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Donovan (live in Hamburg, 2016) © Falk Simon

50 Jahre steht der schottische Folk/Pop-Sänger Donovan auf der Bühne. Zur Feier geht er nach mehr als einem Jahrzehnt wieder einmal auf Deutschlandtour. Aber was ist nach so langer Zeit von seiner Musik geblieben?

Jeder Zuschauer im Publikum unter 60 ist eine Kuriosität. Die Gründe sind nachvollziehbar. Donovans Musik war prägend für viele, die in den 1960ern jung waren und ihm seither die Treue halten.

Der komplett bestuhlte Frankfurter Hof ist vollständig ausverkauft – keine Selbstverständlichkeit, denn Donovan hat sich in den letzten Jahrzehnten in Deutschland rar gemacht.

Solo im Schneidersitz

Seit langer Zeit spielt Donovan ausschließlich Solokonzerte. Er sitzt im Schneidersitz in Socken auf einem Ziegenfell und begleitet sich selbst auf der akustischen Gitarre. Das sorgt dafür, dass seine sanften Songs noch sanfter wirken. Auch wenn er damit mit seiner persönlichen Tradition gebrochen hätte – der Einsatz einer Band hätte nicht geschadet.

Wie bei vielen Sängern der damaligen Zeit hat seine Stimme viel Geschmeidigkeit und Umfang verloren, aber sie präsentiert sich in durchaus gutem Zustand. Außerdem benutzt er die Gelegenheit, zahlreiche Bemerkungen und Anekdoten über die 1960er Jahre darzubieten. Zwei Aspekte stechen dabei besonders heraus.

Die Wichtigkeit der eigenen Bedeutung

Zum einen weiß er einige erhellende Gedanken beizutragen, beispielsweise die Tatsache, dass viele bedeutende Musiker der 1960er auch als Maler tätig waren – und dass ihre Musik daher den Charakter von Gemälden besitzt. Er berichtet auch von der zeittypischen Ambition des jungen Donovan, die populäre Kultur mit seiner Musik zu infiltrieren.

Gleichzeitig nutzt er diese Geschichten, um auf seine berühmten Bekanntschaften hinzuweisen, denn er kannte natürlich alle Großen des Musikbusiness von Lennon bis Hendrix. Ein gemeinsames Bild von ihm mit dem amerikanischen Gitarristen können Fans am Merchandise-Stand erwerben. Das erweckt den Eindruck, als betrachte sich Donovan als künstlerisch ebenbürtig mit Dylan, McCartney, Lennon, Jagger, Hendrix und vielen weiteren Stars der 1960er.

Musik aus einer anderen Zeit

Davon kann aber keine Rede sein. Das liegt nicht nur am raschen Popularitätsverlust Donovans im Verlauf der 1970er Jahre, sondern auch daran, dass seine Songs weniger zeitlos sind als die seiner berühmten Kollegen. Das bedeutet aber nicht, dass sie schlecht wären. "Colours" besitzt eine charmante Naivität, die viele seiner Songs auszeichnet. "To Try For The Sun" verkörpert auch nach 50 Jahren auf überzeugende Weise den himmelsstürmenden, jugendlichen Enthusiasmus der 1960er.

Und dann sind da natürlich die großen Hits: Als deren Zahl sich gegen Ende des Konzerts erhöht, steigert sich die Stimmung im bislang hauptsächlich höflich klatschenden Publikum zu Enthusiasmus. Bei "Mellow Yellow" singen die Zuschauer dann endlich auch mit. Für viele hat die Reise in die eigene Jugend den Höhepunkt erreicht, andere spüren vielleicht, dass die Zeit ein wenig über Donovans Musik hinweggegangen ist.

Setlist

Set 1: Catch the Wind / Colours / Remember the Alamo / Guinevere / The Little Tin Soldier / Josie / Jennifer Juniper / There Is a Mountain / Donna Donna
Set 2: Universal Soldier (Buffy Sainte-Marie cover) / Young but Daily Growing (Traditional) / Wear Your Love Like Heaven / Hurdy Gurdy Man / Season Of The Witch / Lalena / To Try for the Sun / Sunshine Superman / Atlantis // Mellow Yellow

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