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David Garrett (live in Mannheim,SAP Arena, 2014) © Boris Koprak

Mit Unterstützung der Neuen Philharmonie Frankfurt und seinem brandneuen Programm "Classic Revolution" stattet David Garrett der SAP Arena einen musikalischen Besuch ab und nimmt sein Publikum mit auf eine Reise durch die Musikgeschichte.

Er wird als Paganini der Neuzeit gefeiert und als Rockstar unter den Geigern bejubelt. Mit seinen Crossover-Programmen spannt David Garrett nicht nur seinen Bogen zwischen der Klassik und dem Pop-Rock-Genre, sondern auch zwischen mehreren Generationen.

Ein Künstler mit einer so breiten Zielgruppe kommt eher selten vor. Deswegen ist es auch nicht verwunderlich, dass die SAP Arena so gut wie ausverkauft ist. über 9000 Besucher wollen sich das Geigenspektakel nicht entgehen lassen.

Showtime!

Rein inszenatorisch ist es das nämlich schon. Zu Robbie Williams "Let me entertain you" schwebt Garrett auf einer Plattform über dem Innenbereich der Arena Richtung Bühne – wie ein echter Rockstar eben. Dazu gibt's das erste Mini-Feuerwerk.

Und wie ein echter Rocker hat der Geiger neben dem Orchester seine Band mitgebracht. Fagott trifft auf E-Gitarre, Pauke auf Schlagzeug. Dabei wird Garrett zu keinem Zeitpunkt soundtechnisch übertrumpft. Er ist der Star, er steht im Mittelpunkt und ihn hört man auch am deutlichsten.

Von Brahms bis Bon Jovi

Jede Komposition wird von thematisch passenden Visuals auf einer großen Leinwand im Hintergrund sowie von sechs TänzerInnen des Deutschen Fernsehballetts untermalt. Während Garretts Bühnenshow schießen Laser durch den Raum und bei der Interpretation von Metallicas "Fuel" Feuersäulen aus dem Boden. Sogar seine Geige wird zur überdimensionalen Wunderkerze. Ein dreifacher Goldflitter-Regen aufs Publikum folgt bei Coldplays "Paradise".

Einen ganzen Abend streicht und zupft sich David Garrett mit Band und Orchester neben den Eigenkompositionen einmal quer durch die Musikgeschichte. Nicht einmal Miley Cyrus ist vor dem Geiger sicher. Hauptsächlich zusammen mit seinem Bandkollegen Franck van der Heijden – heute Lead-Gitarrist und Dirigent in einem – hat er u.a. Songs von Bruce Springsteen, Queen, Aerosmith, Frank Sinatra oder den Pet Shop Boys neu arrangiert. Garrett selbst übernimmt dabei immer die eigentlichen Vocal-Parts der Stücke. Er "singt" also mit seiner Geige.

Neu ist nicht immer besser

Das außergewöhnlichste Crossover gelingt Garrett bei einem alten, rumänischen Volkslied, das von einem DJ mit fetten Elektro-Beats einen neuartigen Anstrich erhält. Die Neu-Interpretationen sind sicherlich nicht jedermanns Sache, vor allem seine Versionen klassischer Stücke von Mozart, Verdi, Orff oder Brahms. "Manche Kompositionen sollte man lieber in Ruhe lassen", kommentiert eine Besucherin Garretts Interpretation von Mozarts "Lacrimosa".

In der Tat zerstört beispielsweise das Schlagzeug manchmal mehr Atmosphäre als es schafft. Somit können sich insbesondere die ruhigen Balladen voll und ganz entfalten und zählen zu den Highlights des Abends. Augen zu und genießen lautet die Devise.

Partytouren statt Partituren

Bodenständig, sympathisch, ehrgeizig, romantisch. So möchte David Garrett von der Öffentlichkeit wahrgenommen werden. Mit privaten Fotos aus seinem Tourleben, von seinem alten Golf, den er angeblich noch fährt und ein paar Urlaubsfotos suggeriert er seinem Publikum in der SAP Arena exakt dieses Bild.

Sogar eine SMS seiner Mutter, die während seiner Asien-Tournee im Kühlschrank in seiner New Yorker Wohnung abgelaufene Butter findet und ihm dringend eine Freundin wünscht, erscheint auf der Leinwand.

Ob man dieser Inszenierung Glauben schenken mag oder nicht: die erwünschte Wirkung erzielt er auf jeden Fall. Dennoch bekommt man das Gefühl nicht los, dass das aktuelle Leben des David Garrett eher aus Partytouren als aus Partituren besteht.

Casanova mit der Geige

Eines muss man Geigen-Garrett lassen: das Posen hat er drauf. Mit wallender Mähne, seinem lässigen Style aus Lederstiefeln, Jeans und Sakko und seinem Aussehen wie aus einem Model-Katalog entsprungen lässt er die Herzen seiner weiblichen Fans höher schlagen.

Vor allem eine Besucherin wird den Abend nicht so schnell vergessen. Zu Elton Johns "Your Song" holt sich Garrett ein Mädchen aus dem Publikum auf die Bühne. Der Teenager kann sein Glück kaum fassen. Während sie es sich auf einem Hocker bequemt macht, wird die Auserwählte vom Casanova mit der Geige umgarnt. "Ich hoffe, du hast keine Berührungsängste", witzelt Garrett und hat schon seinen Arm um ihren Hals gelegt, während er fleißig weitergeigt.

Best Of vor dem Best Of

Unter tosendem Applaus kehrt David Garrett mit Band und Orchester für eine Zugabe auf die Bühne zurück. Die bisher gehörten Stücke beziehungsweise deren Interpretationen waren alle neu. Das große Finale bildet ein wilder Ritt durch seine vergangenen sieben Jahre Bühnengeschichte mit Versionen von Michael Jackson bis hin zum Soundtrack aus dem Film "Fluch der Karibik". Sozusagen als Vorgeschmack auf das, was folgt: eine Best Of-Tour in naher Zukunft.

Vielleicht wird David Garrett dann auch wieder in der SAP Arena mit seiner Symbiose aus Klassik, Folk, Pop und Rock sein Publikum begeistern.

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