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Time Warp (Mannheim, 2015) © Johannes Kraemer

Die Macher der Time Warp in Mannheim setzen im Jahr 2015 das bewährte Konzept des Vorjahres fort - mit kleinen Verbesserungen im Timetable. Nur einmal erweist sich der Ansturm der Besucher als zu groß.

Beim Betreten der beiden großen Floors 1 und 2 der Time Warp 2015 in der Mannheimer Maimarkthalle fällt sofort auf, dass das Konzept des Vorjahrs nahtlos weitergeführt wird.

Bewährtes und neue Trends

Floor 1 bietet eine gigantische Lasershow mit einer kleinen Weiterentwicklung des Lichtkonzepts, durch das der Floor 1 zeitweise eine sehr gelungene Tunnelblickoptik erhält. Floor 2 besticht wieder als beleuchtete Grotte mit Netzen an der Decke.

Bei den Accessoires der Tänzer und Tänzerinnen springen wie 2014 die zahlreichen Guy Fawkes Masken an den Hinterköpfen ins Auge. Neu sind dagegen bei den Klamotten Kapuzenjacken mit blinkendem Saum in Neonfarben. Bei der Technik entwickelt sich der Trend vom Smartphone hin zum größeren Mini-Tablet, um damit die Shows der DJs mitzuschneiden.

Feiern mit Monika Kruse

2014 haben die Organisatoren der Time Warp den Fehler begangen, Monika Kruse vom großen Floor 2 auf den kleinen Floor 5 zu versetzen. Das Ergebnis waren zu wenige Besucher auf Floor 2, während der wesentliche kleinere Floor 5 komplett überrannt wurde. 2015 haben sie diese Entscheidung wieder rückgängig gemacht.

Diese Maßnahme lohnt sich. Monika Kruse ist das Highlight vor Mitternacht und versammelt die meisten Fans um sich. Mit ihren harten Beats und dem geradlinigen Sound bringt sie den gesamten Floor 2 zum Feiern. Fast genauso viele Tanzfans versammelt ab 22 Uhr Felix Kröcher auf dem Floor 1. Speziell bei seinem Auftritt kommt die oben erwähnte Tunnelblickoptik zum Einsatz. Mit seinen genialen Beats fesselt er zusammen mit Monika Kruse so viele Besucher, dass der Außenbereich 2015 sehr überschaubar bleibt. 

Der dritte gut besuchte Bereich ist Floor 4. Dort legt Steffen Deux auf, der Resident DJ des Loft Clubs in Ludwigshafen. Es ist der gute Auftakt für eine grandiose Dauerbeschallung auf Floor 4, der dadurch zum heißesten Floor der Time Warp 2015 avanciert. Weniger inspirierend und daher kaum gefragt sind dagegen die Auftritte der Bunten Bummler auf Floor 5 sowie von Sedee auf Floor 3. 

Das visuelle Highlight

Während Rødhåd und Paco Osuna den Floor 1 nur mäßig füllen können, wird auf Floor 2 das Set für Dubfire aufgebaut. Das Live Hybrid wird zum visuellen Highlight des Events. Dubfire steht hinter einem Schirm und feuert eine Mischung aus harten Beats, rasselndem Sound und Live-Band-Elementen auf den Floor. Im Hintergrund läuft eine perfekt auf den Sound abgestimmte Videoanimation, bei der sich unter anderem kraftvolle Arme durch ein Feld aus Energie bewegen. Lediglich der Schluss der Show kommt unvermittelt für die Tänzer, wodurch Dubfire der Show die Krönung raubt.

Währenddessen tut sich auf Floor 5 weiter wenig. Da helfen weder Timo Maas noch Sterac AKA Steve Rachmad. Im Gegensatz dazu bleibt Floor 6 gut gefüllt. Dort feuert AKA AKA feat. Thalstroem seine Salven ab. Magda setzt inzwischen mit krachenden Beats auf Floor 4 den Auftakt von Steffen Deux fort. Auch hier ist es rappelvoll und es wird getanzt, bis die Sohlen qualmen.

