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Herbert Grönemeyer (live, in der SAP Arena, Mannheim) © Boris Korpak

"Dauernd jetzt": mit beeindruckender Präsenz springt, johlt, witzelt und tänzelt sich Vollblut-Entertainer Herbert Grönemeyer in der restlos ausverkauften SAP Arena einmal quer durch sein musikalisches Werk und wirkt dabei so fit wie seine beiden weißen Sneakers.

Es ist stockfinster. Nur das spärliche Licht von sieben Grubenlampen scheint von der Bühne. Die Band steht bereit, eine breite Synthie-Wand türmt sich auf, dann ertönt eine unverwechselbare Stimme: "Unter Tagen / Schwarzes Meer / Stell keine Fragen / Stell Dich her / Ob ich Dich mag / Hat hier kein Gewicht / Wichtig ist / Du ziehst mich ans Licht".

Der letzte Akkord von "Unter Tage" fällt, die Scheinwerfer springen an und ein gut gelaunter Herbert Grönemeyer begrüßt sein Publikum. "Pfingstmontag in Mannheim. Schöner geht's nicht!" Dann schnappt er seine Gitarre und knödelt sich durch die "Wunderbare Leere".

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Ja, das Verständnis leidet nicht nur unter dem höhenlastigen Gitarrensound. Wenn die gesamte Band einsetzt, versteht man kaum ein kluges Wort mehr. Auch Herbie selbst macht es einem mit seiner Eigeninterpretation von Gesang nicht leicht.

Schließlich trägt er nicht umsonst den Spitznamen "Gröhlemeyer". "Was soll das", könnte man meinen. Aber genau dieses Markenzeichen macht den sympathischen Westfalen wiederum einzigartig und dafür lieben ihn die Leute. Eine Stimme der Nation muss nicht singen können. Und niemand presst und drückt so schön die Worte wie Herbert Grönemeyer.

Ein Stück deutsche Musikgeschichte

Verständnisprobleme haben seine vorwiegend älteren Fans sowieso nicht. Lauthals wird fleißig Zeile für Zeile mitgegröhlt. Grönemeyer liefert in einer zweieinhalbstündigen Monstershow die ganze Palette: von den Stücken seines neuen Album "Dauernd Jetzt" bis hin zu den absoluten Klassikern: "Männer", "Bochum", "Was soll das", "Vollmond" oder "Musik nur wenn sie laut ist" sind längst schon festes Kulturgut und verwandeln die Arena in eine feucht-fröhliche 80er/90er-Party.

Doch auch mit den ruhigeren Stücken trifft Grönemeyer mitten ins Herz. Am Rande des in die Arena ragenden Stegs begleitet er sich selbst am Piano. Auf "Neuer Tag" folgt eine jazzige Version von "Flugzeuge im Bauch" und die traumhaft traurige Ballade "Der Weg" berührt jedes mal aufs Neue.

Begleitet wird Grönemeyer wie gewohnt von seiner souveränen Band, mit der er bereits seit über 30 Jahren unterwegs ist und die in Mannheim sozusagen ihr Heimspiel feiert, stammt doch die Hälfte aus der Rhein-Neckar-Region.

Aus der Hüfte

Es gibt ein Sprichwort: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Wie alt muss dann Herbert Grönemeyer sein? Von seiner Energie hat er jedenfalls nichts verloren. Wie in Ekstase hopst, tänzelt und tapst Tanzbär Herbie den Steg auf und ab. "In den Proben trage ich Ballerinas", witzelt er. So viel Selbstironie ist erfrischend und macht aus der Poplegende einen echten Kumpeltypen.

Herbert Grönemeyer liebt, was er tut und er liebt vor allem sein Publikum. Immer wieder winkt er der Menge zu, flitzt von links nach rechts und ist sich selbst für eine "altersgerechte" Crowdsurf-Aktion nicht zu schade. Der 59-jährige erklärt den Bühnensteg zu seinem Catwalk und präsentiert ausgiebig sein nicht vorhandenes Tanztalent, was ihn nur noch sympathischer macht.

Keine Wünsche offen

Nach dem Deutschrock-Brett "Bleibt alles anders" verlässt Herbert Grönemeyer zum ersten Mal unter tosendem Applaus die Bühne, nur um für weitere drei lange Zugabeblöcke zurückzukehren. So ein Monster an Show hätten wir ihm ehrlich gesagt nicht zugetraut. Fazit des Abends: Herbie ist fit wie eh und je! Man ist eben wirklich nur so alt, wie man sich fühlt.

Setliste

Unter Tage / Wunderbare Leere / Fang mich an / Unser Land / Uniform / Bochum / Schiffsverkehr / Ein Stück vom Himmel / Männer / Was soll das / Vollmond / Neuer Tag / Flugzeuge im Bauch / Der Weg  / Roter Mond / Fisch am Netz / Musik nur wenn sie laut ist / Mensch / Alkohol / Bleibt alles anders // Morgen / Dreh mich um dich / Zeit, dass sich was dreht // Land unter / Demo (Letzter Tag) // Halt mich / Feuerlicht / Fang mich an (Hoopieshnoopie Remix)

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herbert grönemeyer

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