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Midge Ure (live in Darmstadt, 2014) © Stefan Dürr

Frisch aus dem Studio, wo er mit Band-Aid 30 bis in die Nacht an der neuen Version von "Do they know it's Christmas?" gearbeitet hatte, jettete Midge Ure in die ausverkaufte Centralstation nach Darmstadt um seine großen Songs solo und akustisch darzubieten. Und einen weitern begabten Schotten hatte er als Support dabei.

Dass er einen freien Tag in seiner Deutschland-Tournee damit verbringen würde, in London mit der versammelten Pop-Prominenz von Band Aid 30 eine neue Version von "Do they know it's Christmas?" aufzunehmen um dann direkt wieder in die Tour einzusteigen, hatte Midge Ure ursprünglich sicher nicht geplant. Aber wenn an dem einen Abend Bono, Chris Martin & Co auf einen warten und an dem folgenden eine ausverkaufte Darmstädter Centralstation, muss man flexibel reagieren.

Auf den Spuren von Oasis

Pete MacLeod, der mit seiner Debüt-Single "Rolling Stone" im letzten Jahr auf einer Sampler-CD des Rolling Stone-Magazins vertreten war, eröffnet den Abend mit "Let It Shine" von seinem ebenfalls "Rolling Stone" betitelten ersten Album. Mit seiner natürlichen Ehrlichkeit, seinem schottischen Akzent, vor allem jedoch mit seinem überzeugenden Songmaterial hat er die Sympathien des Darmstädter Publikums im Nu erobert.

Im Song "God Speed" hört man deutlich Liam Gallagher als Einfluss heraus. Da MacLeod jedoch das Songwriting-Potential des älteren Gallaghers hat, überrascht es nicht, dass Oasis-Entdecker Alan McGee ihn sofort unter Vertrag nahm. Beim folgenden brandneuen Song "Away" zitiert MacLeod gar Oasis und obwohl er gut solo und akustisch klingt, wünscht man ihm jetzt eine Rockband als Begleitung.

Überzeugend im akustischen Gewand

Midge Ure sieht auch ohne Haare noch 10 Jahre jünger aus als er tatsächlich ist (61) und bringt vom ersten Song an die Präsenz und das Format eines Sängers/Songwriters, der auf eine beachtliche Karriere zurück blicken kann, auf die Bühne. Auch wenn sein aktuelles Album "Fragile" mit seinem Do-it-yourself-Synthiesound nicht überzeugen kann, erweist sich ein neuer Song wie "Breathe" im unplugged-Gewand als feine Nummer. Man wünscht sich, er hätte das ganze Album im akustischen Gewand aufgenommen.

Ebenfalls grandios kommt "Fade To Grey" in der Solofassung daher, wobei hier die Orginalversion natürlich nicht in Frage gestellt wird. Er erwähnt das 25-jährige Jubiläum der Maueröffnung und dass ihn dieses Ereignis seinerzeit zu einem Song ("Tumbling Down") inspiriert hat, den er bewusst stilistisch in den 1930er Jahren angelegt hatte. Auch wenn die Gitarre zu dieser Zeit noch kein zentrales Instrument der Unterhaltungsmusik war, gelingt es ihm diesen Stil auch an diesem Abend spüren umzusetzen.

Klogänger sorgen für running gag

Ein running gag an diesem Abend sind die Zuschauer, die während der Show auf die Toilette gehen und er scherzt bei den Ansagen zu neuen Songs darüber, dass bestimmt gleich wieder einige aufstehen. Und als wollte er sie strafen hängt er fast immer einen Klassiker an die Nummern vom aktuellen Album und freut sich diebisch, wenn die Klogänger dann diesen Hit halb verpassen. Schottischer Humor halt.

Bei "Vienna", aber auch bei einigen anderen Nummern, dreht er im Refrain seinen Kopf zur Seite und singt so nur indirekt ins Mikrofon. Das mag eine Vorsichtsmaßnahme aus Erfahrung oder auch ein Stilelement sein – es hat jedoch zur Folge dass das Klangverhältnis von Gitarre und Stimme in diesen wichtigen Momenten zuungunsten des Gesangs ausfällt.

Wenig Stimmung trotz Hits

Gegen Ende des Konzertes steigt dann aber doch die Hitdichte, so dass sich keiner mehr aus der Halle traut. Richtig aus sich heraus geht das Darmstädter Publikum jedoch auch bei Songs wie "Dancing With Tears In My Eyes" oder dem finalen "If I Was" nicht. Erst als Ure ankündigt das übliche Zugabenritual abzukürzen und anstelle in die Garderobe zu verschwinden einfach am Bühnenrand zu verweilen, werden die Fans laut und fordern eine Zugabe.

Bis dahin herrschte eher eine Atmosphäre wie auf einem Liederabend, auf dem Versuche die Songs mitzusingen oder -klatschen eher mit mißbilligenden Blicken quittiert wurden. Der Qualität der Musik tat das allerdings keinen Abbruch. 

Setlist Pete MacLeod

Let it shine | Give A Little Love | Rolling Stones | God speed | Away | Crestfallen | Today I Went Swimming

Setlist Midge Ure

Waiting days | Dear God | Breathe | Call Of The Wild | Fade To Grey | No Regrets | The Voice | Tumbling Down | Light In Your Eyes | Guns & Arrows | Lament | Man Of The World | Vienna | Become | All Fall Down | Hymn | Dancing With Tears In My Eyes | Loves Great Adventure | If I Was || Cold Cold Heart | Do They Know It's Christmas?

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