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Slime (live in Hamburg, 2014) © www.jakobboerner.com

Mit einem mächtigen Konzert wecken Slime in der Hamburger Fabrik nicht nur Erinnerungen, sondern auch Aufbruchstimmung.

Dass Slime auf diesen Abend hin gefiebert haben, ist schon klar, bevor sie den ersten Ton spielen. Mit breitem Grinsen betreten sie die Bühne, begrüßen per Handschlag zahlreiche Kumpels und Kollegen im Publikum.

Slime in Hamburg – das ist ein Heimspiel mit entsprechender Atmosphäre. Seit Wochen ist die Fabrik ausverkauft. Schon kurz nach Türöffnung ist die Halle proppevoll. Und der Bierverkauf erreicht an diesem Abend eine neue Rekordmarke.

Klassiker und Überraschungen

Für das "Klassentreffen in Altona", wie Sänger Dirk Jora es nennt, hat sich Deutschlands wichtigste Punkband einige Überraschungen ausgedacht. Los geht’s mit dem unverwüstlichen "Ab jetzt gewinnen immer wir".

Doch für den heutigen Abend hat die Band auch ganz tief im Song-Archiv gekramt. "Robot Age", "We don´t need the army" und "We don´t give a fuck" wurden zuletzt 1983 live gespielt. Auch "D.I.S.C.O." ist lange nicht mehr auf der Bühne gewesen und sorgt für feuchte Augen.

Nie besser als heute

Überhaupt bleiben keine Wünsche offen. In rauschhaften 120 Minuten spielen Slime Songs aus ihrer gesamten Schaffensphase. "Alle gegen alle", "Alptraum", "Schweineherbst", "Brüllen, zertrümmern und weg", "Deutschland" – fast hatte man vergessen, wie viele Patronen Slime im Lauf haben.

Auch die Stücke des letzten Albums "Sich fügen heißt lügen" reihen sich nahtlos ein. Vor allem das Titelstück und das famose "Wir geben nicht nach2 beweisen, dass Slime musikalisch nie besser waren als heute. Es ist bemerkenswert, wie tight und mächtig diese Band im Jahr 2014 klingt.

Beharrlichkeit und Aufbruch

Und welche Wirkung all diese Songs haben: Bis in die letzte Reihe werden die Hände in die Luft gereckt, wird jede Zeile lauthals mitgebrüllt. Es regnet Bierduschen. Der Schweiß tropft von der Decke. Es etsteht eine kollektive Kraft, die greifbar ist. Hier passiert was.

Vielleicht ist es ja genau das, was Slime auch im 35. Jahr ihres Bestehens noch so relevant macht: Die Fähigkeit, Kräfte zu bündeln. Die Fähigkeit vorzuleben, wie man kompromisslos seinen Weg geht, ohne sich zu verbiegen. Wie man würdevoll durchs Leben schreitet, ohne seinen Frieden mit dem Feind zu machen. Wie man sich immer wieder wehrt und einmischt, bis man hat, was einem zusteht. Wie man in Zeiten allgemeinen Relativierungswahns und "Ich weiß nicht recht"-Mentalität einfach mal Klartext spricht und Stellung bezieht. Das ist erfrischend und inspirierend. Und so wichtig.

Um kurz nach Mitternacht trete in Altona rund 1000 Punks aus der Fabrik auf die Straße. In der einen Hand ein Bier, die andere zur Faust geballt. Und alles fühlt sich nach Aufbruch an.  

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