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Blind Guardian (live in Offenbach, 2015) © Torsten Reitz

Immer wenn Blind Guardian eine Tournee ankündigen, geht ein Raunen durch die hiesige Metal-Gemeinde. Die Krefelder Band ist seit über einem Vierteljahrhundert eine echte Institution. Vor ausverkauftem Haus präsentiert sich die Combo in der Offenbacher Stadthalle in Bestform.

Es ist gerade einmal zwei Monate her, dass "Beyond The Red Mirror", der bombastische zehnte Longplayer von Blind Guardian, die Top 5 der deutschen Album-Charts unsicher gemacht hat.  Dementsprechend groß sind die Erwartungen an eine Band, die live eigentlich selten enttäuscht, als sie in der altehrwürdigen Stadthalle Offenbach aufschlägt.

Verwaiste Vorband

Zunächst heizt die israelische Gruppe Orphaned Land den bereits anwesenden Zuschauern eine knappe Dreiviertelstunde lang ein. Bereits die ersten Noten des Intros signalisieren die Verbindung zu ihrer Heimat. Mit ihrer komplexen Mischung aus Metal und Folk mit exotischen Elementen und orientalischen Skalen ziehen die fünf Jungs das Publikum schnell auf ihre Seite.

Eine leichtbekleidete Tänzerin tut ihr Übriges, um die Männerwelt restlos zu überzeugen. Nach ihrem gelungenen Auftritt lassen es sich Orphaned Land auch nicht nehmen, eifrig Autogramme im Foyer zu verteilen.

Ausgewogenes Programm

Während der ungefähr halbstündigen Umbauphase füllt sich die noch etwas leere Halle so langsam. Als dann die Lichter ausgehen und Blind Guardian schließlich die Bühne betreten, ist sie zum Bersten gefüllt. Die Mannen um Sänger Hansi Kürsch beginnen mit “The Ninth Wave“, dem epischen Opener der neuen Platte, bevor den begeisterten Zuschauern mit “Banish From Sanctuary“ und “Nightfall“ gleich zwei Klassiker am Stück serviert werden.

Im Großen und Ganzen hat sich die Gruppe für diese Tour eine ausgewogene Setlist zurechtgelegt. Gut die Hälfte der insgesamt 17 Songs stammt von den letzten drei Longplayern mit Schlagzeuger Frederik Ehmke. Der Rest besteht ausnahmslos aus Stücken der ersten sechs Studioalben, die noch mit dem früheren Drummer Thomen Stauch aufgenommen wurden. Das Publikum freut es jedenfalls, denn diese älteren Lieder genießen allesamt Kultstatus bei den Fans.

Volle Kraft voraus

Blind Guardian zeigen sich in Offenbach von Anfang an spielfreudig, und die Zuschauer danken es ihnen mit tosendem Beifall und lautstarken Gesängen. Gerade dieses Wechselspiel zwischen Band und Publikum zeichnet die Bühnenshows der Gruppe schon seit Jahren aus. Erwartungsgemäß sind es dann auch “Valhalla“, der Rausschmeißer “Mirror Mirror“ und der Live-Klassiker von Kürsch und seinen Mitstreitern schlechthin, “The Bard’s Song (In The Forest)“, die den größten Applaus und die meiste Resonanz auf den Rängen erzeugen.

Überhaupt sollte man die Songs von Blind Guardian einmal hautnah erlebt haben, klingen sie doch live wesentlich kraftvoller und energiegeladener als auf den gelegentlich etwas sterilen und zu zahnlosen Studioproduktionen der Krefelder. Gute Beispiele für die Bühnenpower der Band sind das 2003 erschienene Live-Doppelalbum und die im gleichen Jahr aufgenommene DVD "Imaginations Through The Looking Glass". Am besten ist und bleibt es aber natürlich, sich die Gruppe auf einem hervorragenden Konzert wie dem in Offenbach selbst anzuhören.

Zukunftspläne

Generell gibt es am Gig in der Stadthalle nur wenig auszusetzen. Blind Guardian beweisen, dass sie gerade vor Zuschauern weiterhin zu den ganz Großen ihrer Zunft gehören. Der Sound in der Halle gibt keinerlei Anlass zur Beanstandung, die intensive Lichtshow unterstützt die von der Musik erzeugte Stimmung grandios.

Frontmann Kürsch kündigt während des Auftritts außerdem an, dass sämtliche Konzerte dieser Tournee für eine neue Live-Platte aufgezeichnet werden. Mit einer tollen Leistung der Jungs auf der Bühne und einem gut aufgelegten Publikum ist der Abend in Offenbach auf jeden Fall ein ganz heißer Kandidat, mit dem einen oder anderen Stück auf der Scheibe aufzutauchen.

Setlist

The Ninth Wave / Banish From Sanctuary / Nightfall / Fly / Tanelord (Into The Void) / Prophecies / The Script For My Requiem / Miracle Machine / Lord Of The Rings / The Last Candle / And The Story Ends // Sacred Worlds / Twilight Of The Gods / Valhalla // Wheel Of Time / The Bard’s Song (In The Forest) / Mirror Mirror

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