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Fotos: Beyoncé live in der Commerzbank-Arena in Frankfurt © Parkwood Entertainment

Beyoncé liegt mit ihrem aktuellen Stil voll im Trend. Immer mehr Sängerinnen gehen dazu über, ihre Songs in einer Art Shortcut-Mix ähnlich einem DJ zu samplen und nur noch in Teilen anzuspielen. Mit diesem Rezept liefert Beyoncé in über 2 Stunden eine gigantische Show ab.

Schon vor dem Konzert herrscht in der Commerzbank Arena in Frankfurt gespannte Aufgeregtheit. Bei jeder Bewegung an der Bühne gibt es großes Geschrei, die Fans warten ungeduldig. Plötzlich ertönt ein Jingle. Angekündigt wird THX-Sound, also Surround-Sound für das Konzert. Das gibt Hoffnung für die sonst schwer zu beschallende Arena und die Zuschauer werden nicht enttäuscht. Mit Ausnahme ganz weniger Verzerrungen am Anfang ist der Sound an diesem Abend bombastisch gut.

Im Zentrum der Bühne steht ein rund 25 Meter hoher Quader, ein drehbarer Turm, dessen vier Seiten über jeweils eine eigene Videowand verfügen. Es ist eine gewaltige Inszenierung, die an die großen Zeiten von Michael Jackson erinnert. Von der Hauptbühne verläuft ein langer Laufsteg zur Vorbühne mitten im Innenraum. 

Hut ab

Das Stadion tobt schon, als die Intromusik erklingt. Der Turm leuchtet abwechselnd weiß und rot,  Blitze zucken ins Bild. Von der Seite kommen die Tänzerinnen im langsamen Stechschritt zur Bühnenmitte gelaufen. In der Mitte steht plötzlich eine Frau mit gesenktem Kopf und großem, blauem Hut und engem, schwarzen Trikot. Der Lärm ist ohrenbetäubend, denn da steht sie: Beyoncé. Als sie den Kopf hebt und ihr Gesicht zu sehen ist, explodiert die Arena. Es ist verblüffend, wie sehr diese Inszenierung des Openings an die Shows von Janet Jackson aus den 1990er Jahren angelehnt ist. 

Sie beginnt die Show mit "Formation" und dazu tanzt sie mit ihren rund 20 Tänzerinnen eine beeindruckend explosive Gruppenchoreographie. Weg mit dem Hut und ab über den Laufsteg mit der nächsten Tanzeinlage geht es zur Vorbühne, getragen von einer gigantischen Energiewelle des Publikums. Vorne angekommen verlassen die Tänzerinnen die Bühne. Nun steht Beyoncé alleine da und singt "Sorry", bevor die Tänzerinnen wieder da sind und alle gemeinsam sich mit geschmeidigen Moves biegen und bewegen. Zurück auf der Hauptbühne erklingt "Irreplacable", jedoch ohne Musik. Beyoncé singt a capella. Ihre Stimmwucht ist wie immer beeindruckend und so singt sie mit den Fans. Der erste Part endet zuerst mit "Bow Down", wobei Beyoncé hier an der Spitze einer Dreiecksformation tanzt und schließlich mit "Run The World" einen wilden und energetischen Tanz mit Powershakes in den Hüften aufführt.

Asche zu Asche, Staub zu Staub

Mit diesen Worten auf der Leinwand öffnet sich der Turm und Beyoncé erscheint im weißen Oberteil mit Glitzerelementen. Ihr Oberteil flattert im Wind. Die Oberschenkel sind frei, dazu trägt sie Overknee-Stiefel. Im gebückten Gruppentanz singt sie und tanzt zu "Mine". Mit "Baby Boy", dem ersten ihrer ganz großen Hits, singt sich, schreit sich Beyoncé fast wund, während das Publikum kreischt und ihren Star abfeiert. Etwas ruhiger wird es mit "Hold Up". Nach einem Slow-Dance mit auf- und zu klappenden O-Beinen und den Po-Shakes ihres knackig geformten Hinterteils kniet sich Beyoncé zu ihren Fans an Bühnenseite für einige ganz exklusive Selfies.

Wieder geht es zur Vorbühne und mit einem großen Drumsolo zu "Countdown" darf die durchweg weibliche Band am rechten Bühnnerand erstmals zeigen, dass sie auch da sind. Nun steht sie ganz ruhig da und begrüßt das ganze Stadion. Sie erinnert an all die Auftritte in Deutschland, an ihre Zeit mit Destiny's Child und wie oft sie schon in Deutschland war. Dazu möchte sie mit ihren Fans diesen Moment teilen mit "Me, Myself And I". Beyoncé singt ohne viel Sound, das Stadion lauscht erst und feiert am Ende die stimmgewaltige und emotionsgeladene Sängerin. Zu "Runnin' (Lose It All)" dreht sich der gewaltige Turm und Beyoncé wird erst in voller Turmhöhe in Ganzkörperpose und dann als Oberkörperportrait gezeigt. Am Ende von Part 2 singt sie gemeinsam mit ihren Backgroundsängerinnen links an der Bühne noch "All Night".

