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Turbostaat (live in Heidelberg, 2015) © Johannes Rehorst

Turbostaat und das Heidelberger Häll passen wie Arsch auf Eimer. Einmal mehr haben die fünf Friesen dies unter Beweis gestellt, als sie hier im Rahmen ihrer "kleine, feine Konzerte"-Tour Halt machten und den Laden zum Überkochen brachten.

Es war heiß in der Republik an diesem Samstag. Geschmeidige 37°C zeigte das Thermometer dem geneigten Betrachter. Das beste Wetter also, um entspannt im Planschbecken, der Hängematte oder den Seilen zu hängen. Dennoch fand sich eine ganze Menge Fans von Musik der härteren Gangart vor dem Häll ein. Turbostaat hatten sich angekündigt.

Zwar gab es einen anfänglichen Dämpfer: Einlass und Konzertbeginn waren um eine Stunde nach hinten verlegt worden. Dies war im Vornherein leider nicht kommuniziert worden und lag vermutlich an noch fehlendem Equipment. Es kam allerdings kein großer Unmut bei den Besuchern auf, die voller Vorfreude auf den Beginn warteten. Um kurz vor neun erklang dann die erste Gitarre auf der Bühne.

"Hier wäre jetzt Platz für eine lustige Ansage"

Die Mannheimer Vorband Zustände lieferte ein zwanzig-minütiges, knackiges Set. In Anbetracht der Temperaturen befand sich eine Hälfe allerdings noch draußen, die Hälfte vor der Bühne war noch nicht wirklich bewegungswillig. Schade eigentlich, denn Zustände gewinnen mit ihrem 3-Akkord-Punk in Reinform zwar keinen Preis für Originalität, machten dies aber allemal mit Bühnenpräsenz und Unterhaltsamkeit wett.

Nach einer kurzen Umbaupause ging dann der Hauptact an den Start. Mittlerweile hatte sich auch der letzte Besucher seine Ecke gesucht, das Häll war zum Bersten gefüllt. Und vom ersten Saitenschlag an war die Masse in Bewegung. Der Großteil der Besucher war absolut textsicher, der kleinere Teil (zu dem der Autor sich beschämenderweise zählen muss) konnte trotzdem amtlich mitfeiern.

"Der Kühlschrank ist ausgefallen"

Schon nach einigen wenigen Liedern waren Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Häll über die Skala gestiegen. Sänger Jan Windmeier verteilt fleißig Wasser von der Bühne herunter und weist darauf hin, dass auch an der Bar Wasser für umme ausgeschenkt wird. Eine feine Geste, und bei diesen Zuständen auch wirklich notwendig. Nachdem noch kurz auf die allgemeinen Sicherheitsbestimmungen auf einem Punk-Konzert hingewiesen wurde, ging die wilde Fahrt gleich weiter.

Nicht einmal die Meldung "Der Kühlschrank ist ausgefallen, wir arbeiten dran" konnte das Publikum jetzt aus der Fassung bringen. Mittlerweile waren die Zuschauer sowieso zu einem wogenden, hundertarmigen Moloch verschmolzen. Von allen Seiten bekam man Flüssigkeiten ab, sei es Wasser oder Schweiß, eher letzteres. Den meisten Besuchern war das aber wohl auch schon egal, gehörte viel eher zum Gesamterlebnis "Turbostaat im Häll" dazu.

Neunzig Minuten Höchsttemperatur

Die Band präsentierte sich in Höchstform. Jan Windmeier erwähnte zwar, dass er an einer leichten Sommergrippe leide, davon bekam man allerdings nicht viel mit. Und selbst wenn, hätte das Publikum den fehlenden Gesang locker auffangen können.

Nach gut neunzig Minuten inklusive Zugabe waren Publikum und Band gleichermaßen am Ende ihrer Kräfte. T-Shirts wurden ausgewrungen und der Dehydration entgegen gewirkt. Wohl keiner im Raum dürfte mit der Darbietung der Musiker unzufrieden gewesen sein.

Danke, Häll!

Es erfolgte eine Runde Danksagungen an Technik, Tour-Support und vor allem das häll, welches ein beliebter Anlaufpunkt der Band ist. Im Zuge der jüngsten Entwicklungen wird es allerdings das vorerst letzte Turbostaat-Konzert in Heidelberg gewesen sein. Wenn schon Abschied, dann mit Knall!

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