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Bosse (Live in Mannheim, 2016) © Manuela Hall

Bosse startet seine "Engtanz"-Tour im ausverkauften Capitol in Mannheim und schafft mit witzigen Anekdoten, seiner lockeren Art und seinem hymnischen Gute-Laune-Pop eine Wohlfühlatmosphäre, in der die Zuschauer aus dem Grinsen nicht mehr rauskommen.

"Engtanz" heißt die neue Scheibe von Bosse, die am 12. Februar 2016 erschienen und direkt auf Platz 1 der Album-Charts geschossen ist. Eng ist es auch im rappelvollen Capitol – und getanzt wird selbstverständlich ebenso.

Bosse hat es geschafft, mit seiner Musik mehrere Generationen anzusprechen und zu begeistern. Dafür musste der Rock-Anteil aus früheren Tagen etwas weichen, was sich auch im Live-Set bemerkbar macht.

Piano Pop aus den eigenen Reihen

Zuvor darf Keyboarderin und Backgroundsängerin Valentine Romanski ihre eigenen Stücke präsentieren und wird höchstpersönlich von Aki selbst ans Piano begleitet, der den Moment nutzt, die Vorfreude ein wenig anzuheizen. "Wir haben total Bock, hängen hinten ab und hören zu".

Mit glasklarer Stimme und bluesig-melancholischem Piano Pop zieht Valentine die Menge in ihren Bann und plaudert ein wenig über Proben, Videodrehs mit Kim Frank und Langeweile auf Tour. Zum Glück gibt es die sozialen Netzwerke.

Perfekt unperfekt

"Wir haben sogar geprobt", verrät Bosse. Mit "wir" meint er sich und seine mittlerweile siebenköpfige Band. Neu dabei ist Niklas Hardt, der mit seinem Cello den krummen Symphonien den nötigen Glanz verleiht. Zusammen mit etlichen Chören und Trompeten-Sätzen wird jeder Song zur Stadion-Hymne.

Krumm ist dabei das Stichwort, denn so richtig sitzt der ein oder andere Song noch nicht. Hier mal ein verpasster Einsatz, da ein schiefes Tönchen. Allerdings stört das keine Sekunde und unterstreicht eher die lockere Art und Authentizität der gesamten Bosse-Familie. "Zur Strafe spielt jetzt jeder ein Solo", witzelt der 35-Jährige, was in einer 10-minütigen Version von "Du federst" endet.

Körper und Geist

Es ist zu spüren, wie sehr sich Bosse auf diese Tour gefreut hat. Bestens gelaunt unterhält er mit Small-Talk und Anekdoten die Menge. Man möchte mit ihm am liebsten sofort ein Bier trinken gehen. Während der Songs scheint es, als würde er sich die gesamte Schreiblast aus der Vergangenheit einfach abtanzen. Ganz klar: Bosse ist wieder in seinem Element.

Wie ein Flummi springt der Vollblut-Entertainer auf der Bühne hin und her und ist bereits nach "So oder so" komplett durchgeschwitzt, was sogar "Balkonien" motiviert, sich von den Sitzen zu erheben und euphorisiert mitzuklatschen. Bei "3 Millionen" hieft sich der 36-Jährige über die Absperrung in die Menge und stimmt mittendrin nochmals den Refrain an. Künstler sein ist eben irgendwie auch ein Sport – für Körper und Geist.

Im Wartesaal

Im Laufe des zweistündigen Sets (inklusive Zugabenblock) liegt der Fokus deutlich auf den neuen Alben. "Engtanz" wird fast komplett gespielt. Den Casper-Part bei "Krumme Symphonie" übernimmt skurrilerweise übrigens Backliner Sven. Auch die verspielte Bühnendeko ist mit bunten Luftballons an das Cover angepasst. Natürlich dürfen die Singles wie "So oder so", "Schönste Zeit" oder "Frankfurt Oder" nicht fehlen.

Auf "Wartesaal", "Metropole" oder "Weit weg" wartet man leider vergeblich, geschweige denn auf Nummern aus den ersten Alben. Dennoch bietet das Set genug Momente zum Mitsingen, Mitklatschen und Tanzen, wenn es auch insgesamt klassischer, aber dafür opulenter gestaltet ist. Ein wenig mehr Gitarrenpower wäre wünschenswert.

"Liebstes Mannheim, wir sollten das öfter machen. Danke, dass ihr uns so einen schönen Tourstart beschert habt!", verabschiedet sich Bosse. Ahoi, Ade und bist zum nächsten Engtanz!

Setliste

Außerhalb der Zeit / Nachttischlampe / So oder so / Vier Leben / Dein Hurra / Alter Strand / Istanbul / Kraniche / Familienfest / 3 Millionen / Blicke / Immer so lieben / Schönste Zeit / Krumme Symphonie / Frankfurt Oder // Steine / Du federst / Ahoi Ade 

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