Draußen ist es kalt und nass, ziemlich ungemütlich sogar, doch wer an diesem Donnerstagabend die halle02 betritt, kann sich an den Klängen der Paper Kites aufwärmen.
Das Quintett aus Melbourne, Australien hat den kleinen, aber feinen Club der halle02 fast ausverkauft. Pünktlich um 20 Uhr huschen The Paper Kites fast unbemerkt auf die Bühne, so als wollten sie ihre deutschen Zuschauer nicht eine Minute warten lassen.
Entspannte Atmosphäre
The Paper Kites präsentieren sich an diesem Abend sehr natürlich und bescheiden. Sänger und Songwriter Sam Bentley sorgt mit seiner unaufgeregten Art für eine sehr entspannte Atmosphäre. Und natürlich betont er, wie sehr sich die Band über ihren ersten Besuch in Deutschland freut und schon frühzeitig ihr Wiederkommen ankündigt.
Die ersten Töne klingen nicht nach der Musik, die man von den Paper Kites erwartet: Statt sanfter Folk-Melodien wird es laut und elektronische Elemente mischen sich in die Musik – passend zur Beleuchtung der Halle. Das vornehmlich junge Publikum wartet gespannt darauf, wie es weitergeht.
Träumerische Melancholie
Nach dem etwas ruppigen Auftakt lässt die Band ruhigere Klänge folgen. The Paper Kites weichen nun nicht mehr weit von ihrem melodischen Folk-Rock mit mehrstimmigen Harmoniegesang ab, integrieren aber weiterhin gekonnt elektronische Klänge. Sowohl für diejenigen, die träumerische Melancholie erwarten, als auch für die Fans lauterer Klänge, ist an diesem Abend etwas dabei.
Als drei der fünf Bandmitglieder die Bühne verlassen und nur noch Sam Bentley und Christina Lacy übrig bleiben wird es persönlich und humorvoll: Bentley erzählt eine humorvolle Anekdote einer gescheiterten Fernbeziehung, worauf das Lied "Paint" folgt, das seine herzerwärmende und echte Stimme mit den sanften Vocals von Christina Lacy kombiniert. Der Song erzeugt solch eine intime, gefühlvolle Stimmung, dass das Publikum nur andächtig lauschen kann.
Ähnlich und doch eigen
Außer dem Harmoniegesang beeindruckt das unaufgeregte, aber äußerst effektive Zusammenspiel der Band. Es ist gar nicht leicht, einzelnen Elementen zu folgen, so sehr verschmelzen Instrumente und Gesang zu einem lebendigen, warmen Bandsound, der an hunderte ähnliche Bands erinnert, aber doch eigen ist. Sänger Sam Bentley erinnert in manchen Momenten gar an die klassischen Sänger/Songwriter der 1970er wie Paul Simon oder Jackson Browne.
Als Zugabe spielen The Paper Kites eines ihrer bekanntesten Lieder, nämlich "Featherstone". Die Zuschauer freuen sich sichtlich, bejubeln den gelungenen Abschluss und sind nun bereit, zufrieden den Heimweg anzutreten, mit dem Wissen im Gepäck, dass die Band sich live mindestens genauso gut anhört wie auf ihren Platten. Manchmal genügen ein bescheidenes Auftreten und gute Songs vollkommen, um die Zuschauer zu überzeugen.

