© Karsten Jahnke

Sein einziges Deutschlandkonzert führte Jack White in die Alte Oper nach Frankfurt. Dort gab er sich ebenso ernsthaft wie undurchdringlich, schöpfte stark aus seinem Werk mit den White Stripes und legte sich auch mit dem Publikum an.

Die Oper ist bis oben hin gefüllt mit Jack White-Fans, als um sich um Punkt 20 Uhr zwei komplett in Rot gekleidete Frauen mit identischem blonden Bob-Haarschnitt die Bühne betreten und mit ihrer Band in das erste Lied einstimmen.

Lucius nennen sie sich mit ihren zarten Stimmen und Songs, die klingen, als würden sie aus einer anderen Zeit stammen. Als Vorband hat man es bekanntlich schwer, so auch Lucius. Ihre Musik verkörpert das genaue Gegenteil des rockigen Sound von Jack White. Im Verlauf ihres Auftritts ziehen sie aber alle Skeptiker auf ihre Seite.

Allseits respektiertes Handyverbot

Als die Vorband dann von der Bühne verschwunden ist, steigen Spannung und Aufregung im Publikum. Große Blaue Vorhänge werden zugezogen und die Bühne verschwindet dahinter. Das Publikum wird immer ungeduldiger, jubelt, klatscht. Der ganze Raum wird in ein Lazaretto-Blau getaucht, der Nebel steigt langsam auch in die Emporen des Opernsaals.

Ein an einen Zirkusdompteur erinnernder Herr im Anzug mit markantem Bart tritt neben dem Vorhang hervor. Er bittet darum, dass die Handys und Kameras doch bitte in der Tasche bleiben sollten. Schließlich sei die Bühne und das Konzert riesig und nicht so klein wie ein Handydisplay. Recht hat er. Und während des gesamten Konzerts passiert etwas, was so sonst wohl nur noch selten bis gar nicht vorkommt. Kein einziges Smartphone richtet sich auf die Bühne. Alle respektieren den Wunsch des Künstlers.

Undefinierbare Laune

Es dauert noch einen kurzen Moment, dann öffnet sich der Vorhang. Jacks Band steht bereits auf der Bühne und stimmt das erste Lied ein. Als dann auch Jack White die Bühne betritt, toben die Massen, keiner ist mehr zu halten. Er spielt einige Songs seines neuen Albums "Lazaretto" wie unter anderem den gleichnamigen Song und das Instrumental-Stück "High Ball Stepper".

Auffällig ist, wie stark White Stripes-Songs in der Setlist vertreten sind: Neben "Icky Thumb" zum Auftakt finden auch "Dead Leaves and the Dirty Ground", "Cannon", "Sugar Never Tasted So Good", "I'm Slowly Turning Into You" und andere ihren Platz. Dagegen gibt es nur einen Raconteurs-Song, dafür Cover von Howlin' Wolf ("I Asked for Water (She Gave Me Gasoline)" und Gene Vincent ("Baby Blue").

Die Laune von Jack White ist durchweg etwas undefinierbar. Er verzieht keine Miene und zeigt, wer hier der Herr am Instrument ist. Auf eine überlange Pause bei einem seiner Songs werden die Fans ungeduldig. Jemand ruft ihm ein “Go on!” zu. Jack bleibt stehen. Keiner auf der Bühne bewegt sich. Er nimmt sich seine Zeit und erwidert dann “Shut up motherfuckers. This is my fucking song not yours” Man kann nur spekulieren, ob er im Inneren lacht oder es ernst meint.

In blauer Melancholie versunken

Das komplette Konzert lang bleibt der Raum und die Bühne im gleichen Blauton getaucht. Man fühlt sich schon fast wie in Trance, während Jack White seine Gitarrensoli spielt. Das Publikum äußert seine Begeisterung in langanhaltendem Applaus.

Nach einem fast neunzigminütigen Konzert verschwindet die Band hinter der Bühne, um dann für einige ausgiebige Zugabe zurückzukehren. Jack White spielt dann auch den Song, den die meisten Zuschauer vorher vermisst haben dürften: "Seven Nation Army". Die ganze Halle tobt, springt und gröhlt mit. Es ist ein gelungener Abschluss des Konzerts eines Musikers, der seine Kunst über alle Maßen ernst nimmt.

Setlist

Icky Thump | High Ball Stepper | Lazaretto | Dead Leaves and the Dirty Ground | Temporary Ground | Alone in My Home | Baby Blue | Cannon | I Asked for Water (She Gave Me Gasoline) | Just One Drink | Three Women | Sugar Never Tasted So Good | Entitlement | Weep Themselves to Sleep | Ball and Biscuit || Hello Operator | Top Yourself | I'm Slowly Turning Into You |  Love Interruption | Missing Pieces | Seven Nation Army

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