Kraftklub (live in Mannheim, 2016) Fotostrecke starten

Kraftklub (live in Mannheim, 2016) © Jannik Rulitschka

Wenn der Schweiß von der Decke tropft und die Meute völlig eskaliert, gastieren mal wieder Kraftklub in der Stadt. Zum Tourauftakt ihrer "Randale"-Tour machen die Chemnitzer gewaltig Krawall im Maimarktclub in Mannheim und beweisen dabei vor allem Fannähe.

Ein Treffen mit alten Freunden – dieses Gefühl beschleicht die Zuschauer bei einer typischen Show der Chemnitzer. Schon öfter haben Kraftklub den Maimarktclub in Mannheim gefüllt, so wie sie auch sonst seit ihrem Durchbruch unzählige Hallen in der Republik in kürzester Zeit füllen. Kein Wunder also, dass beide Shows in der Quadratestadt schon längst ausverkauft sind. Wegen der großen Nachfrage wurde der Tourauftakt am 15. Januar sogar um einen Tag vorgezogen und eine Zusatzshow anberaumt.

Das Konzept ist idiotensicher: viel Spaß, Randale und Ekstase – wie eben auf einer gigantischen Party unter guten Freunden. Schon bei der Vorband Drangsal ist die Vorfreude auf den Abend deutlich spürbar. In einer bedrängten Lage sieht sich die Band um Sänger Max Gruber jedoch nicht, vielmehr heizen die Jungs der Meute gehörig mit der von ihnen selbst als "Brachial-Pop und Jammer-Punk" bezeichneten Musik ein. Die Songs erinnern ein wenig an Depeche Mode der 80er-Jahre, gepaart mit dem Glam der Arctic Monkeys.

Stimmungsanheizer und Moshpits

Bevor Kraftklub endlich auf der Bühne stehen, ist die Stimmung im aufgeheizten Club schon am Brodeln. Gesangs-Chöre läuten den baldigen Beginn der Show ein und sind ein willkommener Zeitvertreib für die ungeduldig wartende Menge.  Als dann das Intro einsetzt, gibt es kein Halten mehr. Schon bei den ersten Takten von "Wie Ich" und den nachfolgenden Stimmungsanheizern "Eure Mädchen" und "Ich will nicht nach Berlin" bilden sich die ersten gigantischen Moshpits.

Schubsen setzt Glückshormone frei. Wer daran zweifelt, war noch nicht auf einem Kraftklub-Konzert. Dass das Quintett aus Karl-Marx-Stadt stimmlich mit anderen Musiker-Kollegen nicht mithalten kann, ist kein Geheimnis, hier und da gibt es schiefe Töne und verpatzte Passagen, die Sänger Felix Brummer mit viel Charme und Humor weglacht. Authentizität ist das, was die Band ausmacht.

Jubel trotz kleiner Patzer

So störte es auch keinen, dass der Track "500K", den die Band anlässlich der geknackten halben Millionen-Marke auf Facebook für die Fans schrieb, ungeprobt und unprofessionell wirkt. Ein reiner Gag eben mit einer gewaltigen Prise Ironie, die man von Kraftklub ja schon gewöhnt ist. Die verpatzte Rap-Einlage von Felix wird dennoch von den Fans bejubelt.

Allgemein haben die Chemnitzer im Lauf ihrer Bühnen-Karriere ein Gefühl entwickelt, mit ihren Songs zu spielen. Aus "Hand in Hand" wird mal eben eine Akustik-Version gezaubert, um im nächsten Takt wieder mit Schlagzeug, Bass und Gitarre die Original-Version des Tracks wirken zu lassen. Zwar weiß man im Voraus, auf was man sich bei einem Kraftklub-Konzert einstellen kann, doch baut die Band immer wieder neue Elemente in ihre Show ein.

Eine große Gang

Damit lockern Kraftklub nicht nur das gewohnte Set auf jeder Tour auf, sondern beweisen auch spürbar Fannähe. Wettcrowd-Surfen, Performances auf der B-Stage inmitten der Fans und ein Glücksrad, das von einem Fan gedreht werden darf – wie in einer großen Gang eben. Apropos Glücksrad: Dieses Spielzeug ist eine der besten Ideen, die Kraftklub jemals hatten.

Da das Song-Repertoire der Band stetig wächst und es mittlerweile nicht mehr möglich ist, alles live zu spielen, entscheidet das Glücksrad mit der Auswahl der Tracks "Schlagerstars", "Lieblingsband" und "Juppe" darüber, welchem Wunsch nachgekommen wird. Eine Niete ist natürlich auch dabei. An diesem Abend entscheidet sich der Zeiger jedoch für "Lieblingsband". Doch auch Fans der ersten Stunde kommen mit einem "Mit K-Medley" auf ihre Kosten.

Tanzen im Konfetti

Natürlich endet keine Kraftklub-Show ohne das altbewährte Ramones-Cover von "Blitzkrieg Bop", performt gemeinsam mit der Vorband. Für den Höhepunkt, der durch "Randale" eingeleitet wird, werden noch einmal die letzten Energie-Reserven aktiviert, hochgeworfener Müll und ausgezogene T-Shirts bestimmen das Bild im Club, der zum Abschluss von einem gewaltigen Konfetti-Regen begraben wird.

Geblieben ist ein amtlicher Tourauftakt mit viel Randale und der längsten Setlist in der Geschichte der Band. Wer noch genug Energie und Stimmfarbe hat, kann sich heute Abend auf eine weitere Nacht voller unvergesslicher Momente freuen. Hand in Hand mit der Band und den Fans.

Damit muss der Abend aber noch nicht vorüber sein. Mit viel Glück kann es passieren, dass man die Band nach dem Konzert am Merchstand oder bei einem gemütlichen Bier in einer Mannheimer Bar antrifft. Es ist kein Geheimnis, dass die Jungs schon Feiererfahrung in Mannheim nachzuweisen haben, denn sie haben schon bei vorherigen Konzerten die ein oder andere WG-Party unsicher gemacht.

Setlist

Intro / Wie ich / Eure Mädchen / Ich will nicht nach Berlin / Wegen dir / Mein Leben / 2 Dosen Sprite / Unsere Fans / Meine Stadt ist zu laut / Hand in Hand (Akustik & Original) / Für Immer / Lieblingsband / Irgendeine Nummer / Blitzkrieb Bop (Ramones-Cover) / 500K / Mit K-Medley / Deine Gang / Blau / Karl-Marx-Stadt / Schüsse in die Luft / ScheißInDieDisko / Randale / Songs für Liam

Alles zu den Themen:

kraftklub drangsal

Das könnte Sie auch interessieren