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Paul Kalkbrenner live in Frankfurt (2016) © Torsten Reitz

Paul Kalkbrenner, Star-DJ und Mainstreamhit-Maschine, lässt klassische Clubs links liegen und füllt mittlerweile die großen Hallen. Fast 5000 Zuschauer kamen in die Jahrhunderthalle in Frankfurt, um was zu erleben? Ein Konzert? Eine Clubnacht? Oder keins von beidem?

Zwei Stunden Einlass sind eingeplant, um fast 5000 Menschen in die ausverkaufte Jahrhunderthalle in Frankfurt hinein zu befördern. Um 20:00 Uhr soll Paul Kalkbrenner, der Mann, der die Welle der elektronischen Star-DJs lostrat, auf der Bühne stehen. Tatsächlich wird er erst eine dreiviertel Stunde später an sein Pult herantreten. Einen Opener gibt es nicht, der Fokus liegt einzig und allein auf Kalkbrenner.

Paulchen Panther

Einen DJ um diese Uhrzeit und unter diesen Umständen auf dieser großen Bühne zu sehen, auf der nichts steht außer seinem Pult und ihm selbst, ist eine befremdliche Angelegenheit. Es erinnert daran, eine Großkatze im Zoo zu beobachten: Sicherlich, die Zahl der Bewunderer, die sich um das seltene Tier scharren, ist um einiges höher als in der Wildnis, aber man fragt sich dennoch: Ist das artgerechte Haltung?

Kalkbrenner wird an diesem Abend nichts sagen, er wird alleine an seinem Pult stehen, sein Set spielen und dann wieder gehen. Für eine überstilisierte Konzept-Performance à la Kraftwerk ist Kalkbrenner zu bodenständig. Auch die Lichtshow, zwar so weit in Ordnung, lässt in einem so hochprofessionellen Rahmen zu wünschen übrig. Im Grunde genommen schauen rund 5000 Menschen Paul Kalkbrenner dabei zu, wie er an Reglern hantiert, konzentriert auf seinen Laptop blickt, sich eine Zigarette anzündet und seine eigenen Tracks hart abfeiert.

Solide und smooth

Das darf er auch. Was auch immer man von Kalkbrenners Musik, seinem Status als Elektro-DJ oder seinen Hits halten mag: Was er macht, macht er gut. Er ist smooth wie sein Bruder Fritz, aber nicht so blutleer und er besitzt Pop-Appeal, ohne dabei vulgär zu sein. Ausnahmen bestätigen hier die Regel: von Jefferson Airplanes "White Rabbit" hätte er lieber die Finger lassen sollen.

Den Leuten gefällt es, sie sind tanzfreudig, auch wenn es dauert, bis wirkliche Party-Stimmung aufkommt. Auf der Tribüne stehen fast alle Leute von Anfang an und versuchen mitzumischen. Dennoch, irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen. Ein Konzert ist das nicht, aber für eine richtige Clubnacht ist es zu früh und zu steril.

Berlin is still calling

Kalkbrenners persönlicher Meilenstein "Berlin Calling" ist an diesem Abend allgegenwärtig. Tracks wie "Sky and Sand", "Aaron" und "Azure" streut Kalkbrenner über den Abend verteilt sinnvoll ein und sie entfalten immer noch ihre Wirkung: Das Publikum lässt sich von dem Vibe der Tracks mitreißen und feiert den DJ.

Problematisch ist nur, dass Kalkbrenners Set ohne seine altbekannten Hits wenig Höhepunkte aufweist. Der smoothe und eingängige Sound kann eben auch dazu führen, dass die Musik zu Einheitsbrei verkommt. Dass das stellenweise an diesem Abend passiert, ist aber nicht weiter schlimm, dann kann man sich eben einen neuen Drink holen oder eine rauchen gehen. Da kommt fast etwas Club-Atmosphäre auf.

Wie geht's weiter?

Paul Kalkbrenners Set dauert etwa zweieinhalb Stunden. Im Laufe des Abends tanzen sich die Besucher warm und in der letzten Stunde herrscht energiegeladene Partystimmung. Die Leute haben wirklich Spaß und Kalkbrenner grinst wie ein Honigkuchenpferd. 

Am Ende verlässt Kalkbrenner zweimal die Bühne, um doch wieder zu kommen und der Masse noch einmal einzuheizen. Dann ist es endgültig vorbei, das einsame DJ-Pult steht im warmen, orangenen Scheinwerfer, bevor die grellen Lichter wieder angehen. Es ist viertel nach elf. Und jetzt? Auf in den nächsten Club! Zu Pauls Artgenossen in der freien Wildbahn.

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