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Clueso (live in Hamburg, 2014) © Falk Simon

Neues Album, eigenes Label: Clueso beendet seine Live-Pause und liefert mit seiner Band in der ausverkauften Jahrhunderthalle eine abwechslungsreiche Zweieinhalb-Stunden-Show, die keine Wünsche offen lässt.

Er hat sich im wahrsten Sinne freigedreht. Zwei Jahre lang zog sich Clueso aus der Öffentlichkeit zurück. Keine Interviews, kaum Auftritte. Der Erfurter Singer-Songwriter brauchte nach dem letzten Platin-Album "An und für sich" und der Tour mit Panikrocker Udo Lindenberg endlich wieder Zeit – Zeit für sich und vor allem für seine Musik.

Mit "Stadtrandlichter" ist nun der Nachfolger erschienen. Es ist die erste Platte unter dem eigenen Label "Text und Ton", bei der Clueso erstmals auch als Produzent mitgewirkt hat. Neuland für alle Beteiligten. Kann das gut gehen?

Liebe zum Detail

Zwei Jahre Pause ist eine halbe Ewigkeit im Musikbusiness. Doch das Publikum bleibt Clueso weiterhin treu. Die Jahrhunderthalle in Frankfurt ist restlos ausverkauft, inklusive Verkehrschaos durch verzweifelte Parkplatzsuche. Als hätte mit so einem Ansturm niemand gerechnet.

Es ist ersichtlich, wie viel Herzblut in die gesamte Tour geflossen ist. Das zeigt sich schon beim Betreten der Halle. Am Eingang erhält jeder Besucher den "Stadtrandlichter-Tourbegleiter": ein liebevoll gestaltetes Mini-Magazin mit allerlei Hintergrundinformationen. Clueso will den Abend unvergessen machen und das schafft er auch mit mehr als zweieinhalb Stunden Programm.

Zurück zu den Wurzeln

Egal ob Hits wie "Beinah", "Keinen Zentimeter", "Du bleibst" oder "Gewinner", Songs aus dem neuen Album oder die alten Klassiker wie "Chicago" oder "Bleib hier". Clueso gibt einen ausgiebigen Rundumschlag aus seiner über zehn Jahre umfassenden Künstlerhistorie. "Im nächsten Song sind wir jetzt im Jahr 1992. "Ja, da habe ich schon gelebt", witzelt er.

Selbst die HipHop-Fans kommen auf ihre Kosten. "Viele fragen mich, ey Cluesen, warum rappst'n du nicht mehr? Hast du's nicht drauf? Ich rappe noch immer gerne und hänge mit meinen Homies ab", erzählt er. Zwei davon, darunter Steer MC, holt Clueso für ein Old-School-Rap-Medley auf die Bühne.

Woran merkt man also, dass man alt wird? Wenn man auch Tracks wie "Sonne geht auf" oder die Reggae/Ska-Nummer "Love the people" kennt! Cluesos Publikum ist nicht nur von der Größe her gewachsen. Auch viele Fans der ersten Stunden sind gekommen, um seine Rückkehr auf die Bühne zu feiern.

Anders als gewohnt

Im Grunde ist Clueso ein Singer-Songwriter und will auch so wahrgenommen werden. "Ich hatte einfach keine Lust mehr auf Rap", erzählt er. Mit dem Song "Barfuß" hat sich für ihn die Singer-Songwriterwelt geöffnet, bei dem er sich solo auf der Akustik-Gitarre begleitet. Traumhaft schön und eines der Highlights des Abends.

Ansonsten sorgt seine sechs Mann starke Band für den nötigen Groove. Elektro-Spielereien kommen von Keyboarder Philipp Milner und DJ Malik. Clueso hat alles, was er braucht, um sich musikalisch voll und ganz austoben zu können. Und somit werden auch viele neue Versionen der älteren Songs präsentiert – mal funkig, jazzig, poppig, rockig, elektronisch usw. Nur nie 1:1 wie auf Platte. Die Show ist ein wilder Ritt durch zahlreiche Musikgenres, die gekonnt miteinander kombiniert werden.

Crew love is true love

Clueso überlasst nichts dem Zufall. Seine gesamte Crew ist kein zusammengewürftelter Haufen, sondern ein Kollektiv aus Freunden, Partnern und Bekannten. Da kümmert sich der eine Mitbewohner um die Lichtshow, der andere hilt bei der Organisation.

Wenn Clueso auf Tour geht, geht auch der Zughafen, ein Künstler-Netzwerk und Gebäudekomplex mit Studio, auf Tour. Auch außerhalb der Bühne, hat Clueso alles, was er braucht. Ein eigenes Label ist nur die logische Konsequenz.

Kein Bock zu geh'n

Die Freude, Clueso endlich wieder live zu sehen, ist beim Publikum den gesamten Abend über zu spüren und entlädt sich in Beifallsstürmen und Jubelrufen. Es wird laut mitgesungen und mitgegroovt. "Wow, was für eine Energie, Frankfurt!" Auch Clueso ist überrascht von der Euphorie. Doch die Leute haben allen Grund dazu. 

Das Konzert hat schon eine beachtliche Spiellänge. So richtig Lust zu gehen hat aber niemand. "Ich hab Bock auf mehr", ruft Clueso in die Menge und kehrt gleich zwei Mal auf die Bühne zurück. Im Tourbegleiter heißt es: "Wir haben alle Spaß an dem, was wir tun. Weil wir das Gefühl haben, etwas Einzigartiges für euch erlebbar zu machen. Und weil wir unvergessliche Momente schaffen wollen." Ziel erreicht. 

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