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Jeff Lynne's ELO (live in Oberhausen, 2016) © Tom Teubner

Nach ewig langen Jahren der Abwesenheit kehrt Jeff Lynne zurück auf die Bühne und präsentiert sich und den Sound von ELO in einer perfekten Mischung. Jeder Song wird mit eigenem Lichtbild, Videokonzept und Arrangement zelebriert und vom Publikum frenetisch abgefeiert.

Zum Auftakt des denkwürdigen Konzertabends spielt als Opener die englische Band The Feeling schon groß auf. Die Softrocker aus London beweisen schnell, dass sie auch eine so große Halle begeistern können.

Speziell Sänger Dan Gillespie Sells zeigt, dass er neben großen Gesten auch eine große Stimme hat. Bei "Never Be Lonely" hält er einen Ton ewig lang und lässt anschließend das Publikum den Refrain mitsingen. Mit krachendem Gitarrensound und glockenklarer Stimme sind The Feeling eine tolle Einstimmung.

Riesenaufgebot

Der Auftritt von Jeff Lynne's ELO wird durch eine Videoanimation des Weltraums eröffnet. Das soll sich als Markenzeichen der Show erweisen: Jeder Song ist so einzigartig wie ein eigener Planet. Jeder Song erhält eine perfekt abgestimmte Mischung aus Videosequenzen, grandiosen Popmelodien und einem eigens darauf abgestimmtem Lichtkonzept. So erstrahlen die Lieder des Electric Light Orchestra in neuem Glanz. Gespielt werden vor allem die Songs aus den 1970er Jahren, mit besonderem Fokus auf die Alben "A New World Record" von 1976 und "Out Of The Blue" von 1977.

Die Band rund um Jeff Lynne, der eine der Gitarren selbst spielt, besteht vorne aus einem E-Gitarristen, einem zweiten Gitarristen, der wie Jeff Lynne immer wieder die Gitarre wechselt, und einem Bassisten. Dazwischen sitzt ein Pianist und an den Seiten spielt jeweils ein Keyboarder. Hinten links neben dem Schlagzeug stehen ein Backgroundsänger und eine Backgroundsängerin. Rechts sitzen drei elegant gekleidete Ladys, zwei am Cello und eine Violinistin. Durch diese vielen Komponenten, die alle unterschiedliche Akzentuierungen setzen, entstehen fantastische Mischungen.

Sternenflug

Der Eröffnungssong "Tightrope" mit seinem vom Sternenflug untermalten Intro verwandelt den Innenraum direkt in eine begeisterte Stehplatzzone. Mit "Evil Woman" reißt es dann auch die Zuschauer auf den Sitzrängen an der Seite aus den Sitzen. Es wird schnell deutlich, welche Songs die Highlights des Publikums sind. Vor allem die schnelleren, rockigeren Songs wie "Turn To Stone" sorgen für große Begeisterung. Die ganz in rotes Licht getauchte Bühne entzündet ein Feuer und der ganze Saal geht mit.

Mit "Showdown" wird es kurz etwas langsamer, aber nicht weniger genial. Jetzt zündet die perfekte Symbiose aus Streichern und Gitarrensound, das Markenzeichen des Electric Light Orchestra. Gekrönt wird der Song von einem spektakulären Gitarrensolo am Ende. Einer der wenigen Songs aus den 1980er Jahren ist "All Over The World" aus dem 1980 erschienen Album "Xanadu". Das Publikum klatscht den Rhythmus mit und feiert das Lied mit frenetischem Applaus. 

Feuerzeugsong

"When I Was a Boy" ist eine echte Schmuseballade. Früher hätten die Fans ihre Feuerzeuge rausgeholt, heute werden Smartphones gezückt – jedoch bedeutend weniger als sonst. Man merkt, dass viele ältere Zuschauer in der Halle sind, die eine Reise in ihre Jugend erleben möchten. Es ist der einzige Song des Abends aus dem aktuellen Album "Alone In The Universe".

