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Wolfmother (live in Wiesbaden, 2016) © Saron Duchardt

Wolfmother liefern im Schlachthof Wiesbaden einen beeindruckenden Auftritt ab, der sich nur schwer in Worte fassen lässt. Warum? Weil Andrew Stockdale ein wortkarger Geselle ist - und das im besten Sinne.

Einen interessanten Konzertbericht zu schreiben, das ist so eine Sache für sich. Wichtig ist natürlich nicht nur die Performance, sondern auch die Interaktion mit dem Publikum, die Show drumherum, die Reaktion der Menge, das Gesamtpaket eben.

Von diesem Standpunkt betrachtet gibt das Wolfmother-Konzert im Wiesbadener Schlachthof nicht sehr viel her – und konnte trotzdem restlos begeistern. 

Heiß ersehnt 

Schon lange im Voraus war der Schlachthof restlos ausverkauft. Kein Wunder: Wiesbaden ist erst der zweite Deutschlandtermin der aktuellen "Gypsy Caravan"-Tournee und die Fans haben eine lange Durststrecke hinter sich.

Wie jedes musikalische Mastermind, das etwas auf sich hält, ist Sänger, Gitarrist und Songschreiber Andrew Stockdale wahrlich nicht einfach im Umgang, und hat deshalb in den vergangenen Jahren unzählige Bandkollegen "verschlissen". Der Erfolg gibt ihm recht. Das lang ersehnte Album "Victorious" ist sogleich in die Top 10 der Albumcharts in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingestiegen.

Gut gemeint 

Unterstützt werden Wolfmother während der Tour von Electric Citizen, einer recht jungen Band aus Hinterwäldler-Ohio, die zwar musikalisch stark daherkommen und ein solides Hardrock-Brett abliefern, vom Großteil der Besucher aber eher müde belächelt werden. Die Damen und Herren kommen gemeinsam sicher auf charmante 6 bis 7 Meter Haarlänge, mit denen auch ordentlich gebangt wird.

Die übertriebenen Posen von Sängerin Laura Dolan, gepaart mit ihrer eher dünnen Stimme, genauso wie die Keyboarderin, die lieber einen sexy Tamburin-Dance hinlegt, als ihr Instrument zu bedienen, kehren das Bild dann aber ins Lächerliche um. Ein treffender Kommentar aus der Umbaupause: "Die war jetzt wie Doro Pesch. Mit weniger Runzeln." 

Zurück in die Zukunft 

Damit wäre nun also auch wirklich jedes mögliche Vorgeplänkel abgehakt, Wolfmother betreten pünktlich wie ein Uhrwerk um 21:00 Uhr die Bühne – the rest is history. Die Australier liefern ihr Set ab, knappe anderthalb Stunden, ohne Pause, ohne Zwischengeplänkel. Kein "Wisst ihr noch, wie wir damals angefangen haben", kein "Ihr seid unser Lieblingspublikum bisher", sie tun einfach das, wofür sie den weiten Weg aus Australien hergekommen sind.

Wenn man die Augen schließt, kann man sich fast in die 70er zurück katapultiert fühlen. Stockdales Stimme erinnert eben doch an Robert Plant. Die Musik könnte auch schon 40 Jahre alt sein, obwohl viele sie in den Anfangsjahren der Band als den "neuen heißen Scheiß" bezeichnet haben. Aber so ist es nun einmal, liebe Trendscouts. Das "goldene Zeitalter" stirbt nicht aus.  

Was können wir euch noch erzählen? Andrew Stockdale ist ein absolutes Phänomen und seine stimmliche Performance live der Wahnsinn. Das neue Album enttäuscht auch im Konzert nicht und fügt sich nahtlos ins Programm ein. Bei "Joker & The Thief" ist die Sicht zur Bühne plötzlich versperrt durch eine Wand aus Smartphones. Und ansonsten? Wenn ihr irgendwie die Möglichkeit habt, Wolfmother dieses Jahr noch live zu sehen, geht hin. Schaut es euch selbst an. Dann wisst ihr, was wir meinen. 

Setlist 

Victorious / New Moon Rising / Woman / Apple Tree / The Love That You Give / White Unicorn / White Feather / California Queen / How Many Times / Gypsy Caravan I Dimension / The Simple Life / City Lights / Pretty Peggy / Pyramid / Colossal // Vagabond / Joker & The Thief 

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