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Everlast (live in Heidelberg, 2016) © Johannes Rehorst

Der US-amerikanische Sänger Erik Schrody alias Everlast gibt sich mit Band in der halle02 in Heidelberg die Ehre. Der Abend wäre super verlaufen, gäbe es da nicht Soundprobleme auf der Bühne und einen deshalb leicht aggressiven Schrody.

Es gibt wohl nur eine Handvoll Leute auf der Welt, die Erik Schrody in Sachen Coolness das Wasser reichen können. Der Crossover-Sänger scheint niemals ohne Sonnenbrille aus dem Haus zu gehen, und man kann sich regelrecht vorstellen, wie er frühmorgens Kieselsteine gurgelt und abends ein Glas Whisky runterkippt, um seiner Reibeisenstimme den nötigen Grad an kantiger Rauhheit zu verleihen. 

Ein Glas Whisky als ständiger Begleiter

Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb Everlast mitsamt Keryboarder und Drummer erst mit einiger Verspätung die Bühne im ausverkauften Club der halle02 betritt. Natürlich darf ein Glas Whisky auch auf der Bühne nicht fehlen.

Ohne Begrüßung startet der Sänger seine Setlist, in der sich Hit an Hit reiht. Das Zusammenspiel von Gitarre, Keyboard und Schlagzeug sitzt perfekt und die über allem thronende, rauchig-soulige Stimme Schrodys lässt die Songs noch intensiver wirken. Zwischen den Songs bewegt sich Everlast wie in Zeitlupe zu seinem Whisky-Glas an der Seite der Bühne, stimmt in aller Ruhe seine Gitarre und schmunzelt dann in schelmischer Manier das Publikum an.

Das Geräusch eines toten Fisches

In der Mitte des Sets spricht Schrody allerdings dann doch einige Worte, die er an den Soundtechniker am Mischpult richtet: "Meine Gitarre klingt hier oben auf der Bühne wie ein toter Fisch, Mann! Das einzige, was ich höre, ist: Wuaaaah."

Dies versucht der angesprochene Mann an den Reglern in den nächsten Songs zu ändern, allerdings nicht zur Zufriedenstellung von Everlast. Der 46-jährige bellt den Soundtechniker an: "Ich komme gleich runter und hau dir eine." Nach kurzer Zeit folgt: "Du veränderst GAR NICHTS, du veränderst nur die Lautstärke!" Wie um seiner Aussage die Schärfe zu nehmen, umspielt nach kurzer Pause erneut ein stummes Lächeln Schrodys Lippen.

Reiz mich nicht, Baby

Da der Sound im Club ausgezeichnet ist, kann man als Zuschauer die Wut Schrodys nur schwer nachempfinden. Er scheint allerdings in der Tat zwischenzeitlich das Keyboard nicht zu hören, zudem fehlen seiner Aussage nach die Tiefen der Gitarre.

Zwischen zwei Songs macht Everlast seiner Wut über den Sound gegenüber einer Stagehand Luft, er gestikuliert wild herum. In diesem Gemütszustand sollte man einen Erik Schrody nicht noch mehr reizen. Die ständigen Zwischenrufe einer Zuschauerin in der ersten Reihe kommentiert er mit: "Halt verdammt noch mal die Klappe! Du bist wie ein Papagei, der mir die ganze Zeit ins Ohr piepst."

Aus dem Leben eines Erik Schrody

Das Trio lässt sich von den schwierigen Umständen nicht beirren und versetzt mit Klassikern wie "What It's Like" und "White Trash Beautiful" die Menge in Bewegung. Besonders eindrucksvoll ist das Cover von John Lennons "Working Class Hero". Keine Stimme könnte besser zu dem Song passen als die knarzende Stimme von Everlast, die so klingt, als hätte der Sänger schon viel harte Arbeit verrichten müssen.

Das Leben des Erik Schrody ist eben nicht immer leicht, auch wenn es sich dabei nur um Soundprobleme handelt. Doch mit einem Schluck Whisky ist dann alles wieder vergessen. An den Tontechniker: Der gute Everlast hat das sicher nicht böse gemeint. Wir hoffen es zumindest nicht.

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