Charles Bradley (dasHaus, Ludwigshafen, 2011) singt mit größter Ausdrucksstärke, seine Stimme ist trotz seines Alters ausdrucksstark und klar.

Charles Bradley (dasHaus, Ludwigshafen, 2011) singt mit größter Ausdrucksstärke, seine Stimme ist trotz seines Alters ausdrucksstark und klar. © Adonis Malamos

"The Screaming Eagle of Soul" Charles Bradley lässt im Ulmer Zelt einen Traum vieler Konzertbesucher wahr werden: einmal den Soul zu spüren und zwar pur und ohne Kompromisse.

Charles Bradley singt nicht den Soul, er ist der Soul. Für das begeisterte Publikum im intimen Ambiente des Ulmer Zelts stellt sein Auftritt die vielleicht einzige Möglichkeit dar, eine echte Soulstimme live zu erleben. Dementsprechend ehrfürchtig und respektvoll zeigen sich die rund 700 Zeugen des Abends.

James Brown lebt

Ja, es gibt noch Menschen mit gutem Musikgeschmack. Diese Feststellung durften am 29. Juni nicht nur die Veranstalter des Ulmer Zelts machen, sondern auch Charles Bradley selbst. Der Soulsänger und James Brown-Verehrer, der sein Debütalbum erst mit 62 Jahren veröffentlichte, war sichtlich gerührt von der Begeisterung, die ihm in einem so fremden Land von einem fast ausschließlich weißen Publikum entgegenschlug.

"Ladies and Gentlemen, are you ready for the one and only Mister Chaaaaarles Bradley?" Von einem Konzert kann weniger die Rede sein als von einer Show, wie man sie sonst nur aus Filmen kennt. Die sechs Musiker spielen auf sichtlich alten Instrumenten und das Leslie des Hammondspielers wirbelt in wechselnder Geschwindigkeit, dennoch stetig, von der Lichtshow beleuchteten Staub auf. 

Sowas von 60er

Bei ihrem funky instrumentalen Intro gibt die Band bereits alles und gibt einen Vorgeschmack davon, was das Publikum an diesem Abend musikalisch erwarten wird. Dann geht der vollbärtige Hammondspieler an das Mikrophon und feuert die inzwischen ohnehin gespannten Zuschauer mit stimmigem Akzent an. 

Als der Mann des Abends in lässigem Lederanzug und Goldschmuck dann endlich die Bühne betritt, hat er spätestens mit seinem ersten Ton die ungeteilte Aufmerksamkeit des kompletten Zelts. Mit seinen Texten, die alle von seinem Leben handeln, seiner Erfahrung, die er mit jeder Bewegung ausstrahlt und dem tief in seiner Stimme verankerten Soul, hätte er bereits einen unvergesslichen Abend perfekt gemacht.

Baby, Baby

Charles Bradley ist aber kein einfacher Sänger, Charles Bradley ist ein Performer. Er tanzt, er leidet, er lebt auf der Bühne. Jede seiner Geschichten durchlebt er während seiner Show nochmal und rührt damit teils sogar zu Tränen. Mit seinem Mikroständer als symbolisches Kreuz über der Schulter durchlebt er die Leiden Jesu auf der Bühne und erwärmt im nächsten Moment mit der stets mitschwingenden Dankbarkeit die Herzen des Publikums.

Man sieht ihm sein Alter zwar an, spüren kann man es aber nicht. Dass man sich auch mit Ende 60 noch sexy fühlen kann, zeigte zuletzt Iggy Pop bei seiner großen Tour, die er komplett oberkörperfrei bestritt. Auch Charles Bradley unterstrich dieses Lebensgefühl mit seinen Tanzeinlagen. Als er aber quasi den Sex auf die Bühne bringt, sind viele Zuschauer doch peinlich berührt. Sowas kennt man in Deutschland eben eigentlich nicht. 

Von Liebe und Rosen

Obwohl sein Leben von Armut und Entbehrungen geprägt ist, ist es ein anderes Thema, das alle seine Songs durchzieht: Liebe. In gospelähnlichen Einwürfen und Erzählungen predigt er von Liebe und Akzeptanz. Den emotionalen Höhepunkt des Abends bildet der Song "Changes". Bradley verneigt sich vor den Lyrics des Black Sabbath-Songs und bittet das Publikum, sich jedes Wort zu Herzen zu nehmen.

Nach 70 Minuten, einer weiteren Instrumentaleinlage, die dem 67-Jährigen eine kleine Verschnaufs- und Umziehpause schafft und vielen Emotionen ist Charles Bradley leider schon am Ende. Sichtlich ausgepowert und hustend, aber ohne auch nur ein bisschen seiner würdevollen Ausstrahlung zu verlieren, verlässt er die Bühne. 

Das ist also Soul

"Egal ob schwarze, weiße, grüne oder blaue Haut, wir haben alle rotes Blut", so lautet seine Grundmessage. Als er bei der Zugabe diese Idee auf bunte Rosen überträgt und das Publikum anhält, trotz allem bitte die schwarzen Rosen nicht zu vergessen, bringt er plötzlich einen großen Strauß Rosen auf die Bühne und verteilt sie im Publikum. So entsteht ein fließender Übergang von der Bühnenperson hin zum Kumpel zum Anfassen.

Obwohl Bradley jede seiner Bewegungen mit Bedacht ausführt und seine intensive Mimik nicht effektvoller sein könnte, erlebt das Publikum an diesem Abend eine durch und durch authentische Show. Und obwohl der Fokus auf dem charismatischen Sänger Charles Bradley liegt, geht es den ganzen Abend um die Musik, nicht um einen Star. 

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