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Passenger (live in Schwetzingen, 2015) © Andreas Moosbrugger

Der Sonntag im Schwetzinger Schlossgarten beginnt mit Sonnenschein und einer ausgelassenen Picknickstimmung. Am Ende steigert sich die Stimmung auf komplette Euphorie, während gleichzeitig Regen und Blitze am Himmel für Abkühlung sorgen.

Das Prinzip ein Mann mit Gitarre allein auf der Bühne setzt sich bei Passenger schon beim Support Act durch. Denn als Auftakt zu Musik im Park in Schwetzingen darf am Sonntag Passengers guter Freund Stu Larsen auf die Bühne und sein Können zeigen. Der australische Songwriter spielt Folk mit Einflüssen von Country und ist inzwischen ein echter Globetrotter.

Ähnlich wie Passenger in seinen Anfangsjahren reist er quer durch die Welt und sammelt Geschichten für seine Songs. Das Publikum sitzt derweil überall auf der Rasenfläche. Viele haben ihre Picknickdecken mitgebracht und lauschen gespannt dem Sänger auf der Bühne und geben ihm nach jedem Song viel Applaus.

Passenger und sein Publikum

Gegen 21 Uhr wird das Publikum langsam ungeduldig und fordert mit rhythmischem Klatschen den Sänger auf, endlich loszulegen. Kurz darauf erscheint Passenger und bedankt sich zuerst bei den vielen Zuschauern, die zu dieser tollen Location im Schlossgarten Schwetzingen gekommen sind. Er legt los mit "Fairytales & Firesides". Das Publikum lauscht gespannt dem Sänger mit der gewaltigen Stimme, um dann nach dem Song in Jubel auszubrechen.

Er trinkt der derweil einen "kleinen Apfelsaft" und muss alle Zuschauer, die eine Band erwartet haben, enttäuschen. Es gibt nur "me and my guitar and you don't get your money back". Enttäuscht ist aber niemand, auch wenn die Zuschauer anfangs nicht so mitsingen, wie es Passenger gerne hätte. Sie belassen es beim rhythmischen Klatschen, während er sich zu "Life's For The Living" fast die Finger auf der Gitarre wund spielt.

Dafür hat er aber ein Publikum, dass wirklich zuhören kann und sich nicht wie eine Horde Wilder benimmt. Das hatte er wohl einen Tag zuvor in der Schweiz und meinte nur dazu: "It was like Lord Of The Rings, a concert in Mordor". Das Publikum in Schwetzingen scheint ihm wohl mehr zu liegen, wie man später nochmals merkt.  

Geschichten aus dem Leben

Die nächsten Songs sind entstanden, weil Passenger den Geschichten von Menschen zugehört hat. Seinen Song "David" über einen alten Mann aus Glasgow, der auf einer Treppe vor seinem Hotel saß, ist eine beeindruckende Performance. Passenger akzentuiert den Song gekonnt, mal laut, dann wieder leise, mal wird er tiefgründig, dann wieder extrovertiert.

Ebenso faszinierend ist die Entstehung des Songs "Travelling Alone". Hier holt Passenger besonders weit aus und erzählt, wie er aus zwei Geschichten einen Song machte. Der erste Teil erzählt von einem Mann aus Australien, den er in Kopenhagen traf. Er hatte mit seiner Frau jahrelang für eine Weltreise gespart. Kurz bevor es losgehen sollte, verstarb seine Frau. Nun ist er allein unterwegs. Diesen ersten Teil des Songs hörte eine Frau in Zürich und begann zu weinen. Sie war nach 15 Jahren von ihrem Freund verlassen worden und war nun auch allein. Daraus entstand der zweite Teil des Songs.

Aber Passenger hat nicht nur sentimentale Songs, sondern auch eine klare Meinung zum Leben und drückt diese aus im Song "I Hate". Darin giftet er nicht nur gegen soziale Medien und Castingshows, sondern baut auch geschickt die Geschichte mit dem Schweizer Konzert wieder ein mit den Worten: "I hate playing concerts in Mordor". Darin erkennt man die Klasse dieses Musikers, der jederzeit auf alle Zwischenrufe reagiert und jede Gegebenheit sofort in seine Songs einbauen kann. Später wird er noch deutlicher mit den Worten: "You can make music like Justin Bieber or Miley Cyrus to be successful, or you can make music you like". 

Das Medley mit dem Welthit

Aus seinen sieben Alben, denen demnächst ein weiteres Album folgen soll, spielt Pasenger zunächst "Underwater Bride" und dann den Rockysong "Eye Of The Tiger", bevor er zu seinem einzigen Welthit kommt. Als er "Let Her Go" anstimmt, fangen die Fans sogar an, mal mitzusingen. Diesen Titel können wirklich alle mitsingen.

Anschließend fallen erste Regentropfen vom Himmel. Aber das stört nicht wirklich, denn Passenger spielt jetzt ein Duett mit seinem Freund Stu Larsen. Sie performen "Heart's On Fire" und danach den neuen Song "Beautiful Birds", eine traumhaft schöne Ballade, die ebenfalls stürmisch beklatscht wird. Der letzte Song des Hauptblocks ist "Scare Away The Dark". Der Refrain des "Oh-Oh-Oh" wird aber auch nach Passengers Bühnenabgang weiterperformt statt der sonst üblichen Zugaberufe.

Die Punktlandung am Ende

Der Regen wird immer stärker und die Blitze kommen näher. Doch keiner verlässt den Platz, denn Passenger hat noch drei Songs als Zugabe. Seinem Song "Things That Stop You Dreaming" folgt ein Cover von Bruce Springsteens "Dancing In The Dark". Beim letzten Song "Holes" geben die Zuschauer nochmal Vollgas, klatschen und schwenken die Arme hin und her.

Dann ist es zu Ende: Passenger verschwindet und die Zuschauer schaffen es, wenn sie Glück haben, noch halbwegs trocken zum Auto. Das Konzert hätte kaum länger dauern dürfen, denn kurz danach bricht ein schweres Gewitter mit Blitzen und Platzregen los.

So war es ein musikalischer Hochgenuss mit Punktlandung am Ende. Passenger lieferte einen großartigen Abschluss von vier tollen Tagen bei Musik im Park in Schwetzingen. Hoffentlich gibt es 2016 mehr davon.

Setlist

Fairytales & Firesides / Life's For The Living / David / Travelling Alone / The Sound Of Silence / I Hate / Medley: Underwater Bride/Eye Of The Tiger/Let Her Go / 27 / Hearts On Fire / Beautiful Birds / Scare Away The Dark / / Things That Stop You Dreaming / Dancing In The Dark / Holes

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