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Rea Garvey (live in Mannheim, 2016) © Peter H. Bauer

"Finnische Sauna" am 28. Mai 2016 beim Zeltfestival Rhein-Neckar mit Rea Garvey. Der sympathische Ire hatte das Publikum vom ersten bis zum letzten Song in den Händen und verwandelte dabei das Palastzelt in eine intime Privatparty.

Wie nützlich eine überdachte Location doch sein kann, dachten sicherlich viele der 2.500 Fans, die sich im Palastzelt auf dem Maimarktgelände einfanden, wo eine Woche später das Maifeld Derby stattfinden wird. Während draußen ein mächtiges Gewitter tobte, konnte so der Auftritt von Rea Garvey beim 1. Zeltfestival Rhein-Neckar ohne Beeinträchtigung ablaufen. 

Bei tropischen Temperaturen, tropfender Decke und geballter Energie, die ab dem ersten Song von der Bühne strahlt, tanzen 7- bis 70-Jährige zu den vielseitigen Songs des irischen Singer/Songwriters. Angestachelt von der treibenden Bassdrum, der prismatischen Lichtshow und der einnehmenden Ausstrahlung des Sängers ist die Weltuntergangsstimmung außerhalb des Zeltes schnell vergessen.

"Chapeau ajooo"

Mit diesen Worten drückt Rea Garvey ganz in Mannheimer Manier seinen Respekt gegenüber dem musikalischen Output der "Musikhauptstadt" Mannheim aus. Auch sein Supportact lebte zwei Jahre im Mannheimer Jungbusch, bevor er diese kreative Keimzelle in Richtung Hamburg verließ. 

Max Giesinger steht ein ereignisreicher Sommer bevor, nachdem er mit seiner aktuellen Single "80 Millionen" im April 2016 in den deutschen Charts gelandet ist. Für insgesamt vier Shows dürfen er und seine Band mit seinem treibenden Deutsch-Pop Rea Garveys Publikum anheizen. Die fünf Jungs fühlen sich sofort auf der Bühne wohl und präsentieren sich als mitreißende Entertainer. Mit ihrer Show können sie sich sicherlich einige neue Fans erspielen.

Musikalischer Spagat

Ein Kennzeichen der inzwischen 16-jährigen Karriere von Rea Garvey ist seine Beliebheit bei Fans ganz unterschiedlichen Alters: Immer wieder gelingt es dem Gitarristen und Singer/Songwriter den Anschluss an die nachkommenden Generationen herzustellen. Dabei durchlief er eine starke musikalische Entwicklung, die ihm sehr gut steht.

Bei seinen Konzerten steht der 43-jährige gerade deshalb vor einer Herausforderung: Wie kann man den Erwartungen aller Fans möglichst gerecht werden, wenn man im Laufe seiner Karriere von Pop-Rock über Alternative-Electro-Pop zu rockigem Folk eine große musikalische Bandbreite abdeckt?

Timing ist alles

Zum richtigen Zeitpunkt können eben auch poppige Electro-Einflüsse den Fans des "neuen", folkigen Rea Garvey gefallen. So spielen Garvey und seine sechsköpfige Band mit Songs wie "Armour" oder "Echo Me" zuerst die Hits des aktuellen Albums "Prisma", bevor Songs vom ersten und zweiten Soloalbum untergemischt werden.

Mit "Supergirl" öffnet der Sänger dann die musikalische Kiste des "alten" Rea Garvey. Mit den Worten "So haben wie uns zuerst kennengelernt!", kündigt er fast ein wenig nostalgisch den Durchbruch-Hit seiner ehemaligen Band Reamonn aus dem Jahre 2000 an. Spätestens jetzt beweist das Publikum 100%ige Textsicherheit. 

Ekstase im Palastzelt 

Den tatsächlichen Höhepunkt des Abends stellt seine Hit-Single "Oh My Love" von seinem zweiten Albums "Pride" dar. In diesem Song sind alle wichtigen Attribute seines neuen folkigen Styles wie mehrstimmige Mitsingparts und eine positive Grundstimmung vereint, die er in einer über fünfminütigen Version voll auskostet.

Die ekstatische Stimmung ist komplett, als der neue deutsche Liebling Joris die Bühne betritt und mit Rea und seiner äußerst charismatischen Band dem Publikum einheizt, bis eine Mischung von Regen- und Kondenswasser von der Zeltdecke tropft. Sein wahrscheinlich verpasstes Tages-Workout hat der energiegeladene Rea auf jeden Fall wettgemacht. Er selbst meinte jedenfalls, dass er seit Beginn der Show bereits abgenommen habe.

Say what you wanna say

"Laut werden, Mund aufmachen und Stellung beziehen", so beschrieb Rea Garvey 2015 das Motto seines aktuellen Albums "Prisma". Tatsächlich bezieht er in den Texten eine stärkere politische Stellung denn je. Und auch mit seinen scheinbar ganz nebenher erzählten Ansagen zeigt der Ire, dass er seine Vorbildfunktion als öffentliche Person ernst nimmt.

Dabei verpackt er große Aussagen in persönliche Geschichten und erreicht so das Publikum noch direkter. Für sein soziales Engagement wurde er bereits zweifach ausgezeichnet: 2010 mit einem Ehrenecho für sein Projekt "Saving an Angel" und 2015 einen Bambi für sein Engagement für das "Clearwater-Project".

Positive Grundstimmung

Trotz der schweren Themen seiner Texte geht die positive Grundeinstellung Garveys nie verloren, so dass der Abend trotzdem im Zeichen des gemeinsamen Feierns steht. Mit dem abschließenden Lied "It's A Good Life" verwandelt sich die ausgelassene Stimmung in kollektive, fast demütige Dankbarkeit.

Mit der Akustik-Gitarre und verstärkt durch die gesungenen Harmonien seiner Band drückt Garvey seine Wertschätzung für den Abend und unser "gutes Leben" aus. Diese Erkenntnis, die kaum von der Hand zu weisen ist, sorgt für einen gelungenen Abschluss seines Konzerts in Mannheim.

Setlist

Armour / Echo Me / War / I'm All About You / Colour me in / Can't Say No / Oh My Love / Black Is The Colour / Supergirl / Catch Me When / Love Someone / Safe A Life / Wild Love / Can't Stand The Silence / Run For The Border / It's A Good Life

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