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Gestartet als kleines Fanzine, das Herausgeber Michael Lohrmann eigenhändig kopierte und verteilte, versorgt das VISIONS Magazin seit nunmehr einem Vierteljahrhundert seine Leser mit allem Wissenswerten rund um Gitarrenmusik im weitesten Sinne. regioactive.de gratuliert herzlich und war natürlich bei der großen Abschlussfeierlichkeit in den Dortmunder Westfalenhallen vor Ort.

Nach den wie gewohnt jährlich stattfindenden Clubkonzerten mit unter anderem Casper und den Beatsteaks als Headlinern im FZW Dortmund, ließen es sich die Macher des VISIONS-Westend-Festivals sich nicht nehmen anlässlich des Geburtstages noch etwas größer aufzufahren und ein viertes Datum dranzuhängen. Kraftklub, Thees Uhlmann, Royal Republic und Kettcar-Sänger Marcus Wiebusch wurden in die Westfalenhalle zu Dortmund geladen, um dort vor rund 6000 Zuschauern zu spielen.

Dortmund – Fußballstadt durch und durch

Damit, dass die Spielzeit von Markus Wiebusch und Royal Republic teils mit der Spielzeit des BVB direkt nebenan im Westfalenstadion und teils mit der Rückfahrt verärgerter Dortmund-Fans in Richtung Stadt kollidierte, hatten sich die Veranstalter allerdings keinen Gefallen getan: Selbst bei der zweiten Band im Line-up war die Halle erst halb voll – ein echter Dortmunder bleibt eben auch bei einer Niederlage bis zum bitteren Ende im Stadion.

Generell zog sich das Thema Fußball durch den ganzen Abend; während Kraftklub wohlweislich verlauten ließen, dass über diese Angelegenheit "heute lieber nicht geredet" werden sollte, schossen sich einige Stunden vorher die Schweden Royal Republic bei vielen Anwesenden ins Aus: "Wir sind Royal Republic und wir kommen aus Hannover" – die Verbrüderung mit dem Spielgewinner brachte der sonst so beliebten Band die ersten und einzigen Buh-Rufe des Abends ein.

Thees Uhlmann – "Hardcore Feminism!"

Ansonsten gestaltete sich der Auftritt der Schweden relativ unspektakulär. Royal Republic sind zwar nicht zu Unrecht gerade auf Festivals als Stimmungsmacher beliebt, aber wenn man einen Auftritt gesehen hat, hat man im Prinzip auch alle ihre Auftritte gesehen.

Etwas interessanter gestaltete sich hingegen die Bühnenzeit von Thees Uhlmann, der nicht nur seine Songs zusammen mit seiner Band spielte, sondern dem Publikum auch diverse VISIONS-Erinnerungen kredenzte und hocherfreut mitteilte, dass vor ihm schon Status Quo und Queen auf der Bühne der Westfalenhalle gestanden hatten.

Großen Applaus von fast allen im Publikum der mittlerweile gut (aber den ganzen Abend nicht voll-) gefüllten Halle erhielt der ehemalige Tomte-Frontmann für seine Beobachtungen, was das Ungleichgewicht im Musikbusiness und vor allem an diesem Abend auf der Bühne anging: "Heute spielen gefühlte acht Bands – unsere Keyboarderin Julia ist trotzdem die einzige Frau auf der Bühne. Beim 50. VISIONS-Geburtstag soll das 50/50 sein – Hardcore Feminism!"

Kraftklub – Keine Atempause

Kraftklub befinden sich eigentlich gerade auf intimer Clubtour, um ihr neues Album "In Schwarz" zu promoten, konnten aber die VISIONS-Einladung nach Dortmund natürlich nicht abschlagen und spielten so in Dortmund ihre einzige Headliner-Show 2014.

Natürlich wurden vorrangig die neuen Songs gespielt, aber in über anderthalb Stunden Stagetime ließen sich natürlich auch fast alle älteren Hits von "Ich will nicht nach Berlin" bis "Karl-Marx-Stadt" einbauen. Eine Atempause ließen Kraftklub ihren Fans allerdings nicht – so gut wie keiner der langsameren Song fand sich in der Setlist, dafür aber ein Ramones-Cover, "Blitzkrieg Bop" gemeinsam mit Royal Republic.

Vermutlich war deshalb auch niemand im Publikum böse, als sich Kraftklub nach einer Zugabe mit Pyrotechnik und Feuerwerk um 22:45 von der Bühne verabschiedeten, denn eineinhalb Stunden durchtanzen machen müde – besonders, wenn man seit 17 Uhr vor einer Bühne steht und der Lieblingsverein zuvor mal wieder verloren hat.

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