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OK KID (live in Mannheim, 2016) © Mathias Utz

Fünf, Vier, Drei, "Zwei": Packt eure Jutebeutel, Beanies und Caps ein. Stellt den Kaffee warm. OK KID sind wieder in der Stadt und lassen mit ihrem neuen Album im Gepäck in der Alten Feuerwache Mannheim die Köpfe nicken, Hüften kreisen und Hände bouncen. Darauf einen Gin!

"Zwei" nennt sich das zweite Werk der im Grunde dreiköpfigen HipHop-Pop-Combo OK KID aus der grauen "Stadt ohne Meer". Eine symbolische Zahl, wie auch das Album Cover mit dem Mittelfinger/Peace-Zeichen verrät.

Thematisch sowie musikalisch spiegelt sich das auch in den Songs wider. OK KID stehen zwischen den Stühlen: Zu- oder Abneigung,  Gut oder Böse, Frieden oder Krieg. Zwei Gesichter – zwei Perspektiven. Den erhobenen Zeigefinger haben sie dabei vorsichtshalber abgetrennt – symbolisch. Die Show in der Alten Feuerwache in Mannheim zeigt vor allem: OK KID sind alles andere als einseitig.

Zuerst war da ein Beat...

Was von dem Support Adi Ulmansky aus Tel Aviv nicht so wirklich behauptet werden kann, die eine Ein-Frau-Performance irgendwo zwischen Elektro-Pop, Deep House, Trap und HipHop zum Besten gibt.

Dabei steht der Beat so stark im Vordergund, dass Melodien und Harmonien auf der Strecke bleiben und es so schwer fällt, die einzelnen Tracks überhaupt auseinander zu halten. "Ich hab' gedacht, das war alles ein Song", kommentiert eine Zuschauerin. ADI sampelt, was das Zeug hält, spielt nebenbei an den Synthies und ihrem Laptop rum, doch der Funke will nicht überspringen. Schade.

...und noch ein Beat

Zuerst war da allerdings nur Nebel. Begleitet von spärischen Synthiesounds und wummernden Bässen, ertönt die Stimme von Frontmann Jonas Schubert zu "Blüte dieser Zeit". Aber der OK-Kid-Kopf ist nicht alleine. Live wächst das Trio mit Unterstützung an Gitarre und Bass zu einem Quintett zusammen, beide stark im Hintergrund positioniert und auch im Mix weniger präsent. Immerhin gibt es ein kleines Gitarren-Solo bei "Wisch & Weg". 

Zudem wurden die riesigen Deko-Buchstaben abgehängt. Stattdessen wird mehr auf Projektionen, Stroboaction und aufblitzende Lampen gesetzt – und natürlich reichlich Nebel. So entsteht eine fast schon düstere Atmosphäre.

Zwei Seiten

In den rund anderthalb Stunden präsentieren OK KID einen Rundumschlag ihrer bisherigen musikalischen Laufbahn: vom Debüt zum Gerard-Feature "Atme die Stadt" mit dem Ein/Aus-Publikumsspielchen bis hin zu den neuen Tracks wie der ginhaften Lobeshymne "Bombay Calling".

Aber das war noch nicht alles. Seit geraumer Zeit präsentieren die Jungs als Trio beatlastige Versionen ihrer Songs. Das nennt sich dann KID OK Soundsystem und schraubt den Elektroanteil nochmal eine ganze Stufe höher. Kopfnickeralarm!

Gute Menschen unter sich

"Ihr seid nicht wegen irgendeiner Single da oder weil eure Stadt mit Plakaten von uns zugepflastert ist, sondern weil sich das, was wir machen, rumgesprochen hat", bedankt sich Jonas bei all den "guten Menschen" in der Halle, gibt aber dennoch ein klares Statement: "es ist sau traurig, dass dieser Song immer noch so aktuell ist".

Recht hat er und erntet dafür reichlich Applaus. OK KID sind authentisch und direkt. Die Jungs machen das, worauf sie Bock haben, mit Leidenschaft und Herzblut. Das merkt auch das Publikum, welches eifrig die Hände hebt, mitnickt oder Zeile für Zeile mitrappt. Es wird sogar "gepogt" – oder sich eher rumgeschubst. Ein Grund mehr für Jonas, sich bei "Grundlos" in die Menge zu schmeißen.

Unter lauten "OK KID"-Rufen gibt's dann als Zugabe noch die beiden heiß erwarteten Singles "Stadt ohne Meer" und "Verschwende mich". OK KID können zwar nicht alles, sind aber weiterhin eine ginvolle Abendempfehlung. Prost!

Setlist

Blüte dieser Zeit / Allein, zu zweit, zu dritt.../ Kaffee warm / Alles oder nichts mehr / Atme die Stadt / Bombay Calling / Unterwasserliebe / Ich kann alles / Wisch & Weg / Bank / Gute Menschen / Borderline / 5. Rad am Wagen / Euforia (KID OK Version) / Zuerst war da ein Beat / Grundlos // Stadt ohne Meer / Verschwende mich

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