Norman Seeff wurde 1939 in Südafrika geboren. Er hatte dort Medizin studiert, doch Ende der sechziger Jahre wurden ihm die USA zum Sehnsuchtsort. Die Zustände im Township Soweto, im Apartheids-Staat, machten dem jungen Arzt immer mehr zu schaffen. Sein Beschluss, Südafrika zu verlassen, war alles andere als geplant, wie er in einem Interview erzählt hat: "Eines Morgens bin ich aufgewacht und wusste plötzlich: Ich will nicht mehr als Arzt praktizieren, ich will ein neues Leben beginnen und Künstler sein, mich kreativ verwirklichen. Und dann habe ich innerhalb einer Woche im Krankenhaus gekündigt, mir ein One-Way-Ticket gekauft und bin nach New York geflogen um Künstler zu werden."
Kaum war er in New York, lernte er kulturelle Schlüsselfiguren kennen, Heroen des US-Underground wie Patti Smith, Robert Mapplethorpe oder Andy Warhol. Seine Arbeit für das Album "Stage Fright" von The Band hatte ihn schnell bekannt gemacht. "Es gab damals in New York eine Bar, die sowas wie das Zentrum der Künstlerszene war. Andy Warhol war da, Patti Smith und Robert Mapplethorpe, Blondie war die Kellnerin, Jonny Winter hing da rum – und da bin ich jeden Abend hin und habe mir jemand Interessantes ausgesucht", erinnert sich Seeff.
Star aus Eigeninitiative
Mapplethorpe und Smith gabelte er dort eines Nachts auf, fand die beiden interessant – und sprach sie an. Noch in derselben Nacht entstanden intime Porträts des verliebten Paares. Viele Bilder Seeffs wurden weltbekannt, jenes von Franz Zappa mit Sonnenbrille, ein anderes von Ray Charles, in dessen Brille sich sein Klavier spiegelt. Seeff wurde nach und nach selbst zum Star. Zum Starfotograf, der einen eigenen "Look of Sound" kreieren konnte – zum Artdirector von United Artists und des Jazzlabels Blue Note.
Was ist Seeffs Trick? Wie "klingen" seine Fotos? Er hat einen Sinn für ungewöhnliche Kompositionen wie etwa beim Bild der Punkband The Ramones, bei dem er sich darauf beschränkt, die dürren Beine der Musiker in ihren Jeans zu fotografieren. Intimität ist ihm wichtig – die besondere Atmosphäre beim Fotografieren. Von Mick Jagger und den Rolling Stones hat Seeff im Jahr 1972 beeindruckende Fotos gemacht – stets in klassischem Schwarzweiß. Wunderbar etwa das Porträt Jaggers, der gedankenverloren in die Ferne blickt und mit der Hand die Augen schützt.
"Eine besondere Interaktion zwischen Modell und Fotograf"
"Ich will tiefer gehen, die Seele eines Menschen finden, das was den Menschen tief drinnen ausmacht", sagt der Fotograf. "Deshalb versuche ich, eine emotionale Beziehung zu meinem Gegenüber aufzubauen, um so Fotos zu bekommen, die lebendig sind, inspiriert und voller Lebensfreude." Was ein wenig nach einem Fotografen-Klischee klingen mag, scheint in seinen Fotografien doch eingelöst zu sein. Die Rockstars fühlen sich wohl mit ihm. Das merkt man.
In der Summe verdichten sich die Bilder Seeffs zu einem Zeitporträt, spiegeln die Kultur einer vergangenen Ära. "The Look of Sound" vereint mehr als 160 Fotografien, darunter viele originale Vintage Prints, dazu auch Entwürfe, Collagen und Plattencover. In der Ausstellung in Mannheim sind auch einige Videos von Shootings zu sehen, die den Arbeitsprozess verdeutlichen. Immer sucht Seeff das intensive Gespräch mit seinen Modellen, lässt ihnen Raum, zu sich zu finden. Nach und nach öffnen sie sich – und dann ist es soweit. Es ist die besondere Interaktion zwischen Modell und Fotograf. Sie bestimmt Seeffs besonderen "Look of Sound".
Norman Seeff: "The Look of Sound" ist noch bis zum 25. Januar im Zephyr – Raum für Footgrafie in Mannheim zu sehen. Darüber hinaus bietet der Dokumentarfilm "Triumph of the Dream" Einblicke in Leben und Werk des Fotografen.

