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Casper (live beim Southside Festival 2014) © Achim Casper

Wenn der Putz von der Decke fällt und der Strom nicht nur ein, sondern dreimal ausfällt: dann ist wohl Casper Schuld. Für seine Warmup-Show-Reihe machte der Rapper für ein kostenloses und streng limitiertes Konzert Halt in Dortmund.

Bevor es im Sommer auf große Castival-Tour geht hat sich Rapper Casper für seine Fans etwas Besonderes ausgedacht: Sechs Geheimkonzerte, verteilt in ganz Deutschland. Geheim war jedoch nur der Ort der Bändchenübergabe und der Veranstaltung, denn wann und wo ein Konzert stattfinden sollte, kündigte der Rapper vergangene Woche auf seiner Homepage an. 

Eine der sechs Warmup-Shows fand im Daddy Blatzheim statt, mitten im Dortmunder Westfalenpark gelegen – natürlich streng geheim, kostenlos und limitiert. Wer jedoch den Ort erst nach der Bekanntgabe erreichte, hatte keine Chance mehr auf die ca. 350 Bändchen, die vor Ort ausgegeben wurden. Binnen 10 Minuten waren alle Plätze für die Show verteilt.

Casper auf Tuchfühlung

Für die Warmup-Show hat sich Casper DJ Drunken Masters ins Boot geholt. Der eröffnet die Show mit einem Intro, bevor der Rapper Sekunden später die Bühne betritt und einen Mix von "Jambalaya" anstimmt. Die Stimmung in dem kleinen Club ist schon ab der ersten Sekunde auf dem Höhepunkt. Vor allem ist der Club so klein, dass es sich Casper nicht nehmen lässt, ständig auf Tuchfühlung mit den Fans zu gehen. Entweder hängt er sich über die Besucher, singt sie direkt an, verteilt hier und da mal einen Handschlag oder hüpft auch mal komplett ins Publikum. 

Wer sich den Casper von 2008 zurückwünscht kommt hier voll auf seine Kosten. Nur mit DJ und Mikro rappt er Songs, die es bisher nicht auf die Setlisten seiner großen Arena-Shows geschafft haben. Als wäre die Stimmung nicht schon explosiv genug, feuert der Rapper das Publikum noch mehr an. Bei "Karate" bricht er den Song zweimal ab. "Ne Dortmund, da geht noch mehr. Ich will euch alle ausrasten sehen und vorher machen wir nicht weiter". Wer nicht Moshpit-tauglich ist, sollte sich bei Casper-Shows an den Rand stellen, manch einer musste rausgezogen werden.

Stromausfall!

"Leute, ich weiß wie viele traurig sind, dass die Clubs nur so klein sind aber aus dem Grund lasst uns heute feiern und alles um uns herum vergessen und schaut mich bitte einmal nicht an wie ein Tier aus dem Zoo", ruft er in die Menge und stimmt den Remix "Cas in Paris" an. Nicht nur spielt der Rapper alte und gar noch nie gespielte Songs, er freestylt auch. Das ist etwas, das man auf den großen Konzerten selten zu sehen bekommt, die komplett durchgeplant sind. Dabei darf auch ein Haftbefehl-Cover von "Lasst die Affen aus'm Zoo" nicht fehlen. Als besonderes Leckerli präsentiert Casper auch den neuen Song "Lordlevel", der bei den Warmup-Shows zum ersten Mal das Licht der Bühne erblickt.

Dass die Clubshow alles andere als durchgeplant ist, zeigen kleine technische Fehler und ein Stromausfall, der die Show fast frühzeitig beendet. Kurz vor "Hinterland" wird es im kompletten Laden dunkel und die Musik reißt ab – der Strom ist weg. Zwar stehen Casper samt Crew ratlos auf der Bühne, doch feiern die Fans einfach weiter und stimmen kurzerhand selbst "Hinterland" an. Ohne Mikro stimmt Casper sofort in den Song mit ein. Wem solch ein technischer Fehler schon zum Verhängnis wurde, kann sich von dem Rapper noch einiges abschauen.

Akustik-Rap auf neuem Niveau

400 Leute, die zusammen Hinterland singen unterstützt von einem Casper, der wahrscheinlich noch nie so laut in seinem Leben schreien musste: das ist Akustik-Rap auf neuem Niveau! Als der Strom wieder da ist, dankt er es den Fans mit dem gewünschten Song "Casper Bumaye". "Wir haben nur einen ganz alten Sampler auf dem Laptop aber weil ihr die Situation so gut gemeistert habt, machen wir 'ne Ausnahme und spielen euch den Song". So brachial wie der Song startet, so plötzlich endet er: Stromausfall. Erneut. 

Zwar stimmen die Fans wieder neue Songs an, doch nutzt der Rapper diesmal die Gunst der Stunde um sich bei allen Anwesenden fürs Kommen zu bedanken. Das Erlebnis wäre noch rührender gewesen, wenn manche nicht ständig durch respektloses Reinrufen genervt hätten. "Dortmund wir versuchen's noch einmal, wenn nicht müssen wir ohne einen letzten Song abbrechen. Hier stehen grad zehn Menschen hinter der Bühne, die versuchen den Strom wieder zum Laufen zu bringen", erklärt Casper. Grund für den Stromausfall ist, dass es in den kleinen Raum nicht nur zu heiß ist, sondern mittlerweile auch zu nass geworden ist. 

Abend in Ekstase

Doch hat nicht nur die Anlage des Clubs darunter zu leiden, sondern auch im Café einen Stock tiefer fällt der Putz von der Decke! Besser kann ein Konzert kaum laufen! Zum Glück geht der Strom nach einigen Minuten wieder und Casper kann sein Set mit "Im Ascheregen" grandios beenden und lässt dabei verschwitze glückliche Menschen zurück.

Die Songs in neuem Gewand zu sehen, nur mit DJ-Set ist eine ganz andere Erfahrung als die Live-Shows mit Band. Wer den alten Casper von 2008 feiert, für den war es genau das Richtige. Für alle anderen war es ein unvergesslicher Abend in Ekstase.

Setlist

Jambalaya // Halbe Mille // Auf und Davon // Karate // Cas In Paris // Mittelfinger hoch // Nie genug // Die letzte Gang der Stadt // Alles endet (aber nie die Musik) // So Perfekt // Lasst die Affen aus'm Zoo (Haftbefehl-Cover) // Lordlevel // Casper Bumaye // Hinterland // Im Ascheregen

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