© Mannheimer Philharmoniker

Klassik ist nicht nur etwas für alte Ohren. Seit fünf Jahren mischen die Mannheimer Philharmoniker erfolgreich in der Klassik-Szene mit. Ganz nebenbei erleichtern sie jungen Musikern den Einstieg ins Berufsleben.

Jeder Studienabgänger kennt die Problematik: ohne Erfahrung kein Berufseinstieg, ohne Beruf keine Erfahrung. Was sich in den meisten Branchen noch mehr schlecht als recht mit zahllosen Praktika lösen lässt, stellt junge Klassik-Musiker auf dem Weg in den Beruf vor erheblich größere Probleme.

Denn in die etablierten Orchester der Klassik-Welt erhält oft nur Einlass, wer neben den erforderlichen Qualifikationen auch eine gehörige Portion gute Beziehungen mitbringt. Kann man in seinem musikalischen Lebenslauf nicht den Namen eines renommierten Professors anführen, wird man oft nicht einmal zum Vorspielen eingeladen.

Ein Lösungsansatz

Um diesem Dilemma etwas entgegenzusetzen, gründete 2009 der zu diesem Zeitpunkt 22 Jahre junge Dirigent Boian Videnoff die Mannheimer Philharmoniker als gemeinnützigen Verein. Erklärtes Ziel der Philharmoniker ist es, angehenden Berufsmusikern eine Stufe zwischen Studiumsabschluss und Berufseinstieg zu bieten.

Neben den reinen Musikübungen wird bei den Philharmonikern also auch Orchesterroutine eingeübt. Dazu zählen neben vermeintlichen Selbstverständlichkeiten wie pünktlichem Erscheinen bei Proben und dem Zusammenspiel im Orchester auch die Schulung des Verantwortungsbewusstseins einzelner Musiker. So leiten die jeweiligen Stimmführer einzelne Registerproben, also Proben nur einer Instrumentengattung.

Gleiche Chance für alle

Bei Konzertreisen, beispielsweise nach Russland, können die Jungmusiker Erfahrung auf dem internationalen Parkett sammeln. Außerdem bietet sich die Möglichkeit, früh Kontakte zu knüpfen, was in dieser Branche nicht unterschätzt werden darf.

Der Erfolg gibt dem Konzept recht. Die Mannheimer Philharmoniker erhalten regen Zulauf aus ganz Europa. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Lage für Berufsmusiker in Deutschland noch verhältnismäßig günstig ist. Das Mannheimer Ensemble verschließt sich keinen Bewerbern, jeder wird zunächst zum Vorspielen eingeladen.

Moderne Möglichkeiten nutzen

Das ist aber nicht der einzige Unterschied, der die Mannheimer Philharmoniker von anderen Orchestern abhebt. Das junge Ensemble ist bemüht, die eigene Altersklasse zu erreichen und bricht dafür mit althergebrachten Traditionen. In Mannheim und Umgebung werden gerade Studenten mit Einzelaktionen vor den Mensen oder mit Guerilla-Marketing angesprochen, um auf die Philharmoniker aufmerksam zu machen.

Neben starker Präsenz in den Social-Media-Kanälen krempeln die Mannheimer auch den eigentlichen Konzertablauf um. Links und rechts der Bühne werden bei Auftritten zwei Leinwände gespannt, auf denen die Musiker im Detail auch für weiter hinten sitzende Zuhörer gut zu sehen sind. Der Regisseur spricht die Kameraführung vor dem Konzert mit dem Dirigenten ab, so dass er an den jeweiligen Stellen die gerade wichtigen Instrumentgruppen in den Fokus stellen kann. Über die Streaming-Plattform "Home Symphony" kann dann auch am Konzert teilnehmen, wer keine Karte ergattern konnte.

Das Konzept setzt sich durch

in den Anfangszeiten erhielten die Philharmoniker für diese Neuerungen nicht nur Lob. Gerade in einem Musikbereich, der von teils jahrhundertealten Strukturen geprägt ist, wird Neues und Ungewohntes äußerst kritisch beäugt. Die Leinwände würden von der Aufführung ablenken, kritisierten manche. Zum Glück haben die Mannheimer Philharmoniker sich von diesen Stimmen nicht abbringen lassen und suchen den Dialog. Dieses Jahr feiern sie ihr fünfjähriges Bestehen.

Möglich gemacht haben dies die Mannheimer Versicherungen als Hauptförderer, aber auch zahlreiche andere Sponsoren und Privatleute. Die Finanzierung des Ensembles setzt sich so zu einem Drittel aus Gastspielhonoraren, einem Drittel aus Ticketverkäufen und einem Drittel aus Sponsoren- und Fördergeldern zusammen. Geld aus öffentlicher Hand erhalten die Philharmoniker nicht. Umso wichtiger ist es da, dass das Stammpublikum weiter wächst.

Fünf Jahre Mannheimer Philharmoniker!

Sich von den Mannheimer Philharmonikern überzeugen lassen kann man während des am 14. November beginnenden Jubiläumsprogramms. Den Auftakt bilden zwei Konzerte im November in Karlsruhe und Mannheim. Hier werden die Coriolan Ouvertüre von Beethoven, Mozarts Klavierkonzert Nr. 17, sowie Mendelssohns Sinfonie Nr. 3 gespielt.

Den Höhepunkt des Programms bildet die Aufführung der weltberühmten 9. Sinfonie Beethovens am 28.12. im Mannheimer Rosengarten. Wer noch kein Weihnachtsgeschenk für Freunde und Verwandte hat, kann hier zugreifen.

Konzerte der Mannheimer Philharmoniker 2014 & 2015

Kommentare