Bonnie Raitt (2015)

Bonnie Raitt (2015) © MLK

Wenn jemand die geborene Lässigkeit auf der Bühne verkörpert, dann ist es Bonnie Raitt. Ihr Auftritt ist eine gigantische Mischung aus Gesangspower, heulenden Gitarrenriffs und einer Coolness, wie sie nur ein echter Weltstar auf die Bühne bringt.

Den Anfang zu diesem ganz besonderen Konzertabend in der Alten Oper macht Marc Cohn. Der Sänger mit der markigen Stimme entpuppt sich als echter Bluespoet. Er spielt Gitarre und Piano und setzt seine Stimme extrem variabel ein: mal laut und kraftvoll, dann wieder leise und tief emotional.

Das Highlight seiner Show ist natürlich "Walking In Memphis", sein großer Hit, für den er 1991 einen Grammy als Best New Artist gewonnen hat. Das Publikum ist schon am Ende seines Auftritts total enthusiastisch und feiert den Sänger mit Riesenapplaus.

Stehender Applaus beim Auftritt

Es ist nicht ungewöhnlich, dass sich das Publikum während eines Konzerts von den Sitzen erhebt. Bei Bonnie Raitt flippen einige Fans schon aus und springen aus den Sitzen hoch, als sie mit ihren Musikern die Bühne betritt. Wie sich schnell zeigt, ist der Enthusiasmus berechtigt. 1971 veröffentlichte Bonnie Raitt ihr erstes Album und blickt damit auf eine 45-jährige Karriere zurück. In dieser Zeit gewann sie nicht nur 10 Grammys, sondern ist seit dem Jahr 2000 auch Mitglied in der Rock and Roll Hall of Fame. 

Als ersten Song spielen Bonnie Raitt und ihre Band "Need You Tonight", ein Cover von INXS. Dabei fliegen Bonnies Finger über die Gitarrensaiten, während sie ganz lässig dasteht und mit ihrer Band den Saal rockt. Ihre Präsenz und ihre coole Ausstrahlung sind absolut fesselnd. Mit noch mehr Tempo zu "Used To Rule The World" lehnt sich Bonnie Raitt entspannt nach hinten und drückt gemeinsam mit Gitarrist George Marinelli und Bassist James Hutchinson aufs Gaspedal. Untermalt wird der schnelle Up-Tempo Blues noch von Schlagzeuger Ricky Fataar und den brillianten Einlagen von Pianist Mike Finnigan.

Rock On

Dieser Song erhält schon viel Applaus. Das wird aber noch getoppt von "I Knew". Der langsame, aber intensive Rocksong wird getragen von den heulenden Gitarrenriffs, an dessen Ende das Publikum komplett ausrastet. Es folgt die emotionale Ballade "Undone". Dabei singt sie zuerst und spielt die Gitarre fast nebenbei. Als sie dann zum kurzen Gitarrensolo mitten im Song ansetzt, versinkt sie ganz in sich und konzentriert sich nur auf ihr Spiel. Das Publikum lauscht gebannt bis zum Ende des Songs, dann brandet der Applaus auf.

Nach diesen zwei langsameren Songs zieht Bonnie Raitt das Tempo wieder an mit den Worten: "Rock on, I'm from L.A.". Mit dem Power-Bluesrock von "Shakin' Shakin' Shakes", einem Coversong von Los Lobos, wird es richtig laut. Bonnie Raitt, Gitarrist George Marinelli und Bassist James Hutchinson holen zu dritt wirklich alles aus ihren Gitarren raus. Das Publikum rastet schon wieder aus. Dagegen ist "Right Down The Line" schon fast eine kurze Erholung bei all diesen Highlights.

Time for Blues

Bonnie Raitt setzt sich auf einen Hocker am Bühnenrand und greift zur Akustikgitarre. Jetzt wird es leiser. Zuvor huldigt sie aber noch, offenbar schwer beeindruckt, der Alten Oper. Sie schwärmt davon, dass dieses tolle Gebäude noch aktiv genutzt wird und sagt abschließend: "This house is a masterpiece". Aber jetzt heißt es: "It's time for blues". Der Bassist spielt jetzt einen Standbass. Bonnie Raitt vertieft sich zu "Round And Round" immer tiefer in ihr Gitarrenspiel und wird zum Songende hin immer leiser.

Bei "I Feel The Same" kommt ihre Bluesstimme aber noch wesentlich besser zur Geltung. Wie sehr das Publikum begeistert ist, merkt man an den vielen Zwischenrufen in den leiseren Parts des Songs. Beim dritten Song des Akustikblocks gibt es kurz Verwirrung und Diskussion unter den Musikern, bevor Bonnie Raitt zum nächsten Kracher ansetzt. Mit "Too Long At The Fair", einem Song, den sie meist in der Zugabe singt, ist es vor allem der Prince of Darkness, der im Mittelpunkt steht. Am Ende flippt der Saal aus.

