Simon Pierro (Pressebild, 2014)

Simon Pierro (Pressebild, 2014) © BB Promotion

Die Premiere eines neuen Bühnenprogramms ist immer auch ein Probelauf zur Optimierung der Show. Simon Pierro hat mit seinem Konzept der digitalen Magie überzeugt. Aber die Show hat eine große Schwäche, die unbedingt beseitigt werden sollte.

Wie es sich für einen Magier des digitalen Zeitalters gehört, betritt Simon Pierro die Bühne des Capitols in Mannheim nicht einfach durch den Vorhang, sondern er zaubert sich selbst mit Hilfe eines 3D-Druckers auf die Bühne. Nachdem er seine hübsche Assistentin Monique ebenfalls aus dem Drucker geholt hat, zeigt er einige aus dem Internet schon bekannte Tricks mit dem iPad.

Er zieht das Menü aus dem Tablet oder lässt Gegenstände wie einen Tennisball im iPad verschwinden oder holt sie dort heraus. Mit "Draw My Life" zeichnet er sein Leben auf dem iPad auf. Wer sich für Details seines Lebens interessiert, kann seinen Werdegang hier nachlesen.

Das liebe Geld

Ein Zuschauer leiht Simon Pierro 20 Euro. Diesen Schein verwandelt der Magier scheinbar in einen 200 Euro Schein, aber da die Seriennummer nicht stimmt, ist der Schein vorerst verschwunden. Später lässt er den Zuschauer einen Umschlag öffnen, den eine andere Dame in der ersten Reihe vorher behalten hat. Darin findet er seinen verschwundenen 20 Euro Schein.

Dazwischen neckt er zum Vergnügen des Publikums einen weiteren Zuschauer, dem er scheinbar die Cola aus dem Glas holt, das auf dem Kopf des Zuschauers steht, und die Flüssigkeit in ein Glas im iPad transferiert. In Wirklichkeit schleicht sich ein Mitarbeiter von hinten an und trinkt die Cola per Strohhalm leer, während Simon Pierro das sitzende Opfer des Scherzes beschäftigt und somit ablenkt. Richtig lustig wird es dann noch, als der Zuschauer das leere Glas untersucht, den Boden anhebt, aber nicht realisiert, wie die Cola verschwinden konnte.

Die Magie des Uri Geller

Beim Stichwort verbogener Löffel denken alle Fans von Magie sofort an Uri Geller. Simon Pierro kennt ihn und schaltet ihn scheinbar live per Skype zu, damit er einen Löffel durch das Internet verbiegt. Man merkt aber relativ schnell, dass diese angebliche Live-Schaltung ein aufgezeichneter Clip ist.

Dennoch ist es beeindruckend, wie Simon Pierro mit Hilfe von Uri Gellers Gedankenkraft eine Glühbirne in einem durchsichtigen Beutel zum Platzen bringt und dann noch das iPad wie den Löffel vorher verbiegt. Nach einigen weiteren Tricks wie Schnee aus dem iPad regnen zu lassen, geht es in die Pause.

Das Problem mit dem Licht

Nach der Pause offenbart sich die große Schwäche in der Darbietung der Show. Denn damit alle Zuschauer gut sehen können, wird die Bühne stark von oben beleuchtet. Diese extrem hellen Scheinwerfer haben aber den negativen Effekt, dass der Videoschirm in der Mitte über der Bühne so hell angestrahlt wird, dass viele Zuschauer eher geblendet werden und nicht wirklich erkennen können, was auf dem Bildschirm zu sehen ist.

Das wirkt sich speziell beim ersten Trick nach der Pause aus. Denn die Zuschauer sollen gemeinsam Anweisungen für eine junge Dame vorlesen, die mit dem Rücken zur Bühne steht und sich eine Spielkarte vorstellen soll. Das funktioniert aber nicht richtig, weil viele Besucher den Text auf dem iPad oder die Übertragung auf dem Videoschirm nicht richtig lesen können. Somit wird dieser Trick mit der Spielkarte im Mund des Magiers, an welche die junge Dame vorher gedacht hat, eher zum Chaostrick.

Starke Mentalmagie   

Besser gelingen die folgenden Tricks, als zwei Zuschauerinnen in eine Kiste greifen sollen. Sie sollen beschreiben, was sie dort fühlen. Beeinflusst von Bildern, die sie auf dem iPad vorher gesehen haben, fühlt ein Mädchen einen Schwamm, der sich aber als schwerer Stein herausstellt. Dem jungen Jona zaubert er durch das iPad hindurch eine rote Kugel in die verschlossene Hand und mit Sandra erstellt er "Sandras Reiseblog", dessen genaue Details er aus einer Kiste holt, die seit Showbeginn über der Bühne hängt.

Zum Showende warnt er alle Zuschauer mit einem Hütchenspiel im XXL-Format mit Eimern und Bowlingkugeln davor, sich auf solche Abzockspielchen einzulassen. Wirklich magisch wird es am Ende mit dem Zauberhandschuh von Cardini, der sich im iPad befindet und in den Simon Pierro mit der Hand schlüpft. Als Zugabe wird er arg noch philosophisch mit dem Puzzle des Lebens, in das er mehrfach neue Teile einfügt. Am Ende passt der vorher weggenommene Rahmen wieder genau um das nun größere Puzzle.

Die Idee der neuen Magie mit Technik des 21. Jahrhunderts ist modern und liegt im Trend. Wenn Simon Pierro mit seinem Team das Lichtkonzept überarbeitet und einen visuellen Effekt erzeugen kann, der mehr einer Kinoatmosphäre ähnelt, dann hat dieses Showkonzept auch live eine gute Zukunft.

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