© Konstanze Habermann

Rauchende Colts, bissige Vampire und ein Hauch von Las Vegas: Im aus den Nähten platzenden Berliner Kesselhaus feiert Bela B den krönenden Abschluss seiner zweiten "Bye"-Tour in diesem Jahr.

Wenn gestandene Bandmitglieder von übergroßen Bands auf Soloreisen gehen, dann sind die Erwartungen immer besonders hoch. So auch im Fall von Bela B, seines Zeichens Stehschlagzeuger der inoffiziell "besten Band der Welt", Die Ärzte. Der feierte nämlich am gestrigen Abend im Berliner Kesselhaus das letzte Konzert seiner zweiten Club-Tour in diesem Jahr.

Was zählt, ist die Musik

Während vor den Toren des altehrwürdigen ehemaligen Brauerei-Komplexes zahlreiche Glühweinstände und Bratwurst-Buden für vorweihnachtliche Stimmung sorgten, starrten im Innern des Kesselhauses hunderte Neugierige geduldig in Richtung Bühne. Ein großes schwarzes Banner und ein halbes Dutzend Instrumente: Mehr gab’s nicht zu bestaunen.

Was soll man aber auch Unnötiges auffahren, wenn man ein Album wie "Bye" im Gepäck hat? Zu handgemachter Americana-meets-Folk-Kost passen nun mal keine hypermodernen Lichtmaschinen oder sonstiger Bühnen-Firlefanz. Was zählt, ist die Musik, und die steht um kurz nach neun auch unmissverständlich im Vordergrund.

Wie ein aufgeladener Duracell-Hase

Unter tosendem Jubel betritt Bela B, eingehüllt in einen goldig glitzernden Elvis-Zweiteiler, die Bühne und macht es sich zunächst auf einem Hocker gemütlich. Mit der Akustischen auf den Schenkeln mimt er zunächst den zartbesaiteten Alleinunterhalter. Der Saal lauscht andächtig. Vier Minuten später hat das Kammerspiel-Intermezzo aber bereits ein Ende. Gemeinsam mit den mittlerweile auf der Bühne anwesenden Mitgliedern seiner Haus und Hofband Smokestack Lightnin widmet sich der charismatische Spandauer fortan zackigeren Klängen.

So lassen beispielsweise hibbelige Twist-Sounds die Wände der Location wackeln, wenn der Maestro und sein Gefolge der Damenwelt zu Leibe rückt ("Manchmal haben Frauen…"). Mit reichlich Bewegungsdrang und einem Dauerlächeln im Gesicht präsentiert sich der mittlerweile 51-Jährige wie ein aufgeladener Duracell-Hase. Es dauert keine zwei Songs, ehe es die anwesende Anhängerschaft ihm gleichtut. Alles hüpft, alles klatscht, alles johlt.

Erinnerungen an June Carter & Johnny Cash

Die Stimmung erreicht schnell Die Ärzte-Dimensionen. Allerdings lassen den Hauptprotagonisten vereinzelte Forderungen des Publikums nach alten Klassikern seiner Homeband sichtlich kalt. Statt "Geschwisterliebe" und Co schallen Songs wie "Nicht Nice", "Der Vampir mit dem Colt" und "Loverboy" durch die Boxen; allesamt mit reichlich Country- und Folk-Anleihen aufbereitet.

Neben dem markanten Auftreten des Sängers und der spielfreudigen Background-Band sticht vor allem immer wieder das Organ einer im Scheinwerferlicht tänzelnden Blondine heraus. Die Rede ist von Peta Devlin, Belas Duett-Partnerin, die durch ihr beeindruckendes Mitwirken immer wieder Erinnerungen an alte June Carter/Johnny Cash-Zeiten weckt.

Well done, Herr Felsenheimer

Nach einer schweißtreibenden Mischung aus impulsiven Saloon-Klängen und jeder Menge humorvoll vorgetragener Geschichten rund um das Phänomen Bela B, steht am Ende definitiv Folgendes fest: Es mag viele Mitglieder großer Bands geben, die sich im Solo-Modus um Kopf und Kragen singen. Bela B gehört aber nicht dazu. Dem Kerl macht in punkto Entertainment einfach keiner mehr was vor. Well done, Herr Felsenheimer. 

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