Ernste Themen und große Songs

Danach spielt Bonnie Raitt Rockmusik in verschiedenen Varianten. Zuerst lässt sie zum Power-Rock von "Thing Called Love" ihre Gitarre wieder aufheulen, dann gibt es Country-Rock bei "Hear Me Lord". Hier lässt sie entspannt die Hüften kreisen, während Schlagzeuger Ricky Fataar aus allen Rohren feuert und Bassist James Hutchinson dem Publikum den Rhythmus anklatscht. Das Publikum folgt und klatscht mit. Zu "Something To Talk About" wird dann weniger geklatscht, sondern die Köpfe wippen im Rhythmus mit und viele Zuschauer schnippen mit den Fingern.

Aber die Songs dienen nicht nur der Unterhaltung. Die Musik von Bonnie Raitt ist häufig auch ein Statement zu Politik und Gesellschaft. Der Song "The Comin' Round Is Going Through" ist ein Statement gegen die Korrumpierung des Staates durch Reiche und Mächtige ebenso wie ein Plädoyer für mehr Transparenz. Wie sehr ihr dieses Thema nahegeht, sieht man an der Geste am Songende. Sie schlägt sich mit der rechten Faust auf die Brust in Höhe des Herzens.

Der nächste Song ist gesanglich vielleicht sogar der intensivste Titel des Abends. Bonnie Raitt steht alleine im Spotlight und singt mit durchdringender Stimme John Prines Meisterwerk "Angel From Montgomery". Es wirkt fast so, als stünde sie irgendwo alleine in der Landschaft und nur der Wind höre ihr zu. Unterbrochen wird dies nur von einem kurzen Gitarrensolo, das George Marinelli auf einer Mini-Gitarre spielt. Auch hier endet der Song mit Riesenapplaus, zahlreichen lauten Rufen und jetzt steht das Publikum tatsächlich erstmals seit dem Opening auf.

Herausragende Band

Der große B.B. King ist 2015 von uns gegangen. Aber seine Musik hat ihn unsterblich gemacht. Viele Bluesmusiker spielen ständig Stücke von ihm als Hommage. So hat jetzt Pianist Mike Finnigan seinen großen Auftritt. Er singt "Don't Answer The Door" mit einer Inbrunst, als wäre B.B. King selbst anwesend. Bonnie Raitt begnügt sich bei diesem Song mit einem kurzen Gitarrensolo, überlässt ansonsten Mike Finnigan die Bühne. Die Pfiffe, Rufe und Schreie der Begeisterung zeigen auch die ganze Klasse der Band.

Das  Duett "Good Man, Good Woman" wird geschlechterübergreifend gesungen. Während Bonnie Raitt den Part über "Good Man" singt, übernimmt Mike Finnigan die Lobeshymne auf die "Good Woman". Zum Ende des Hauptblocks setzt sich Bonnie dann zu Finnigan an das zweite Keyboard und bringt die Show mit "What You're Doin' To Me" zum ersten großen Finale. Fast alle Zuschauer stehen und beklatschen frenetisch dieses grandiose Konzert. Bonnie Raitt verabschiedet sich mit: "Danke schön Frankfurt" kurz von der Bühne.

Echte Freunde

Als Opening der Zugabe setzt sich Bonnie Raitt wieder auf den Hocker am Bühnenrand, erstmals nun ohne Gitarre. Die Melodie spielt Pianist Mike Finnigan an, während Bonnie im Spotlight sitzt und "I Can Make You Love Me" singt. Es ist eine Ballade zum Träumen, so wunderbar schön emotional. Als Kontrast gibt es Old School Dance für alle. Das Publikum steht wieder und tanzt zu "Love Sneakin' Up On You". 

Jetzt folgt das große Finale. Bonnie Raitt holt Marc Cohn und seinen Keyboarder auf die Bühne. Zusammen spielen alle sieben Musiker gemeinsam den Van Morrison Hit "Crazy Love". Die innige Umarmung und das Küsschen am Songende zeigen auch, dass Marc Cohn eben mehr ist als ein Support Act. Er ist nicht nur ein begnadeter Musiker, sondern auch ein Freund, denn dieses Lied spielt Bonnie Raitt nur dann, wenn Marc Cohn sie auf Tour begleitet. Die Zuschauer feiern auch diesen letzten Song frenetisch ab und geben minutenlang Standing Ovations, als sich die sieben Musiker oben auf der Bühne zum Abschluss verbeugen. 

Was für ein Erlebnis

Der Konzertabend bot ein Erlebnis der Extraklasse. Zuerst der gefühlsintensive Marc Cohn, dann die coole Rocklady Bonnie Raitt, die mit ihrer spielerischen Leichtigkeit das Publikum verzückt.

Wer das Event verpasst hat, sollte nicht trauern, denn in Kürze könnte es weitere Gelegenheiten geben. Bonnie Raitt hat angekündigt, 2017 mit neuem Album eine größere Tour durch Deutschland machen zu wollen und Marc Cohn ist im Juni noch solo auf Deutschlandtour.

Setlist

Need You Tonight / Used To Rule The World / I Knew / Undone / Shakin' Shakin' Shakes / Right Down The Line / Round And Round / I Feel The Same / Too Long At The Fair / Thing Called Love / Hear Me Lord / Something To Talk About / The Comin' Round Is Going Through / Angel From Montgomery / Don't Answer The Door / Good Man, Good Woman / What You're Doin' To Me // I Can't Make You Love Me / Love Sneakin' Up On You / Crazy Love

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