Ansturm auf Carl Cox

Die beiden größten Namen sind wie schon häufig Sven Väth und Carl Cox. Als Carl Cox um 2 Uhr ans Pult tritt, kommt es zum Run auf Floor 1. Doch hier versagt die Planung des Timetable ein einziges Mal in dieser Nacht. Durch den gesperrten Zugang über Floor 3 ins Hauptgebäude sammelt sich eine riesige Menschentraube vor dem Haupteingang. Alle wollen zu Carl Cox.

Während Floor 1 aus allen Nähten platzt und der Zugang nur in kleinen Gruppen erfolgen kann, hat Floor 2 nicht genügend Anziehungskraft. Der etwas einschläfernde Sound von Ilario Alicante zieht nicht genug Besucher, um die Besucherzahl auf beiden Floors im Gleichgewicht zu halten.

Beste Stimmung bei Sven Väth

Carl Cox gibt indessen Vollgas (Oh Yes, Oh Yes), aber sein Sound wirkt zu Beginn nicht so fesselnd wie 2014. Es ist am Anfang alles sehr gleichmäßig, es fehlen die Soundspitzen zum Hochtanzen. Spitze ist am Anfang nur die bombastische Lasershow. Erst am Ende gelingt es Carl Cox mit einem Mega-Outro, das Niveau von 2014 zu erreichen.   

Um 3 Uhr erweckt Sven Väth die Tänzer auf Floor 2 aus ihrem Halbschlaftanz. Mit präzisen Schlägen im Stil eines Robotik-Sounds beginnt er seine Show und geht später über zu wuchtigem, aber gleichzeitig spährischem Sound. Sein Floor 2 bleibt über volle vier Stunden sehr gut gefüllt und die Stimmung ist bestens. 

Der heiße Floor 4

Kein Floor wird über die gesamte Spielzeit so genial befeuert wie Floor 4. Nach Steffen Deux und Magda treten Tale Of Us ans Pult. Ihr stimmungsvoller, düsterer Housesound erzählt wahre Geschichten und klingt häufig, als ob der Wind durch einen Kristallleuchter weht. Fließend ist der Übergang zum besten DJ des Events.

Denn nach Tale Of Us übernimmt Dixon. Der Berliner DJ feuert derartige Soundsalven ab, dass kein Tänzer auf dem prallvollen Floor 4 widerstehen kann. Dixon bietet eine Megashow mit roten Lasern und einer gewaltigen Lichtbefeuerung. Getragen wird alles von einem Housesound, der permanente Soundspitzen zum Hochtanzen anfeuert. Mit so einer Performance empfiehlt man sich für die großen Floors. Die Fangemeinde von Dixon ist nach diesem Auftritt mit Sicherheit deutlich gewachsen.  

Auch Jamie Jones zeigt anschließend mit brettharten Schlägen, wo die Hütte bei diesem Event richtig brennt. Den Abschluss bilden dann Seth Troxler & The Martinez Brothers.

Ab- und Austanzen

Mit dem Sonnenaufgang verändert sich die Mischung der Sounds. Auf Floor 3 hämmert nach Luciano, der wie 2014 hart abgeliefert hat, nun Loco Dice seine Beats durch die offenen Floortüren nach draußen. Dort tanzen sogar die mobilen Zigarettenverkäufer zu seinen Beats. Auf Floor 1 scheint es Pan-Pot darauf anzulegen, die Eingeweide seiner Tänzer mit gewaltigen Vibrationen durchzuschütteln. Hart wurde es auch auf Floor 5. Dort hat Karotte erstmals Leben reingebracht und zum Abschluss feuert Laurent Garnier so hart, dass der Schweiß von der Decke tropft. 

Ruhiger wird es dagegen auf Floor 6. Monkey Safari bieten sanfte Beats zum Runtertanzen nach der harten Nacht. Vergleichbar entspannt betreten Audion nach Sven Väth den Floor 2 und bieten mit ihrer farbenfrohen Lichtshow einen Sphärensound, der einfach gut zum Runterkommen geeignet ist. So können die Partygänger der Nacht langsam entspannen, während die Neuankömmlinge mit den Early Morning Tickets noch jede Menge Partypower abbekommen.

An der Time Warp 2015 kann man wenig kritisieren. Der Sound ist wie gewohnt spitze, die visuelle Umsetzung der Floors auf Top-Niveau. Lediglich bei der Steuerung der Massen zu den Topacts besteht noch etwas Verbesserungsbedarf.

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