African Queen   

Diesmal gibt es kein Video als Übergang, sondern die Gitarristin kommt nach vorne und rockt die Bühne. Mittendrin öffnet sie die Wand des Turms und Beyoncé erscheint in einem bronzefarbenen Bikinioutfit mit blauem Umhang. Sie singt "Don't Hurt Yourself" und aus einer Öffnung in der Wand kommt plötzlich ein Goldregen hervor. Den Umhang über dem Bikini legt sie nun ab und setzt sich auf einen Thron. Flankiert von zwei Kriegerinnen mit Speer sieht sie nun aus wie eine afrikanische Königin, eine Mischung aus weiblicher Anmut und dem Stolz der Black Power. Wieder ein klares Statement wie schon der Auftritt beim Super Bowl. Sie tanzt sitzend, wirft ihre Lockenmähne herum. Als sie aufsteht, versinkt der Thron im Boden und Beyoncé steht an der Spitze ihrer Tänzerinnen. Das Stadion tobt erneut, als im Mix von "Ring The Alarm" die Samples von "Independent Women Part 1" und "Naughty Girl" ertönen. 

Die Videoverzerrungen bei "Feeling Myself", die kunstvolle Farben mit sich bewegenden Körpern zeigen und der erhabene Moment von "Drunk In Love", als Beyoncé auf der Videowand fast zum Geist wird, sind nur zwei der animierten Highlights. Beyoncé treibt das Publikum an, bevor sie sich anmutig sexy zu "Rocket" über einem Sessel in einem erotischen Schattenspiel räkelt. Kurz verschwindet sie, bevor sich in der Vidoewand einige Türen öffnen und die Ladies verführerisch in kleinen Nischen tanzen.

Was für ein Zirkus

Wieder im neuen Outfit erscheint Beyoncé. Sie trägt einen dunklen Body mit goldenen Querstreifen, ähnlich dem Oberteil eines Zirkusdirektors. Auf der Vorbühne liefert sie mit "Daddy Lessons" eine ganz starke Performance ab, eines der Highlights des Abends. Diese emotionale Power kommt noch stärker durch bei "Love On Top", als sie erneut a capella singt. Schließlich gehen die Handys an, das Stadion leuchtet zu "1+1". Beyonce sitzt auf ihren Unterschenkeln und singt sich das Herz raus. Nach diesem emotionsgeladenen Part singen die Backgroundsängerinnen "Purple Rain", eine Hommage an den kürzlich verstorbenen Weltstar Prince. 

Im hautengen, knallroten Outfit erscheint Beyoncè wieder. Sie tanzt mit ihren Tänzerinnen in mehreren Kisten, wobei sie zeitweise oben auf den Kisten steht. Ihren ersten Solohit "Crazy In Love" singt sie erst als langsamen Slow-Remix mit sphärischem Sound. Dann wechselt es zur Normalversion, schneller und mit mehr Power. Sofort ist das Publikum wieder voll auf Maximum. Die Po-Shakes zu "Bootylicious" sind megasexy, ein Zeichen ihrer selbstbewussten Weiblichkeit. Von "Naughty Girl" geht es direkt zu "Party". Das Stadion explodiert förmlich, als tausende Flitter hochgeschossen werden und aus den Augen des Gesichts von Beyoncé Goldfontänen wie an Silvester herausschießen. 

Sexy Wasserspiele

Ein Video der ganz persönlichen Art leitet die Zugabe ein. Beyoncé zeigt Bilder ihrer Familie, private Aufnahmen ihrer Hochzeit, von Ehemann Jay-Z und von ihren Kindern. In einem pink-silbernen Body kommt sie mit ihren Tänzerinnen vor. Die Vorbühne ist inzwischen mit Wasser geflutet wie ein See. Der Laufsteg fungiert wie ein Gepäckband am Flughafen und so werden alle zur Vorbühne transportiert. Mit "Freedom" beginnen die Wasserspiele. Beyoncé und ihrer Tänzerinnen tanzen oben und am Boden, treten Wasser ins Publikum und wirbeln herum. Die Stimmung kocht über, als "Survivor" ertönt. Das Stadion singt den Powersong. Aber das absolute emotionale Highlight folgt zum Schluss. Beyoncé bedankt sich bei ihren Tänzerinnen, Sängerinnen, ihrer Band und der ganzen Crew. Klatschmass steht sie da und singt mit dem ganzen Publikum, mit ihren Fans die Ballade "Halo". Am Ende steht sie in der Mitte der Hauptbühne und versinkt langsam und mit tobendem Geschrei im Boden.

Beyoncé ist mit diesem Konzert ein weiterer Schritt auf dem Weg zum globalen Superstar gelungen. Gesanglich überragend, mit Tanz- und Showeinlagen auf Weltklasseniveau und einem alles überstrahlenden Gigantismus. Andere Stars wie Rihanna haben kürzlich ähnliche Shows in ähnlichem Shortcut-Style gezeigt, in dem Songs nur angespielt werden. Dieser Trend ist wohl da. Aber Beyoncé liefert in über zwei Stunden eine Show, die auf einem wesentlich höheren Level steht. Stadionkonzerte dieser Klasse und Dimension, wie sie Michael und Janet Jackson in den 1990er Jahren abgeliefert haben, können aktuell wohl nur zwei Künstler zeigen. Beyoncé und Justin Timberlake.

Setlist:

Intro / Formation / Sorry / Irreplaceable / Bow Down / Run The World (Girls) / Superpower / Mine / Baby Boy / Hold Up / Countdown (mit Sample von "Pop My Drunk) / Me, Myself And I / Runnin' (Lose It All) / All Night / Don't Hurt Yourself / Ring The Alarm (mit Samples von "Independent Women Part 1" und "Naughty Girl") / Diva / ***Flawless / Feeling Myself / Yoncé / Drunk In Love / Rocket / Partition / Hip Hop Star / Daddy Lessons / Love On Top / 1 +1 / Purple Rain / Crazy In Love / Naughty Girl / Party // Interlude (Die With You und Blue) / Freedom / Survivor / End Of Time / Halo

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