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Skunk Anansie (live in Frankfurt 2016) © Leonard Kötters

In einem relativ kurzfristig angesetzten Gig anlässlich des vierzigjährigen Jubiläums der Frankfurter Batschkapp beginnen Skunk Anansie mit Verspätung. Von den zahlreichen Fans im Publikum wird das englische Quartett dennoch euphorisch abgefeiert.

Mit einer knappen Stunde Verspätung betreten Skunk Anansie die Bühne der Batschkapp. Beim Opener “Tear The Place Up“ versteckt sich Skin noch unter einer Mütze und einer Kapuze. Wenig später bekommen die Zuschauer dann aber ihren markanten Kahlkopf zu sehen – und ihre alles durchdringende Stimme zu hören. Die nett anzuschauenden Animationen auf den Videoleinwänden hier den drei Instrumentalisten bringen das Publikum nach dem Unmut über die Verspätung endgültig auf die Seite der Band.

Gleich danach demonstriert Skin, dass sie keineswegs kontaktscheu ist. Während "I Believed In You" lässt sie sich von den Fans über deren Köpfe hinweg durch die ersten Reihen der Menge tragen, nur um kurz darauf zu witzeln, die Band habe sich verspätet, weil sie eine Kleiderpanne gehabt habe und die Musiker hinter der Bühne zu viel Koks genommen hätten. Die Zuschauer nehmen ihre entschuldigende Anekdote belustigt und zufrieden zur Kenntnis.

Animiertes Licht und jede Menge Krach

Im Laufe der folgenden Songs bieten Skunk Anansie und ihre Crew einer der womöglich beeindruckendsten Lightshows, die die Batschkapp je erlebt hat. Auf den Bildschirmen tauchen schicke Animationen von Skin selbst, von blutigen Händen und später bei "Beauty Is The Curse" sogar von allerhand begeistert aufgenommenen, leider verstorbenen Größen wie David Bowie, Freddie Mercury, Michael Jackson, Prince, Muhammad Ali, Marvin Gaye, Lemmy, Amy Winehouse oder Phil Lynott auf.

Zudem bestrahlen Spotlights immer wieder die gesamte Batschkapp, angefangen mit der Hallendecke direkt vor der Bühne bis hin zur bestuhlten Empore im hinteren Teil der Halle, auf der ebenfalls volles Haus ist. Passend dazu drischt Drummer Mark Richardson auf seine Felle ein, dass es nur eine wahre Freude ist. Es scheppert und kracht allerorts. Nur der Sound ist leider nicht ganz perfekt. Die Snare Drum und die Becken des Schlagzeugs fräsen sich schon beinahe zu brutal in die Gehörgänge.

Ein verlockendes Angebot

Während der Show greift Sängerin Skin gelegentlich zur Gitarre und unterstützt bei Titeln wie "My Ugly Boy" und "Beauty Is The Curse" ihren entspannt aufspielenden Saitenhexer "Ace" sowie den ihr am vorderen Rand der Bühne beistehenden Rastamann "Cass" am Bass. Als schließlich ein Fan aus dem Publikum der Frontfrau seine Liebe gesteht, reagiert sie völlig gelassen und fragt zurück, ob er nicht einfach nach dem Ende der Show hinter den Kulissen Sex mit ihr haben wolle.

Anschließend gehen Skunk Anansie zu älteren, zugleich aber härteren Stücken über. "I Can Dream" beginnt mit einem brachialen Groove, während sich "Spit It Out" sowohl leicht elektronisch als auch rotzig präsentiert. "The Skank Heads (Get Off Me)" ist an Brachialität kaum zu überbieten und fast im Metalbereich anzusiedeln. Wie auch beim folgenden, exotisch anmutenden "Charlie Big Potato" mit seinen Insekten und Wellen auf den Videoleinwänden schreit sich Skin hierbei streckenweise so richtig die Seele aus dem Leib.

Der Sieg des Hedonismus

Als die Band dann nach etwa 70 Minuten Spielzeit zum ersten Mal die Bühne verlässt, schließt sich ihr eine kaum zu überhörende Kombination aus Pfeifkonzert und Gekreische an, die nur als eine Forderung nach mehr zu deuten ist. Die Band gibt nach einigen Minuten auch nach, und Skin kehrt mit den Worten "Too much fun…" zurück, nur um sich wenig später dafür zu bedanken, trotz der relativ kurzfristigen Ankündigung der Show ein derart volles Haus zu haben.

Bei ihrem Megahit, der Ballade "Hedonism (Just Because You Feel Good)", beweist das Publikum, oder zumindest der weibliche Teil davon, dass es auch nicht so schlecht singen kann. Während des von den Zuschauern euphorisch aufgenommenen Stückes greift Skin mehrfach zum Schellenkranz, um ihrem Drummer unter die Arme zu greifen. Im Anschluss kann die Frontfrau ihre Begeisterung über die Bekanntheit des Stückes auch zwei Jahrzehnte nach dessen Veröffentlichung kaum verheimlichen.

Hautnah

Nach einem kurzen Zwischenspiel von Bass und Schlagzeug fragt Skin dann das Publikum, ob die Band noch eine Nummer zum Besten geben soll. Frenetischer Jubel ist die Folge, woraufhin die Sängerin "Selling Jesus", die allererste Single der Band ankündigt, und feststellt, dass sich der Rassismus seitdem zumindest in England kaum verändert habe. Während der inspirierten Performance des Stückes hüpfen und headbangen die begeisterten Fans in den vorderen Reihen. Weil Skin glaubt, dass das Publikum im vergangenen Jahr brav gewesen sei, gibt es daraufhin eine weitere Zugabe.

Als alle Zuschauer knien, läuft die Frontfrau mitten durch ihre Reihen und suggeriert zunächst, sie wolle sich jemanden für die Bühne aussuchen, lässt es aber dann sein. Mit dem brachialen "Little Baby Swastikka" verabschiedet sich die Band schließlich von ihren Frankfurter Fans, deren Ekstase auch beim Verlassen der Halle keine Grenzen zu kennen scheint. Auch nach zwanzig Jahren auf der Bühne bleiben Skunk Anansie eine zuverlässige Live-Band, die das Publikum für die lange Wartezeit trotz leichter Soundprobleme auf mehr als angemessene Weise entschädigt hat.

Setlist

Tear The Place Up / I Believed In You / That Sinking Feeling / Because Of You / God Loves Only You / Death To The Lovers / Bullets / Twisted (Everyday Hurts) / My Ugly Boy / Weak / Love Someone Else / In The Back Room / Without You / Beauty Is Your Curse / I Can Dream / Spit It Out / The Skank Heads (Get Off Me) / Charlie Big Potato // 100 Ways To Be A Good Girl / Hedonism (Just Because You Feel Good) / Selling Jesus / Little Baby Swastikka

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