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The 69 Eyes (live in Frankfurt, 2016) © Torsten Reitz

Wenn Künstler eine neue Platte am Start haben, will diese natürlich angepriesen werden. Deshalb sind auch die skandinavischen Gothic-Rocker von The 69 Eyes derzeit in Deutschland unterwegs. In der Frankfurter Batschkapp präsentieren sie dabei eine Mischung aus Licht und Schatten.

Es gibt eine Handvoll finnischer Künstler, die auch dem hiesigen Rock- und Metalpublikum ein Begriff sind. Dazu zählen natürlich Ville Valo von H.I.M., Nightwish sowie Stratovarius, aber auch Bands wie Lordi oder eben The 69 Eyes.

Letztere sind momentan mit der Single "Jet Fighter Plane" und dem brandneuen Studioalbum "Universal Monsters" im Gepäck auf Deutschlandtour. Zu diesem Zweck machen die Vampire aus Helsinki auch in der Frankfurter Batschkapp Zwischenstopp.

Wildgewordene Nachwuchswölfe

Den musikalischen Reigen an diesem Abend eröffnen The Ghost Wolves. Das junge Duo aus der texanischen Hauptstadt Austin frönt dem Minimalismus. Powerfrau Carley Wolf bedient die Saiteninstrumente und übernimmt den Gesangspart, während Johnny Wolf hinter der Schießbude Platz nimmt. In gewisser Hinsicht lassen sie sich damit als eine Art The White Stripes mit umkehrten Vorzeichen beschreiben, nur ohne Jack Whites prägnantes Songwriting.

Die Nachwuchswölfe aus dem Jenseits sind aber viel rotziger, vielleicht auch primitiver. Zum Abschluss ihres Support-Sets wird es dann – im wahrsten Sinne des Wortes – einsaitig. Bei dem aus der Fernsehserie "Shameless" bekannten "Shotgun Pistol Grip" greift die energische Carley zu einer Gitarre, bei der sie vorher sämtliche anderen Saiten entfernt hat. Dementsprechend simplistisch und aggressiv endet dann auch die Performance der Texaner.

Zäher Beginn

Nach einer kurzen Umbauphase betreten schließlich The 69 Eyes zu "Devils" die in rotes Licht getauchte Bühne – doch Stimmung will anfangs nicht so recht aufkommen. Vielleicht mag es daran liegen, dass Goths generell nicht als die euphorischsten Feierbiester gelten. Denn in den vorderen Reihen der Halle tummeln sich so einige Besucher in komplett schwarzer Montur, die stilistisch perfekt zur finnischen Band passen.

Auch einige teils leicht bekleidete junge Damen haben sich unter sie gemischt. Beim Betreten der Batschkapp bringen sie den Türsteher am Einlass dazu, den Sinn seines bisherigen Lebens anzuzweifeln. Wenn er sich solche Groupies betrachte, so der Sicherheitsmann nachdenklich, dann habe er in jüngeren Jahren definitiv zu wenig Gitarre geübt. Mit drei Akkorden auf der Klampfe komme man eben nicht allzu weit.

Die Batschkapp platzt nicht ganz

Dieser Theorie mag mancher Popmusiker widersprechen, der mit nur wenigen Griffen die Welt erobert hat. Gleiches gilt für The 69 Eyes, deren Songs zwar gefällig, aber streckenweise ähnlich wenig komplex daherkommen. In Finnland ist die Gruppe zwar seit Jahren ein großer Renner, hierzulande haben sie jedoch mit deutlich geringeren Zuschauerzahlen zu kämpfen. Der hintere Teil der Halle ist dann auch abgeriegelt, weil nicht einmal die vordere Hälfte vollständig gefüllt ist.

Während die Skandinavier mit einer relativ spektakulären und farbenfrohen Lichtshow aufwarten, geben sich The 69 Eyes ansonsten eher spartanisch. Frontmann Jyrki 69 unterlässt allzu große Ansagen zwischen den Liedern. Aus musikalischer Hinsicht mag das verständlich sein, trübt aber den Unterhaltungsfaktor, besonders in der Anfangsphase des Konzerts.

Der Funke springt erst spät über

In der zweiten Hälfte wird die Stimmung dann etwas besser, möglicherweise durch den Bierkonsum der Zuschauer beeinflusst, die sich im hinteren Teil der Batschkapp deutlich gemischter und weniger düster präsentieren als direkt vor der Bühne. Vielleicht liegt es aber auch an den Songs, mit denen die Nordlichter jetzt aufwarten. Die größte Resonanz erzeugt zunächt "Feel Berlin", bei dem das Publikum seine Arme in die Höhe reißt und stellenweise eifrig mitsingt.

Ihr reguläres Set beenden die Finnen mit einem kraftvollen Cover von Blondies "Call Me", das einst ihren Stilwechsel hin zum Gothic Rock und ihren gleichzeitigen Aufstieg im Heimatland begründete. Hier kommt dann auch die Headbanger-Fraktion auf ihre Kosten, erscheint das Lied doch in einem deutlich brutaleren Gewand als der Rest des Sets.

Solide, aber unspektakulär

Das Konzert beenden die Vampire aus Helsinki mit drei ihrer größten Hits. Den Anfang macht "Brandon Lee", ihre Hommage an den leider viel zu früh verstorbenen "The Crow"-Star und Sohn der Ikone Bruce Lee. Danach wollen die Finnen bei dem romantisch-düsteren "Dance D‘Amour" noch beweisen, dass ihnen auch die französische Sprache nicht völlig fremd ist.

Den Abschluss bildet der energiegeladene, zum Mitsingen einladende Kracher "Lost Boys". Der ein oder andere Solospot für die Instrumentalisten wäre wünschenswert gewesen, doch die Nordlichter spulen stattdessen ihr Programm wie eine gut geölte Maschine ab. So geht ein routiniertes Konzert zu Ende, dem allerdings die großen Höhepunkte fehlen. Dazu passt, dass das Publikum überwiegend direkt nach dem Schlussakkord die Halle verlässt.

Setlist 

Devils / Miss Pastis / Betty Blue / Gothic Girl / Dolce Vita / Sister Of Charity / Angel On My Shoulder / Jet Fighter Plane / Tonight / Sleeping With Lions / Never Say Die / Wasting The Dawn / Feel Berlin / The Chair / Call Me // Brandon Lee / Dance D‘Amour / Lost Boys

 

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