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Boy (live in Heidelberg, 2015) © Alex Schäfer

Mit großen Emotionen und tanzbaren Synthie-Pop-Sounds bringen Boy seit ihrem Debüt im Jahr 2011 die Besucher ihrer Konzerte in zahlreichen Ländern zum Staunen und Träumen. So auch in der ausverkauften halle02 in Heidelberg in der Valeska Steiner und Sonja Glass einen bleibenden Eindruck hinterließen.

"We Were Here" lautet der Song mit dem Boy den Abend in der halle02 eröffnen. Dabei flimmert der Albumtitel des Duos als Schriftzug über ein großes Tuch im Bühnenhintergrund und verleiht der Konzerthalle schon zu Beginn etwas Verträumtes. Geschickt ziehen Valeska Steiner und Sonja Glass mit den ersten Tracks das Tempo an und bringen damit das Publikum zum Tanzen und Mitsingen.

Zuvor hatte der kanadische Singer/Songwriter Martin Gallop die Stimmung mit seinen gefühlvollen Songs angeheizt und die Besucher auf das Konzert des Indie-Duos eingestimmt. Dabei richtet der Musiker auch ernsthafte Worte an die Zuschauer, indem er sich auf die Attacken in Paris am vergangen Freitag bezieht. Sogar in Zeiten wie diesen kann Hoffnung gefunden werden, durch freudiges Lachen und euphorisches Mitsingen, kann Licht hereingetragen werden, erklärt Gallop und stößt bei den Anwesenden auf Zustimmung.

Lieblingsthema: Jungs

Weniger nachdenklich, dabei teilweise melancholisch läuft es bei Boy ab, die es schaffen die Besucher mit ihrer Musik in andere Sphären zu befördern. Dem Duo gelingt es, mit ihrer Live-Band jedem Song etwas Besonderes, gar Magisches zu verleihen, so dass man nicht anders kann als in Staunen zu verfallen.

Herausragend ist auch der Klang: Der Sound ist auf den Punkt abgemischt und Steiners Stimme sorgt mit ihrem mal zarten, mal intensiven Gesang an diesem Abend nicht nur einmal für Gänsehaut. Charmant und verträumt singen Boy über ihr Lieblingsthema: Jungs. Nummern wie "Boris", "Oh Boy" oder auch "Little Numbers", sind eindeutige Beweise dafür.

Sympathisches Duo

Wie sehr die Gruppe trotz des rasanten Aufstiegs und ihrer internationalen Bekanntheit auf dem Boden geblieben ist, merkt man daran, wie sympathisch Boy Anekdoten zu Songs und aus ihrem Leben erzählen. "Wir haben gehört Heidelberg soll sehr schön sein, aber hier war es so gemütlich, wir wollten den Backstage nicht verlassen und haben nur gelesen", erzählt Steiner.

Zu "Hit My Heart" animiert die Sängerin das Publikum zu einem "Heidelberger-Chor" und verpatzt dabei die letzte Note als sie die Stelle versucht vorzusingen. Und auch beim zweiten und dritten Anlauf scheint es nicht gelingen zu wollen. Charmant lacht Steiner über den Patzer hinweg und stimmt anschließend den Song zusammen mit den Besuchern an.

Emotional und energiegeladen

Zu dem federnden Sound des Duos will man unweigerlich tanzen. So geht ein Aufatmen durch die Halle, als der Erfolgshit "Little Numbers" angespielt wird. Es ist, als hätte die Fangemeinde nur auf diesen Moment gewartet. Euphorisch wird dazu geklatscht, gesungen und getanzt.

Mit variierenden Licht-Effekten, die die jeweiligen Songs unterstreichen, schaffen es Boy die Zuschauer leicht in verschiedene Emotionen zu versetzten und dabei selbst wie Lichtgestalten zu wirken. Gerade Steiner, die mit Tamburin in der Hand zu einigen Songs ausgelassen über die Bühne hüpft und tanzt. Diese Energie überträgt sich auch auf das Publikum: Mal wird ausgelassen getanzt, mal steht man staunend vor der Bühne, mal wird aus voller Kehle mitgesungen.

Ein Song als Herausforderung

Als Zugabe präsentieren Steiner und Glass "This Is The Beginning", der älteste Track des Duos und der erste, den die Beiden zusammen geschrieben haben. Highlights sind neben den im Duett gesungenen "Flames" vor allem aber die Premiere von "Vagabond". Der Song hat es nicht auf das aktuelle Album der Band geschafft, da es Boy nicht gelang, den Schaffensprozess auf befriedigende Weise abzuschließen.

Oder anders gesagt: "Dieser Song war eine Bitch", erzählt Glass und Steiner erläutert wie das Duo an dem Song scheiterte und zum ersten Mal einen Song von ihnen aus der Hand gab. Und das an keinen geringeren als an den befreundeten Künstler und Support-Act Matrin Gallop, der den Refrain des Tracks schrieb. Zusammen mit Gallop performen Boy den Song zum ersten Mal und nehmen Abschied von den enthusiastischen Besuchern.

Zurück bleibt eine vom unwiederstehlichen Charme des Duos verzauberte Menge und die Tatsache, dass Boy mehr als nur Mädchenmusik machen. Boy machen glücklich.

Setlist

We Were Here / Fear / Waitress / Army / Hit My Heart / Drive Darling / Railway / Boris / Oh Boy / Hotel / New York / Little Numbers / No Sleep For The Dreamer / Into The Wild / This Is The Beginning / Vagabond

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