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Retrogott & Hulk Hodn (live in Weinheim, 2016) © Alex Schäfer

Im Rahmen der Veröffentlichung ihrer vierten LP "Sezession" machen Retrogott & Hulk Hodn im Café Central in Weinheim Halt. Die Bude ist rappelvoll, die Fans werden in gut zwei Stunden Konzert rundum verwöhnt. Ein Bericht.

Nachdem die letzte Scheibe "Fresh und umbenannt" auch schon wieder drei Jahre zurückliegt, ist es dringend an der Zeit für eine neue LP von Retrogott & Hulk Hodn. "Sezession" heißt das Ding, offizielles Veröffentlichungsdatum ist der 27. März. Allerdings gibt es das Album erstmal nur auf Tour zu kaufen. Und so verwundert es nicht, dass das Café Central in Weinheim zum Auftritt des Duos gerappelt voll ist.

Um kurz nach 21 Uhr laufen die Plattenteller warm. Bevor es richtig losgeht, möchte der Retrogott aber noch seine ganz eigene Version der Nationalhymne zum Besten geben. Der dissonante, konsumkritische Rap (ja, das geht), gepaart mit sehr langsam laufenden Schallplatten, ruft Assoziationen an Hendrix‘ legendären Woodstock-Auftritt hervor.

Party, Party

Im Anschluss geht es gleich weiter. Der Retrogott kündigt an, zunächst Stücke von der neuen Platte zu spielen, später gibt es vielleicht auch noch was Altes. Jetzt aber heißt das Motto "Party, Party", und so beginnt ein gut zweistündiges Konzert, in dessen Verlauf die Künstler sich kaum eine Pause gönnen. Nach zwei Stücken muss Retrogott allerdings die Technik bitten, das Publikum auf dem Monitor lauter zu machen. Da hört man noch nicht so viel.

Diese Art von Witz, gepaart mit einem wahnwitzigen lyrischen Talent des Rappers und der Tatsache, dass Hulk Hodn wohl mit die besten Beats in Deutschland baut, sind der Grund, warum wohl die meisten hier im Café Central sind. Zwar geht es auf allen Alben des Duos inhaltlich meist darum, dass alle MCs whack sind. Dank der sprachlichen Finesse macht das aber jeden Track aufs Neue Spaß. Wo sonst wird "Provokateur" auf "Nadelöhr" gerappt? Zweckreime sehen anders aus.

Rap International

Als Unterstützung steht der "penpal" des Retrogotts, der US-amerikanische Rapper Motion Man, mit auf der Bühne. Die beiden haben schon auf mehreren Tracks kollaboriert, die auch hier zum Besten gegeben werden. Motion Man begrüßt das Publikum auch gleich als seine "new best friends" in seinem Freundeskreis. Bald darauf erfolgt das Upgrade zum "real estate agent", denn der Rapper gedenkt, nach Deutschland zu ziehen.

Auch ein Gastauftritt von Heidelbergs Koryphäe Toni L. bleibt nicht aus und wird von den Fans gefeiert. Überhaupt ist die Stimmung das gesamte Konzert über ziemlich weit oben. Je dicker der Beat, desto heftiger das Kopfnicken. Mit dafür ist die Technik im Café verantwortlich, die hervorragende Arbeit leistet. Nicht zu laut, nicht zu leise, und sehr differenziert kann man Beats und Raps vernehmen.

Olle Kamellen

Zum Schluss stellt der Retrogott die Frage, ob man denn noch Lust auf die "alten Kamellen" habe. Offensichtlich ist diese Frage eher rhetorischer Natur. "Na gut. Ich habe sie von der Straße aufgesammelt. Sie waren voller Scheiße. Aber ich habe sie sauber gemacht und neu in Plastik verpackt." Diese Passage ist nicht einfach nur Dummgelaber, sondern ein Hinweis darauf, dass das Duo sich von früheren homophoben Textpassagen, die besonders das erste Album prägten, distanziert hat.

Viele alte Songs, wie etwa "Pornofilmkäse", haben neue Textpassagen erhalten. Diese wirken aber keineswegs im Nachhinein reingedoktort, sondern fügen sich organisch in die alten Texte ein und knallen noch besser. Jede neue Punchline wird vom Publikum begeistert aufgenommen und gefeiert.

Nach mehr als zwei Stunden ist Schluss. Motion Man macht noch einige Fotos mit Fans auf der Bühne, vor dem Merchstand bildet sich eine Schlange. Retrogott & Hulk Hodn haben einmal mehr gezeigt, wie guter und erfolgreicher HipHop geht, ohne dass man sich verkaufen muss. Danke dafür!

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