Paul Simon & Sting (Pressefoto, 2014)

Paul Simon & Sting (Pressefoto, 2014) © Mark Seliger

Wenn sich zwei Giganten der Musikgeschichte wie Paul Simon und Sting zusammentun, um gemeinsam auf Tour zu gehen, sind die Erwartungen der Fans entsprechend groß. In Kombination mit den rund 20 Musikern dahinter entstehen einige ganz besondere Momente.

Der Beginn des Konzerts gleicht dem Einmarsch der Gladiatoren. Nachdem sich hinten die Musiker beider Künstler versammelt und gemeinsam formiert haben, erscheinen die beiden Protagonisten des Abends. Sting betritt die Bühne von links, Paul Simon von rechts.

Gemeinsame Momente

Der Opener "Brand New Day" ist ein Musterbeispiel für die Gestaltung des Konzerts. Vorne setzen Paul Simon und Sting die stimmlichen Akzente, während die Musiker hinten in immer neuen Kombinationen und mit unterschiedlichen Instrumenten für die besonderen Soundmomente sorgen. Bei "Brand New Day" sind das Mundharmonika und Bläser.

Nachdem dem Opening mit fünf Titeln gibt es bis zur Zugabe allerdings nur noch drei gemeinsame Songs, die jeweils für den Übergang in einzelne Soloparts genutzt werden. Während "Mrs. Robinson" diesmal als leichte Up-Tempo Version mit Blues-Gitarre performt wird, ist "Fragile" am Ende ebenso berührend wie "The Boxer". Es sind eben diese gemeinsamen Songs, die den Abend so speziell machen.

Sting rockt Solo

In den Soloteilen beherrscht Sting ganz klar die Fangemeinde in der Halle. Schon bei "So Lonely" singt das Publikum das "No, No, No" aus vollem Hals mit, während hinten ein Musiker jeden machbaren Ton aus einer Riesentuba herausquetscht. Der Keyboarder begeistert die Zuschauer mit seinem Fingerspiel bei "When The World Is Running Down ...", bevor die Halle das erste Mal komplett ausrastet. Der "Englishman In New York" hat nichts von seiner Faszination eingebüßt. Im Innenraum stehen die Zuschauer komplett und der Refrain "Be Yourself No Matter What They Say" wird in Endlosschleife mitgesungen.

Auch der zweite Solopart nach "Fragile" wird zur Partyzone, als Sting aus dem solo performten Simon & Garfunkel-Cover von "America" direkt zu "Message In A Bottle" übergeht. Wieder steht die ganze Halle und feiert Sting frenetisch ab. Nachdem bei "The Hounds Of Winter" die Backgroundsängerin ihr ganzes stimmliches Können herausschmettert, kommt es dann zur nächsten Feierparade. Aus "Roxanne" heraus vermischt er den Song mit dem Klassiker "Ain't No Sunshine" von Bill Withers. Der Block endet mit Standing Ovations für einen grandios singenden Sting und seinem Solohit "Desert Rose".

Starke Konkurrenz für Paul Simon

Wenn Paul Simon seine Solohits performt, ist die Stimmung in der Halle deutlich anders. Das Publikum hört gebannt zu und spendet viel Applaus. Aber es ist nicht die gleiche frenetische Stimmung wie bei Sting. So braucht Paul Simon im ersten Solopart zwei Songs, um richtig in Fahrt zu kommen. Nach "Dazzling Blue" ist es vor allem der Song "Graceland", bei dem die Halle richtig mitgeht und sogar zwei Damen im Oberrang in Tanzekstase bringt. Mit "Me And Julio Down By The Schoolyard" dreht er am Ende seines ersten Soloparts nochmal richtig auf.

Aber insgesamt gelingt es Paul Simon in seinen Soloparts zu selten, das Publikum richtig einzufangen und abgehen zu lassen, auch weil sich seine häufig nachdenkliche Musik dafür nicht immer eignet. Im zweiten Solopart ist "Hearts and Bones" der erste Song mit richtig Pep. Aber der echte Zünder, den er fürs Publikum gebraucht hat, liefert Paul Simon erst unmittelbar vor der Zugabe beim letzten Solotitel "You Can Call Me Al". Damit bringt er die komplette Halle zum Stehen.

Die emotionale Zugabe

Die letzten vier Songs liefern dann die gemeinsamen emotionalen Highlights, die sich viele häufiger gewünscht hätten. In Weltklassemanier rocken Sting und Paul Simon gemeinsam erst "Cecilia". Dann explodiert die Halle bei "Every Breath You Take" und schließlich wird die Stimmung ganz rührselig, als beide zusammen zu "Bridge Over Troubled Water" ansetzen.

Am Ende verabschieden beide ihre grandiose Musikercrew und spielen mit Gitarre noch den Klassiker "When Will I Be Loved" von den Everly Brothers. Zum Abschluss verbeugen sich beide Arm in Arm vor ihrem Publikum, das sie mit Standing Ovations verabschiedet.

Mehr Duette gewünscht

Am Ende des Konzerts bleibt die Frage, warum beide so verhältnismäßig wenig Duette performt haben. Genau diese neue Kombination hat den Reiz dieses Konzerts ausgemacht und für die besonderen emotionalen Highlights gesorgt.

Im Duett ist Paul Simon auch wesentlich stärker wie als Soloperformer. Das gilt sowohl für seine Arbeit mit Art Garfunkel wie auch für seine Performance mit Sting. In den Soloparts hat Sting die Halle klar beherrscht. Die These des Rolling Stone, dass beide jetzt gemeinsam auftreten, weil sie als Solokünstler große Hallen nicht mehr füllen könnten, kann man insbesondere für Sting nach diesem Auftritt mit guten Gründen bezweifeln

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