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Cro (live bei Rock am Ring, 2014) © Tom Teubner

Wenn rund 11.000 Menschen in die Maimarkthalle in Mannheim strömen, um einen rappenden Pandabären zu bejubeln, kann das nur einen Grund haben: Cro ist wieder auf Tour. Und der liefert mit seiner Band und seinen Gästen Teesy und Dajuan eine knallbunte Rap-Pop-Show für Alt und ganz, ganz Jung.

Carlo Waibel, alias Cro, zählt zu den erfolgreichsten Rappern der Republik. 2011 katapultierte ihn sein Track "Easy" direkt in die Charts und damit direkt in die Herzen sehr, sehr vieler Teenies. Die lockerleichten Beats und Samples von bereits bekannten Nummern, gepaart mit der "alles ist so perfekt"-Attitüde machten den Rapper mit der Pandamaske zum Durchstarter des Jahres.

Mittlerweile ist Cros zweites Album "Melodie" erschienen. Viel geändert hat sich nicht. Textlich geht es wieder größtenteils um irgendein Girl. Aber solange die Radiosender die Songs weiterhin rauf und runter spielen und die Chart-Tore sperrangelweit offen stehen, wird das auch so bleiben. Never change a winning team. Cro hat seine Zielgruppe von Anfang an bereits gefunden und liefert dazu optimal zugeschnittenes Material. 

Für die ganz Kleinen

Auf das Alter bezogen, gibt es bei Cro wohl vor allem nach unten keine Grenze. Deswegen sind die Rahmenbedingungen beim Konzert in der Mannheimer Maimarkthalle zugunsten seiner Teenie-Fans und derer, die es noch werden wollen, angepasst. Wo bei anderen zunächst der Support auf der Bühne steht, legt Cro am frühen Abend bereits mit dem Opener "I Can Feel It" und "Hi Kids" los – und das mit einer amtlichen Spielzeit von fast zwei Stunden. Das sind über 20 Songs.

Wie jung das Publikum teilweise wirklich ist, wird beim Blick auf die großen Leinwände an den Seiten sichtbar. Wenn die Kamera in die Menge schwenkt, reiht sich vor der Bühne ein Kinderkopf an den anderen. Manche können gerade so über den Wellenbrecher schauen. Die zugehörigen Eltern sowie der etwas ältere Publikumsanteil haben sich in den hinteren Teil der Halle zurückgezogen. 

Nur das Nötigste

Live wird Cro von seiner Gang, ähh Band, unterstützt. Auf einem riesigen DJ-Pult thront Psaiko.Dino, der die Samples abfeuert und zusätzlich als Backup fungiert. Das Pult wird auch als Leinwand genutzt, auf der Video-Clips und Visuals ablaufen. An den Seiten stehen Flo König am Schlagzeug und Tim Schwerdter wahlweise an der Gitarre, am Bass oder am Keyboard. Das Quartett zusammen mit Pandachef Cro ist ein eingespieltes Team, die Songs klingen wie auf Platte.

Die weiteren Showelemente sind Standard: die Lichtshow ist aufwendig, aber nicht spektakulär, das Stagedesign besteht aus buntleuchtenden LED-Leisten, die die Video-Leinwände umrahmen, gegen Ende gibt es den obligatorischen Flitterregen und auch an ein paar Feuerfontänen in der Rammstein-Sparversion wurde gedacht.

King(s) of Raop

Eines muss man Cro lassen: er hat sich live wirklich weiterentwickelt. Das Gestammel, das er früher Rap genannt hat, ist letztlich Rap geworden. Zu meckern gibt es wenig. Der Flow stimmt und auch sein typischer Gesang kann überzeugen. Und wenn es mal hakt, bekommt er Unterstützung von allen Seiten.

Dazu behilft er sich eines kleinen Tricks und hat seinen Label-Kollegen Teesy sowie Nachwuchsrapper Dajuan auf der aktuellen Tour mit an Bord. Somit wird das Programm mit 2-3 Songs von seinen Special Guests erweitert. Vor allem Teesy überzeugt mit einer frischen Mischung aus Soul, Pop und HipHop und wird dabei von Cro am Klavier – ja, wirklich – begleitet. Das schreit förmlich nach einem Feature in der Zukunft. Die Combo Cro und Teesy hievt das Konzert für kurze Zeit auf ein anderes Level.

Der zweite Gast, Dajuan, taucht bereits auf der aktuellen Platte auf. Während eine vermeintliche Technikpanne vorgetäuscht wird, verschwinden die beiden Rapper im Boden. Auf einer kleinen Hebebühne tauchen Cro und Dajuan hinterm Mischpult wieder auf und performen "Meine Gang (Band Bang)".

"Wir machen alle mal so"

Zwischen den einzelnen Songs passiert nicht viel. Cros Ansagen bestehen weiterhin aus den x-ten Kommandos, die Hände zu heben, wild rumzuspringen und "Party zu machen". Dabei redet er mit seinem Publikum dem Alter entsprechend. Man kommt sich als Erwachsener vor wie beim Kinderkanal. Den Angesprochenen wiederum gefällt das sowieso alles ausgesprochen gut. Cro kann sagen, was er will und machen, was er will. Und wenn er sich mal im Fotograben verirrt, können sich seine Fans kaum halten.

Zwei davon holt sich Cro für ein Gesangsbattle bei "Du" direkt auf die Bühne. Das ist für Sophie und Adrian – so heißen die beiden nämlich – das Highlight des Abends. Für den Rapper selbst ist es die reinste Routine und gehört einfach zu seinem allabendlichen Programm. Das Mädchen heißt übrigens Kristin, Herr Cro. Zumindest bleibt noch die Zeit für ein gemeinsames Foto.

Never Cro Up

Kaum ist das Licht beim letzten Song "Wir waren hier II" erloschen, ertönen auch schon die ersten Zugaberufe, die mit einem Song-Trio aus "Easy", "Wir waren hier" und zum krönenden Abschluss mit seiner aktuellen Single "Traum" erwidert werden. Cro hat das geliefert, was man von ihm erwartet und hat damit seine Fans wunschlos glücklich gemacht.

Es ist nicht zu leugnen, dass der Rapper Teil der heutigen musikalischen Früherziehung geworden ist. Wie lange das Konzept des mittlerweile 24-jährigen noch funktioniert, wird sich zeigen. Denn auch wenn Cro in seinen Songs nie erwachsen werden will, kann er genau das nicht verhindern.

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