Der nächste Klassiker "Livin' Thing" wird durch die Violinistin eröffnet. Sie steht jetzt vorne im Spotlight und spielt ein Solo als Intro. Auch hier ergibt sich eine fantastische Mischung aus Licht und Sound, von dem sich das Publikum anstecken lässt. Mit "Strange Magic" gibt es Klänge zum Träumen. Hinten erstrahlt der Mond auf der Videowand. Vorne spielt Jeff Lynne auf der Akustikgitarre und singt abwechselnd mit der Backgroundsängerin.

Rockoper

Es bleibt schwierig, aus all diesen tollen Songs Highlights herauszuheben, aber "Rockaria!" zählt definitiv dazu. Vom schnellen Up-Tempo Rocksound getrieben springen die Sitzränge hoch und der ganze Saal klatscht im Rhythmus. Hinten singt die Backgroundsängerin fast opernhaft als Kontrast zu dem krachenden Rocksound der Gitarren, die am Ende zum furiosen Finale nochmal richtig hochgejagt werden. 

Die "10538 Overture" ist dagegen fast normal, ebenso wie "Secret Messages" mit jeweils einem kurzen Solo der E-Gitarre und vom Keyboard. Der wilde Fluss der Energie, der durch die Animation am Bühnenboden entfacht wird, ist der perfekte Antreiber für "Shine A Little Love". Fast ein wenig aus dem Rahmen fällt "Wild West Hero". Hinten laufen Bilder der einsamen Prärie mit Bergen und Wüste. Dazu spielt die Band so, als ob jeden Moment der einsame Cowboy bei seinem Ritt durch die Prärie erscheinen könnte. Das Zusammenspiel aller Komponenten ergibt ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk.

Perfekte Harmonie 

Die extravaganten Töne des Keyboarders simulieren Töne eines Telefons und vertonen so "Telephone Line". Es ist das Vorspiel für das nächste absolute Highlight "Turn To Stone". Auch hier springen die Ränge schon beim Intro hoch und feiern die schnelle Rocknummer frenetisch. Streicher, Gitarren und Keyboards wechseln sich dauernd in ihrer Präsenz und Akzentuierung ab und so ergeben sich immer wieder neue Kombinationen. Die perfekte Harmonie aller Soundgruppen. Am Ende feuern Jeff Lynne und sein Nebengitarrist in der Bühnenmitte mit den Akustikgitarren den Song zum einem grandiosen Abschluss hoch. 

Jetzt bleibt niemand mehr sitzen. Zu "Don't Bring Me Down" klatscht die Halle den Rhythmus der Band im Highspeedtempo mit. Auch "Sweet Talkin' Woman" wird stehend zelebriert. Für "Mr. Blue Sky" greift Jeff Lynne zur schwarzen E-Gitarre und rockt den Saal, während hinten wieder einmal die Backgroundsängerin brilliert. Dies ist das Ende des Hauptblocks. Die ganze Band kommt nach vorne und gemeinsam wird ein Gruppenselfie mit der tobenden Halle im Hintergrund geschossen. 

Da-Da-Da-Da

Nichts ist charakteristischer für Beethoven als diese vier Töne. Die Violinistin stimmt die Töne an und es folgt als langes Zugabenstück noch "Roll Over Beethoven". Hinten dreht sich die Platte wie einst auf der Wurlitzer, während die Halle tobt und schreit. Es ist der letzte Ausraster und der Moment wird vergoldet mit diesem krachenden, rockigen Up-Tempo Song. Ein würdiges, rund sechsminütiges Finale eines großen Konzertabends.

Viel zu kritisieren gibt es an diesem Abend nicht. Klar hätten sich die deutschen Fans eine ebenso lange Setlist wie bei manchen Auftritten in England gewünscht, bei denen Jeff Lynne's ELO oft zwei Songs mehr gespielt haben. Aber letztlich bleibt der Eindruck einer grandiosen Show, auf die so mancher Fan Jahrzehnte warten musste. Ein großer, einzigartiger Konzertabend, ein echtes Erlebnis. 

Setlist

Tightrope / Evil Woman / Showdown / All Over The World / When I Was A Boy / Livin' Thing / Strange Magic / Rockaria! / 10538 Overture / Secret Messages / Shine A Little Love / Wild West Hero / Telephone Line / Turn To Stone / Don't Bring Me Down / Sweet Talkin' Woman / Mr. Blue Sky // Roll Over Beethoven

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