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Deez Nuts (live beim Knockdown Festival 2015) © Joy Dana Görig

Von Hardcore bis Metalcore werden auch am Sonntag die richtig dicken Bretter in Karlsruhe gebohrt. Giftig und angepisst geht es schon zur unmenschlich frühen Mittagszeit auf der Bühne der Schwarzwaldhalle zur Sache. Vor der Bühne ist die Laune des Publikums trotz mancher Schrammen umso vergnügter.

Wenn man schon den Aufstand betreibt, die ovale Schwarzwaldhalle (die ohne einen einzigen, die Sicht einschränkenden Stützpfeiler auskommt) für ein Metal-Festival zurecht zu machen, warum dann nur für einen Tag? Das dachten sich die Veranstalter des Knock Out Festivals und verlängerten deshalb kurzerhand die Sause.

Start mit Newcomerbands

War am Samstag beim Knock Out noch überwiegend das alteingesessene Metalpublikum zu Gast, ist am Tag danach die Jugend am Zug. Der Sonntag steht im dem Zeichen des Hard- und Metalcores und findet in Anlehnung an das Mutterschiff erstmalig unter dem Banner Knockdown Festival statt.

Einlass ist bereits um 12:00 Uhr. Und während sich einige Helfer noch die Übernächtigung vom Vortag aus den Augen reiben, geht eine halbe Stunde später auf der Bühne bereits die Post ab. Mit Miles Beneath und Break Down A Venue übernehmen die beiden Gewinner-Bands des Online-Votings den Auftakt der Festival-Premiere. Beide machen auf ihre Weise dem Namen der Letzteren alle Ehre. Und auch wenn zu dieser Uhrzeit noch größere Lücken in der Halle klaffen, ist die Besucherzahl bereits beachtlich.

Geduldige Autogrammjäger

Am frühen Abend herrscht dann ähnlich hoher Betrieb wie am Samstag, wenngleich die Verteilung anders ausfällt. Auf der Tribüne sitzen nur vereinzelt Leute, dafür ist das Gedränge in den vorderen Reihen umso größer. Die Pogo- und Circle-Pit-Affinität ist groß und die Security hat mit pausenlosem Crowdsurfern alle Hände voll zu tun. Kleinere Blessuren bleiben da nicht aus und werden von Ersthelfern an den Seiten behandelt.  

Hochbetrieb herrscht auch immer wieder im Foyer, wenn die Bands zur Signing-Session laden. Besonders begehrt sind Signaturen der Nord-Rhein-Westfalen Eskimo Callboy, die ihre veranschlagte Zeit deutlich überziehen müssen, um jedem Autogrammjäger gerecht zu werden. Die Schlange reicht zwischenzeitlich vom Ende des Foyers bis zum Eingang der Schwarzwaldhalle.

Währenddessen spielt auf der Bühne die Elektrocore-Gruppe The Browning aus Kansas City. Die Bässe wummern dabei nur sehr knapp über der Grenze dessen, was die Magengrube verkraften kann. Überhaupt ist diese extreme Melange aus Metalcore und Dubstep Geschmackssache. Die Meute vor der Bühne dreht artig am Rad, die Hardcore-Fraktion der älteren Schule sucht das Weite.

Die heimlichen Gewinner

Kurz darauf sorgen die Belgier von Nasty für den ersten Höhepunkt. Im HipHop-Gewand fragen sie zu Beginn ihres Auftritts "Fucker, how you feeling?", um danach ein ruppiges und schnörkelloses Hardcore-Set abzufeuern. Sänger Mathi wettert zwischen den Songs gegen die AfD und erntet den gewünschten Publikumszuspruch.

Mit der gleichen Intensität sind danach auch Deez Nuts zu Gange. Ihr angepisster Hardcore erhält durch den leichten Metal-Touch und der Rap-Affinität von Frontmann JJ Peters eine zusätzliche Ladung Wut im Bauch. Die Songs vom aktuellen Album "Word Is Bound", wie etwa das hymnenhafte "Face This On My Own", gehören auch musikalisch zum Besten, was der Abend zu bieten hat. Durch ihre Haltung und die noch am wenigsten artifiziell aufgeladene Aggressivität sind Nasty und Deez Nuts eindeutig die heimlichen Gewinner des Festivals.

Ballermann im Moshpit

Die ganz große Masse begeistern dann aber doch die Headliner. Wer zuvor geduldig für ein Autogramm anstand, steht jetzt ganz weit vorne. Eskimo Callboy eröffnen mit langem Intro, ein Lichtermeer aus Smartphone-Displays hängt über den Köpfen.

Bilder und Videos sind ab dem ersten richtigen Ton dann allerdings nur noch am Rande möglich. Zu groß ist im Zentrum das Gedränge und zu heftig die Tanzwut. Die Show auf der Bühne lebt vor allem vom brachialen Sound, dem damit verbundenen Effekt und maßlosem Stroboskopeinsatz an der Grenze zum epileptischen Kollaps.

Versöhnliches Finale

Callejon nehmen anschließend nicht den Fuß vom Gaspedal – und die Menge dankt es. Auf deutsch geben die Rheinländer den Abschluss des Festivals. Coversongs, wie "Schwule Mädchen" oder "Schrei nach Liebe" bekommen in ihrem eruptiven Soundkorsett einen frischen Anstrich und der Gegenwind für braune Gesinnung zusätzliche Energie. Natürlich kann man auch darüber streiten, ob diese Coverversionen tatsächlich einen Mehrwert darstellen. Bei Callejon stimmt aber die Party-Message-Balance.

Um kurz nach 23:00 Uhr steht fest: Die Premiere des Festivals ist geglückt und für die unterschiedlichen Geschmäcker der Tattoo-, Fleischtunnel-, und oder Kapuzenträger war einiges dabei. Eine Neuauflage in 2016 sollte damit reine Formsache sein.

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