousaphons hinweg rissen sich die Solisten um die Herrschaft in den höchsten Lagen, als der bis zum Rande des Wahnsinns aufgepeitschte Kriegslärm mit einem Mal in sich zusammenbrach und sich die Querflöte wie eine einsame Nachtigall über die rauchenden Trümmer erhob.

Brüderlich vereint

Angeschoben von den leise weiterarbeitenden Trommlern und den aufmunternden Akzenten des Sousaphons liefen die versprengten Einheiten der Bläsergruppen langsam wieder in der Mitte zusammen, um sich zum finalen Auflösungsakkord brüderlich die Hände zu reichen.

Zum Ende der fast anderthalbstündigen Show durfte der alte Smash-Hit "Brooklyn" natürlich nicht fehlen, und als kleines Abschiedsgeschenk gab es noch einen allerletzten Song als Zugabe. "Buy some merch, it’s the only way we make money these days," forderte David die Zuschauer auf. Man darf der Youngblood Brass Band wünschen, dass sie noch viele Alben und T-Shirts auf dieser Tour verkauft, um vielleicht bald wieder einmal in die Gegend kommen zu können.

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