Mannheimer Philharmoniker (2015)

Mannheimer Philharmoniker (2015) © Mannheimer Philharmoniker

Am 10. Oktober 2015 wurde der offizielle Startschuss für das neu gegründete Netzwerk "Die Klassiker" gegeben. Den Auftakt bildeten neun spannende Konzerte an unterschiedlichen Orten in der Mannheimer Innenstadt.

Wer sich schon immer einmal gefragt hat, wie eine Orchesterprobe eigentlich abläuft oder ob man Klassik auch außerhalb eines abgedunkelten Konzertsaals aufführen kann, der war beim Auftakt des neuen Klassikverbunds der Metropolregion Rhein-Neckar genau richtig. Mit neun Konzerten an drei unterschiedlichen Aufführungsorten haben die Akteure von Die Klassiker gezeigt, wie abwechslungsreich klassische Konzerte sein können.

Wagner kurz und knackig

Den Beginn machte am Vormittag die Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz im Musensaal des Rosengarten mit einer öffentlichen Probe von Loriots "Der Ring an 1 Abend". Der Komiker selbst war ein großer Anhänger von Wagners Musik und dessen monumentalen Opernklassiker "Der Ring der Nibelungen". Kurzerhand hat Loriot das 15 Stunden-Epos auf einen Abend runtergekürzt und lieferte eine meisterhafte Werkeinführung, die sowohl unerfahrenen Opernbesuchern als auch gestandenen Wagner-Fans viel Spaß bereitet. 

Bassbariton Hans Gröning übernahm dabei sowohl den Part des Sprechers als auch die tiefen Männerrollen Alberich, Wotan und Hagen. Mit kurzen Einführungstexten, die auf witzig-charmante Weise den Operninhalt erklären, wird durch den Abend geführt und mit musikalischen Ausschnitte aus Wagners Opernzyklus begleitet. Nebenbei erhielt man einen interessanten Einblick in die Probenarbeit eines Orchesters. Besonders spannend war dabei zu sehen, dass man anscheinend auch professionellen Orchestern immer wieder das gleiche sagen muss: "Ihr müsst aufeinander hören!"

Mit dem Cello im Club

Dass Klassik nicht immer nur in Konzertsälen aufgeführt werden muss, zeigten vier Cellisten der Mannheimer Philharmoniker am Nachmittag. Als Location wurde der neue Club Buddha Baby gewählt. Mit Lichtinstallationen an den Wänden, kunstvoll von der Decke herab hängenden Glühbirnen und großen Ledersofas bot der Club eine angenehm loungige Atmosphäre. Gespielt wurden kammermusikalische Oldies und "Schlager" aus den 1920er Jahren. Fröhlich und beschwingt setzte die Musik ein und entführte die Zuhörer in eine vergangene Zeit. Man fühlte sich manchmal wie in einem Pariser Künstlercafé am Montmartre, um dann etwas nostalgisch ins Berlin der 20er einzutauchen und anschließend mit Tangorhythmen nach Lateinamerika zu reisen. 

"Wir wollen die klassische Musik allen zugänglich machen", meinte Dirigent Boian Videnoff zur Begrüßung. Mit dem Netzwerk "Die Klassiker" möchte das Orchester neue Wege gehen und auch neue Zielgruppen ausprobieren. Mit ihrem Clubkonzept haben sie dabei sicher schon den richtigen Weg eingeschlagen, auch wenn das Publikum leider überschaubar ausfiel an diesem Nachmittag.

Ausgezeichnete Vermittlungsarbeit

Wesentlich mehr Zuschauer konnte das nächste Konzert im Mannheimer Kunstverein anlocken, veranstaltet vom MusikForum Mannheim. Seit 2001 setzt sich der Verein für Alte Musik aus dem 17. und 18. Jahrhundert ein. Mit dem ensemble Odyssee aus Amsterdam haben sie einen hervorrageden Klangkörper zum Auftakt nach Mannheim eingeladen. Dabei handelt es sich um ein Barockensemble, das sich auf historische Auffürhungspraxis spezialisert hat. Die Instrumente sind Originale oder Nachbauten aus der Barockzeit und wurden nacheinander von den Musikern vorgestellt: Barockoboe, Altblockflöte, Barockgeige und Cembalo.

Gespielt wurden vier Werke von vier Komponisten. Zwischen den Stücken gaben die Musiker kurze, aber interessante Hintergrundinformationen zu den Komponisten, Instrumenten und Werken. Das Ensemble ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie man auf lockere Art dem Publikum diese Musik einer längst vergangenen Zeit näherbringt. Die Stücke wurden ausgezeichnet interpretiert, mit viel Leidenschaft und Feuer. Ein rundum gelungenes Konzert.

Vielversprechnde Zusammenarbeit

Drei Konzerte an drei Spielorten mit ganz unterschiedlichen Konzepten. So bunt und vielfältig starteten "Die Klassiker" ihre gemeinsame Reise. Ihr Ziel ist es, die Wahrnehmung der Klassikvielfalt  durch Vernetzung, Vermittlung und Entwicklung neuer Präsentationsformen zu steigern. Ein Vorhaben, das an diesem Auftakt bereits sehr gut geglückt ist und man gespannt auf die weitere Zusammenarbeit blickt.

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