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Nachtwandel (Mannheim, 2015) © Alex Schäfer

Zum 12. Mal fand der Nachtwandel im Jungbusch statt. Aus der gesamten Region strömten die Menschen nach Mannheim, um das Viertel in seiner ganzen Vielfalt kennenzulernen. Für den sechsten Teil unser Reihe #Unser Jungbusch waren wir mittendrin.

Der Jungbusch ist wohl eines der wenigen Stadtviertel in Deutschland, die ihren eigenen Tag der offenen Tür haben: den Nachtwandel. Zum 12. Mal öffnen am 23. und 24. Oktober zahlreiche Vereine, Einrichtungen und Privatpersonen im Jungbusch ihre Türen, um zu zeigen, wie vielfältig das Viertel ist.

Leerer Bauch feiert nicht gern

Mit einigen Freunden fahre ich von Heidelberg aus nach Mannheim. Bereits in der voll besetzten S-Bahn wird klar, dass die Straßen im Jungbusch überlaufen werden. Auf der Fahrt steigern wir uns in Vorfreude auf den Abend, die Musik, die Kunst und nicht zuletzt auch das angebotene Essen. Wir alle haben, in weiser Voraussicht, keine größeren Mahlzeiten zu uns genommen, damit wir später umso mehr schlemmen können.

Um kurz nach sieben erreichen wir den Jungbusch. Obwohl es noch "früh" ist, ist erstaunlich viel los auf den Straßen. Wie hungrige Tiger pirschen wir uns durch die Menge, sind auf der Suche nach Köstlichkeiten. Am Stand der Kombüse werden wir fündig. Für ein paar müde Euros kriegt jeder von uns einen Burrito mit leckerster veganer Füllung in die Hand gedrückt.

"Lebe mein Leben und pack es in Bars."

Frisch gestärkt fühlen wir uns nun auch in der Lage, unseren kulturellen Hunger zu stillen. An der Waschstraße finden wir eine kleine Bühne, auf der HipHop dargeboten wird. Der MC kündigt den jüngsten Rapper Mannheims an: Malik, elf Jahre alt.

Der Beat rollt an und Malik haut seine 16 Bars raus, als wäre es nichts. Sicher, es gibt noch einiges zu feilen an Rhythmus uns Reimen, aber was der Junge mit seinen gerade mal elf Jahren vorzuweisen hat, ist mehr als beeindruckend. Um Mannheims Musiknachwuchs muss man sich keine Sorgen machen.

Kontrastprogramm

Als nächstes führt unser Weg in den Innenhof der alten Pferdebahn. Bei stimmungsvoller Beleuchtung kann man Kunst an den Wänden beleuchten, die vom Künstler und Kunstpädagogin Alexander Bergmann gemeinsam mit Kindern des Quartiers kreiert hat. Währenddessen verbreitet eine Jazz-Gruppe der Musikhochschule Mannheim loungige Klänge.

Diese Mischung bietet einen interessanten Kontrast zum Trubel auf der Jungbuschstraße, dem man hier im Innenhof entrinnen kann. Leider ist die Anlage etwas leise, sodass man auch in den vorderen Reihen nicht alles von der Musik mitbekommt.

Musik an jeder Ecke

Nachdem wir nochmal gegessen haben, diesmal türkisch, zieht es uns in die Unterführung Dalbergstraße. Wie bereits letztes Jahr spielt hier die Gruppe Projekt Nautilus. Vorbeikommende Besucher und Fahrgäste haben gar keine andere Wahl, als für einige Minuten oder auch länger stehen zu bleiben und mitzutanzen. Das klassische Straßenmusiksetting "Unterführung" wird durch die Menge an Zuhörern auf ein neues Level gehoben.

Wir bewegen uns in die Böckstaße. An der Straßenecke steht die offene Bühne des Brückenawards. Alle zehn bis fünfzehn Minuten wechselt die Besetzung und es wird improvisiert, bis die Saiten reißen, häufig rein instrumental, von psychedelisch bis progressiv. Die Stufen auf dem kleinen Platz laden zum Verweilen ein: dort kann man sich in den Gitarrenläufen verlieren.

Krawall und Kunst

Nach einer ganzen Weile ziehen wir weiter. Der Radiosender sunshine live verwandelt den eigenen Hinterhof in eine Tanzfläche mit Lichtinstallation und knallendem House. Das Angebot wird gern wahrgenommen, der Sound dominiert die Böckstraße. Wem das aber nicht gefällt, kann in einem der zahlreichen Hinterhöfe immer noch eine kleine Tanzfläche mit anderer Musik finden.

In einer Galerie gegenüber des sunshine-Hofs stellen zehn Mannheimer KünstlerInnen Konzept-Werke aus, während im Hinterzimmer Bands spielen Alle Bilder können vor Ort erworben werden, sowohl im Original, als auch in Form von Postkarten. Aller Erlöse gehen an die Tierhilfe Ludwigshafen. 

Ein Stadtteil, der Szene macht

Von Eindrücken gesättigt machen wir uns auf den Heimweg und freuen uns auf eine Stunde mehr Schlaf dank Zeitumstellung. Damit befinden wir uns allerdings in der Unterzahl.

Obwohl das offizielle Programm des Nachtwandels nur bis Mitternacht geht, dürften viele Besucher sich danach noch auf die zahlreichen Bars und Clubs des Viertels verteilen. Der Nachtwandel war auch dieses Jahr wieder ein voller Erfolg und zeigt, warum der Jungbusch nicht nur Szene ist, sondern auch Szene macht.

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